Die 6 denkenden Hüte als innovative Kreativitätstechnik für Ihre Ideen

12. September 2018

Kreative Prozesse scheitern nicht allein am internen Widerstand, Neues zu suchen und Neues zu wagen. Vielmehr machen Unternehmer und Mitarbeiter immer wieder während Kreativitätssitzungen die Erfahrung „Wer am lautesten brüllt, hat später das Ruder in der Hand". Killerphrasen ohne Ende, Einwände und Bedenken töten nicht nur jede vorgebrachte Idee; sie blockieren auch das „zarte Pflänzchen" Kreativität, das in solchen Momenten lieber verstummt. Kein Wunder, dass Ideen nicht zustande kommen.

Die Ursache ist also kein kreatives Unvermögen. Vielmehr herrscht in den Kreativitätssitzungen, als auch in den meisten anderen Meetings, ein Kommunikationsverhalten, das Blockaden schafft. Denn was die Teilnehmer hindert, in einer Diskussion schnell auf einen Punkt zu kommen, ist das entgegengesetzte Denken zum gleichen Zeitpunkt.

Deshalb hat der Kreativitätsforscher Edward de Bono eine kreative Denk-Methode entwickelt, die das strukturierte und systematische Denken fördert: Die 6 denkenden Hüte.

Die 6 denkenden Hüte von Edward de Bono

Praktisch angewandt, betrachten Sie ein Problem oder eine Fragestellung unter einem bestimmten Blickwinkel, der durch die Farbe des Hutes symbolisiert wird. Plötzlich wird so mental an einem Strang gezogen, denn der Fokus bleibt konzentriert und hüpft nicht wie bisher wild umher

 

Ein unschätzbarer Nutzen:

  • Ideen werden nicht länger zerpflückt, sondern erst einmal in Ruhe freigesetzt.
  • Ergebnisse werden für jeden sicht- und greifbar
  • Fragestellungen werden so wirklich unter allen Aspekten systematisch betrachtet.
  • Besprechungen werden kürzer: Es lässt sich - bei jedem Meeting - Zeit einsparen. IBM senkte mit Hilfe der 6 denkenden Hüte die Zeitdauer seiner Meetings um 75 Prozent.

 



 

Die 6 denkenden Hüte im Überblick

 

Ziel

Die eigene Kreativität zu strukturieren, um so ein systematisches Denken zu erleichtern.

Einsatzmöglichkeiten

Jedes Problem oder Fragestellung kann mit dieser Methode betrachtet werden, unabhängig vom kreativen Faktor. Und zwar alleine oder in der Gruppe.

Voraussetzungen

Die Fähigkeit eigene Aussagen und Gedanken den einzelnen „Hüten" zu ordnen zu können.

Schwierigkeitsgrad

Leicht bis mittel.

Zeitbedarf

Für die reine Ideenfindung ca. 10 bis 20 Minuten

Teilnehmerzahl

1 - 10 Teilnehmer

Vor- und Nachteile

Vorteil: Jeder ist innerhalb dieser Sitzung „gleich stark", Niemand wird durch Killerphrasen, Einwände etc. überrannt. Und das erarbeitete Ergebnis setzt Motivation frei.

Nachteil: Ungeübte benötigen eine Anleitung und es ist eine Moderation sinnvoll, um so das „Chaos" des bisherigen Denkens und Kommunikationsverhaltens unter „einen Hut" zu bringen.

Technik

Papier und Stift; für die Gruppensitzung Flipchart oder Pinwand und für jeden Teilnehmer eine Kopie „Die 6 denkenden Hüte und ihr Einsatz"

Räumlichkeiten

Für die Gruppensitzung ein Besprechungsraum

Vorbereitung

Klären Sie den Fokus für die Kreativitätssitzung. Überdenken Sie, falls eine Gruppensitzung geplant ist, wer bisher welches kreative Verhalten gezeigt hat. Überlegen Sie, wie Sie auf die einzelnen „Hüte" zurückführen können.

 

 

So wenden Sie die 6 denkenden Hüte an: 4 Tipps

 

Tipp 1: Legen Sie die Reihenfolge der „Hüte" fest

Unabhängig davon, ob Sie nun alleine oder in der Gruppe ein Problem oder eine Fragestellung betrachten wollen, legen Sie vorab Ihre „Hüte" fest. Sie strukturieren so den gedanklichen Fokus.

 

Tipp 2: Erstellen Sie eine Frageliste zu den einzelnen „Hüten"

Sie erleichtern sich selbst (und der Gruppe bei einem Meeting), sich auf den jeweiligen „Hut"-Aspekt zu konzentrieren.

 

Tipp 3: Überlegen Sie typische Aussagen der einzelnen „Hüte"

Killerphrasen wie „Dies haben wir schon immer so gemacht" ist ein „Schwarzer Hut"-Aspekt. Aussagen wie „Dass wir das Team verkleinern sollen, stört mich" wäre dagegen unter den „Roten Hut" einzuordnen. Nehmen Sie sich die Zeit einzelne Aussagen oder auch Gedanken aufzulisten, die bei den einzelnen „Hüten" auftauchen könnten. Dies erleichtert Ihre eigene Kreativitätssitzung, denn Sie stellen so sofort fest, welcher „Hut" sich denn nun zu Wort meldet. Und für eine Gruppensitzung, in der Sie die Moderation übernehmen, einfach unerlässlich.

 

Tipp 4: Abschweifen ist anfangs normal

Es benötigt Zeit und auch Übung, bis die 6 denkenden Hüte mühelos sitzen. Der Geist ist es kaum gewohnt, so strukturiert zu denken - er springt lieber von einem zum anderen. Mit Hilfe der Fragen und der typischen Aussagen-Liste können Sie jetzt schnell wieder zu dem gewählten „Hut" zurückkehren.

Manches Mal kann auch der Einwand als Frage für die Ideenfindung genutzt werden, Beispiel: „Dass wir das Team verkleinern sollen, stört mich." Sie möchten bei diesem Einwand zum Grünen Hut zurückkehren, dann fragen Sie „Welche Idee haben Sie, dass es Sie nicht länger stören würde?"

 

Expertenrat

Bitten Sie Mitarbeiter Aussagen, die unter einen anderen „Hut"-Aspekt gehören, auf dem ausgeteilten 6-Denkenden-Hüte-Bogen unter dem entsprechenden „Hut"-Symbol zu notieren. Diese Aussage kann dann später, wenn dieser „Hut" besprochen wird, vorgetragen werden.

 

Die 6 denkenden Hüte und ihr Einsatz

 

Das „Hut-Denken"

Fragestellungen

Typische Aussagen

Weißer Hut

Symbolisiert die Sammlung von Daten und Fakten

„Gibt es noch Informationen einzuholen?"

„Haben wir alle Fakten vorliegen?"

„Wann ist dieses Problem das erste Mal aufgetreten?"

„Die Hintergründe sind unklar."

„Uns wurden Daten vorenthalten."

„Wir sollten erst die neuen Zahlen berücksichtigen."

 

Grüner Hut

Steht für kreatives Denken, neue Ideen und die Suche nach Alternativen. Hier kann jede weitere Kreativitätsmethode zur Unterstützung eingesetzt werden.

„Wie lassen sich die Kunden besser ans Unternehmen binden?"

„Wie ließe sich das Problem beheben?"

„Was fördert die Teammotivation?"

„Wir könnten Aktionswochen durchführen."

„Wie wäre es mit einem gemeinsamen Essen pro Monat?"

„Wäre es nicht fantastisch, wenn ..."

Roter Hut

Signalisiert Gefühle und Intuition, die nicht begründet werden müssen.

„Was sagt das Gefühl?"

„Wie sieht die Intuition die Entwicklung?"

„Was behagt oder missfällt daran?"

„Ich fühle mich dabei wohl/unwohl."

„Einfach genial. Ich bin voll begeistert."

„Dies produziert bei den anderen nur Ärger."

Schwarzer Hut

Mahnt zur Vorsicht, Einwände und Wertungen werden vorgebracht. „Schwarzsehen" ist nun erwünscht.

„Was könnte als Schlimmstes eintreten?"

„Welche Risiken und Gefahren lauern hier?"

„Welche potenziellen Schwierigkeiten könnten auftreten?"

„Dies widerspricht alles den Vorgaben."

„Es wird zu teuer."

„Der Vorstand segnet dies nie ab."

Gelber Hut

Symbolisiert Optimismus, eine logische Sichtweise und auch den Nutzen.

„Welcher Nutzen entsteht bei einer raschen Umsetzung?"

„Welche positiven Effekte verbergen sich noch in dieser Idee?"

„Welche Vorteile bringt dies dem Team?"

„Es verspricht viele Vorteile, nämlich..."

„Davon können wir alle profitieren."

„Der Nutzen ist zwar erst langfristig zu erreichen, doch der Aufwand lohnt sich dafür."

Blauer Hut

Steht für die Kontrolle und Umsetzung.

„Wie wollen wir dies realisieren?"

„Welche Kontrollschritte sollen eingebaut werden?"

„Woran werden wir erkennen, dass wir unser Ziel erreicht haben?"

„Wir können es in zwei Arbeitsphasen aufteilen."

„Für die Umsetzung benötigen wir noch eine Schulung."

„In einem Monat ist die erste Kontrolle."

 

Hier geht´s zu weiteren Kreativitätstechniken: „Die PO-Kreativitätsmethode" und die „ABC-Brainwriting-Methode".

 

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