"Hilfe, ein Azubi kommt!" Ein Interview mit Sabine Bleumortier

30. Juni 2014

Im Mai 2014 erschien das neue Buch Hilfe, ein Azubi kommt! Was Azubibetreuer wissen müssen: Ein Wegweiser für Ausbildungsbeauftragte der Ausbildungsexpertin Sabine Bleumortier. In diesem Interview verrät sie uns, warum sie dieses Buch geschrieben hat und worum es darin geht.

 

Buchtipp Azubi Ausbildung - Interview mit Sabine Bleumortier auf www.business-netz.com

Business-Netz: Warum haben Sie ein Buch über das Thema Azubis geschrieben?

 

Sabine Bleumortier: Mit meinem Buch „Hilfe, ein Azubi kommt! Was Azubibetreuer wissen müssen“ möchte ich Ausbildungsbetriebe und insbesondere die Ausbildungsbeauftragten bei einer erfolgreichen Ausbildung unterstützen. Davon profitieren dann zudem die Auszubildenden. Im Moment wird etwa jedes vierte Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst. Eine viel zu hohe Zahl. Und ein Hauptgrund für diese Vertragslösungen sind Probleme zwischen Auszubildenden und Ausbildern.

Die Ausbildung in den Betrieben und Betreuung durch die ausbildenden Fachkräfte ist aus meiner Sicht der entscheidende Faktor für eine hohe Ausbildungsqualität. Die Zusammenarbeit zwischen Azubi und Ausbildungsbeauftragten kann so bereichernd sein, dass beide davon profitieren. Leider passiert aber auch das Gegenteil, so dass es keinen Spaß macht und am Ende beide demotiviert sind. Dabei können wir mit einer optimalen Betreuung und Förderung des Nachwuchses so viel Gutes erreichen. Diese Funktion des Azubibetreuers ist eine sehr verantwortungsvolle und sollte einen hohen Stellenwert in den Ausbildungsbetrieben haben.

Als Trainerin, Beraterin und Rednerin rund um die Berufsausbildung halte ich Seminare sowohl für Ausbilder und ausbildende Fachkräfte als auch für Auszubildende. Daher kenne ich die Erwartungen, Wünsche und auch Sorgen der Auszubildenden wie der Ausbildungsbeauftragten sehr gut. Hier war es mir ein Anliegen, gerade, den ausbildenden Fachkräften etwas sehr Praxisnahes an die Hand zu geben. Mit Tipps, die schnell im Ausbildungsalltag angewendet werden können.



 

Business-Netz: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Ausbildungsverantwortlichen und einem Ausbildungsbeauftragten?

 

Sabine Bleumortier: Als Ausbildungsverantwortlichen bezeichnet man die Person im Ausbildungsbetrieb, die Auszubildende über die gesamte Ausbildungszeit betreut und den Durchlauf organisiert.

Ausbildungsbeauftragte sind die ausbildenden Fachkräfte, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit in einer Fachabteilung (z.B. Buchhaltung, IT, Produktion,  Verkauf,…) für einige Wochen einen Auszubildenden betreuen und diesem die relevanten Ausbildungsinhalte aus ihrem Bereich vermitteln. Die Aufgaben dieses Azubibetreuers gehen aber weit über das Fachliche hinaus: Förderung des Auszubildenden, Coachen, regelmäßige Feedbackgespräche – neben den fachlichen Kompetenzen ebenso zu den Sozialkompetenzen, Zusammenarbeit mit dem Ausbildungsverantwortlichen u.V.m.

Diese Begriffe werden allerdings nicht immer einheitlich genutzt und aufgrund unterschiedlicher Ausbildungsstrukturen in den Betrieben teilweise auch anders verwendet.

 

Business-Netz: Wo sehen Sie die Hauptprobleme in der betrieblichen Praxis?

 

Sabine Bleumortier: Viele Ausbildungsbeauftragte wissen gar nicht, dass sie so eine verantwortungsvolle Aufgabe haben und welche Tätigkeiten dazu gehören. Manche haben wenig Zeit und keine Unterstützung durch den Vorgesetzten, der meint, dass die Azubibetreuung so nebenbei läuft. Das tut sie aber nicht. Letztlich kommt jede Investition in den Auszubildenden der Firma wieder durch eine gut ausgebildete Fachkraft zu Gute. Leider ist diese Erkenntnis nicht bei allen vorhanden.

Ob bewusst oder nicht, viele bereiten sich nicht auf einen Azubieinsatz vor und beschäftigen sich zu wenig mit der jungen Generation. Oft entstehen Probleme aufgrund mangelnder Kommunikation und mangelnden gegenseitigen Verständnisses, welches ausgesprochen schnell ausgeräumt werden könnte.

Ich sage ja immer, dass sich manche auf einen Hund als neuen Mitbewohner besser vorbereiten, als auf einen Auszubildenden. Diese Analogie nutze ich auch im Buch. Dadurch wird vieles klarer und prägnanter – und lädt durchaus zum Schmunzeln ein.

 

Business-Netz: Adressieren Sie mit Ihrem Buch eher große oder ehe kleine Unternehmen?

 

Sabine Bleumortier: Das Buch ist ganz bewusst für kleine wie große Unternehmen und zudem branchenübergreifend geschrieben. Alle Tipps, von der Funktion des Ausbildungsbeauftragten, über die Organisation der Praxiseinsätze, die Kommunikation mit Auszubildenden und Lehrmethoden, ebenso wie das Kapitel über die Motivation gelten für Mitarbeiter in Ausbildungsbetrieben jeder Größe.

 

Business-Netz: Kommunikation steht im Zentrum Ihres Buches – was ist diesbezüglich Ihr entscheidender Tipp?

 

Sabine Bleumortier: Reden Sie mit Ihren Auszubildenden! Und weniger über diese.

Wenn wir uns über einen Auszubildenden ärgern, der morgens nicht grüßt oder unpassend gekleidet ist, dann müssen wir ihm das sagen. Er kann nicht hellsehen. Ich auch nicht und die Leser sicher auch nicht. Daher ist das Ansprechen und regelmäßige Feedbackgeben (möglichst wöchentlich unter vier Augen) ganz wichtig. Auch Stärken dürfen nicht vergessen werden und wir sollten ausgiebig loben. Nur weil wir selbst vielleicht zu wenig gelobt werden, heißt das ja noch nicht, dass wir nun auch unseren Auszubildenden nicht loben müssen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Anerkennung und auch das Wissen um die eigenen Stärken motiviert und stärkt ungemein.

 

Business-Netz: Wie sehen Sie die künftige Entwicklung in den Ausbildungsbetrieben?

 

Sabine Bleumortier: In Zeiten des „Fachkräftemangels“ gehört zu einem attraktiven Ausbildungsbetrieb eine hohe Ausbildungsqualität. Denn nur begeisterte Auszubildende erzählen gerne von ihrer Ausbildung und ein modernes Ausbildungsmarketing in Zeiten der neuen Medien kann nur auf ehrliche Art und Weise gelingen. Diese Ausbildungsqualität wird nur mit qualifizierten Ausbildungsbeauftragten erreicht. Hier auch schwächere Jugendliche – ebenso wie neue Zielgruppen (z.B. Mütter, ältere Auszubildende, Studienabbrecher usw.) gut auszubilden wird zudem eine der zukünftigen Herausforderungen in den Betrieben sein. Dabei muss der Stellenwert der betrieblichen Ausbildung in den Betrieben passen.

 

Business-Netz: Vielen Dank für das ausführliche Interview, Frau Bleumortier. 

 

Sabine Bleumortier auf business-netz.com  

Zur Autorin:

Sabine Bleumortier ist Ausbildungsexpertin und arbeitet seit über sieben Jahren als selbständige Beraterin und Trainerin rund um das Thema Berufsausbildung. Neben Seminaren zur Ausbilderqualifizierung und Trainings für Auszubildende hält sie Vorträge und Keynotes. Zuvor war sie acht Jahre als Ausbildungsleiterin eines international agierenden Industrieunternehmens tätig. 

Sie ist Dipl.-Ökonomin (Univ.), geprüfte Trainerin und Beraterin BaTB/BDVT, Professional Speaker GSA (SHB) und Autorin zahlreicher Publikationen. 

 

Ihr aktueller Ratgeber Hilfe, ein Azubi kommt! Was Azubibetreuer wissen müssen: Ein Wegweiser für Ausbildungsbeauftragte  ist im Mai 2014 erschienen. 

 

 

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