30-jährige Garantie gegen Durchrostung ist als Kundenbindungsmaßnahme zulässig

26. Oktober 2010

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat jetzt darüber entschieden, ob die von einem Fahrzeughersteller gewährte Durchrostungsgarantie für ein Kraftfahrzeug von der Voraussetzung abhängig gemacht werden kann, dass der Garantienehmer die Wartungsdienste nach Hersteller-Vorgaben in Vertragswerkstätten des Fahrzeugherstellers ausführen lässt. 

durchgerostete Ente

Im Sachverhalt ging es um einen Kläger, der im Jahr 2002 von einer offiziellen  Mercedes-Werksniederlassung einen Mercedes-Benz-Pkw als Gebrauchtwagen erworben hatte.

 

Mit ihrer formularmäßig gewährten "mobilo-life"-Garantie garantiert die Beklagte für ab dem 24. Oktober 1998 ausgelieferte Mercedes-Benz-Pkw, dass keine Durchrostung von innen nach außen eintritt. Weiter heißt es in dem Prospekt: "mobilo-life gilt in Ergänzung zu den Gewährleistungsregelungen der Daimler-Benz-Neufahrzeug-Verkaufsbedingungen lebenslang bis 30 Jahre für alle Mercedes-Benz PKW. Immer unter der Voraussetzung, dass ab dem 5. Jahr nach der Erstauslieferung durch die Mercedes-Benz-Organisation die Wartungsdienste nach Hersteller-Vorgaben in Mercedes-Benz-Werkstätten ausgeführt werden. Der letzte Wartungsdienst darf zum Zeitpunkt der Inanspruchnahme nicht länger als 2 Jahre zurückliegen." Der Kläger nimmt die Beklagte wegen Roststellen an der Heckklappe aus der Garantie in Anspruch.

 

Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen, weil der Kläger die Wartungsdienste nicht in Mercedes-Benz-Werkstätten durchgeführt hat.



Das Berufungsgericht hat der Berufung des Klägers stattgegeben und zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt, dass die zitierte Klausel unwirksam sei, weil sie den Garantienehmer unangemessen benachteiligt.

 

Der Bundesgerichtshof entschied dagegen, dass die Klausel, nach der die Garantie die regelmäßige Durchführung der Wartungsdienste nach Hersteller-Vorgaben in Mercedes-Benz-Werkstätten voraussetzt, wirksam ist. Eine unangemessene Benachteiligung des Garantienehmers i. S. d. AGB-Regeln liege nicht vor.

 

Mit der Klausel wird in zulässiger Weise eine Bindung des Kunden an bestimmte Werkstätten bezweckt. Die langfristige Garantie soll dem Kunden nur "um den Preis" der regelmäßigen Durchführung der Wartungsdienste in den Vertragswerkstätten zustehen, sodass – bei wirtschaftlicher Betrachtung – von einer "Gegenleistung" gesprochen werden kann, die für die Garantie gefordert wird. Die Interessen des Kunden werden dadurch nicht unangemessen beeinträchtigt. Er kann sich die Ansprüche aus der Garantie bis zu einer Dauer von 30 Jahren erhalten, indem er die – ohnehin regelmäßig notwendigen – Wartungsarbeiten nach Herstellervorgaben in Mercedes-Benz-Werkstätten durchführen lässt. Ihm selbst ist die Entscheidung überlassen, ob und ab wann er – etwa im Hinblick auf das Alter das Fahrzeugs – von den regelmäßigen Wartungen Abstand nimmt oder diese bei anderen (preisgünstigeren) Werkstätten durchführen lässt.

 

Anders als in den bisher vom Senat entschiedenen Fällen, in denen dritte Unternehmen (also nicht die Fahrzeughersteller) Garantiegeber waren, liegt hier keine unangemessene Benachteiligung der Kunden darin, dass der Verlust der Garantieansprüche auch dann eintritt, wenn das Unterlassen der Wartungsdienste bzw. die Durchführung bei anderen Werkstätten für den Garantiefall nicht ursächlich war. Dies rechtfertigt sich durch das legitime Interesse der Beklagten als Fahrzeugherstellerin, eine Kundenbindung an ihr Vertragswerkstättennetz zu erreichen (BGH, Urteil vom 12.12.2007;  Az.: VIII ZR 187/06).

Dieses Urteil ist Bestandteil des Beitrags Regulierung von Unfallschäden – Wann Sie die Kfz-Versicherung auf freie Werkstätten verweisen darf.

 

Der BGH hat jetzt ein weiteres Grundsatzurteil zur Verweisung auf freie Werkstätten durch Kfz-Haftpflichtversicherungen gesprochen. Konkret geht es um die Klage eines Geschädigten, dessen zum mehr
Wenn Sie unverschuldet einen Unfall erlitten haben, haben Sie in puncto Schadenersatz die Wahl – entweder Sie lassen den Schaden reparieren oder Sie rechnen mit der Versicherung des Schädigers mehr
Der BGH hat im sogenannten „BMW“-Urteil zur Frage Stellung bezogen, wann und unter welchen Umständen der Versicherer auf eine preiswertere Werkstatt verweisen darf. Bei einem Unfall wurde der BMW des Klägers mehr
Der BGH hat ein weiteres Grundsatzurteil zur Berechnung der fiktiven Reparaturkosten bei einem Kfz-Unfall gesprochen. Im Ausgangsfall macht der Kläger gegen den Beklagten restlichen Schadensersatz aus einem mehr
Wohl dem, der bei einem Unfallschaden eine Vollkasko-Versicherung hat. Nicht jeder Versicherte will seinen Schaden aber tatsächlich sofort reparieren lassen, stattdessen wird auch gern auf eine finanzielle Entschädigung auf Basis eines Gutachtens (... mehr