Altersdiskriminierung bei Bewerbung - Nichtbesetzte Stelle hindert Schadenersatz nach AGG nicht

27. August 2012

Altersdiskriminierung bei Bewerbung durch unterlassene Einladung zum Vorstellungsgespräch

Altersdiskriminierung bei Bewerbung

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat aktuell entschieden, dass eine Entschädigung nach dem AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) wegen Altersdiskriminierung bei einer Bewerbung nicht schon daran scheitert, dass die Stelle gar nicht besetzt wird. Im Ausgangsfall hatte der Arbeitgeber mittels Stellenausschreibung zwei Mitarbeiter im Alter zwischen 25 und 35 Jahren gesucht. Der 53-jährige spätere Kläger bewarb sich, erhielt aber kein Vorstellungsgespräch. Der Arbeitgeber führte allerdings mehrere Vorstellungsgespräche mit anderen Bewerbern durch, stellte aber letztendlich überhaupt keinen Bewerber ein. Der Kläger verlangte vom Arbeitgeber wegen Altersdiskriminierung eine Entschädigung nach  AGG. Seine darauf gerichtete Klage scheiterte sowohl vor dem Arbeitsgericht wie vor dem Landesarbeitsgericht (LAG).

Nichtbesetzte Stelle schließt Schadenersatz wegen Altersdiskriminierung nach AGG nicht aus

Die Revision des Bewerbers war erfolgreich, das BAG wies die Sache zur erneuten Entscheidung an das LAG zurück. Dieses hätte die Klage auf Entschädigung nicht allein mit der Begründung ablehnen dürfen, ein Verstoß des beklagten Arbeitgebers gegen das Verbot der Altersdiskriminierung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz scheide aus, weil der Arbeitgeber keinen anderen Bewerber eingestellt habe. Das LAG werde bei seiner Entscheidung über das Bestehen des geltend gemachten Anspruchs auf Schadenersatz u. a. zu prüfen haben, ob der Kläger für die ausgeschriebene Stelle objektiv geeignet war und ob eine Einstellung wegen seines Alters unterblieben ist (BAG, Urteil vom 23.08.2012;  Az.: 8 AZR 285/11).

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat entschieden, dass eine Stellenausschreibung grundsätzlich gegen das Altersdiskriminierungsverbot verstößt, wenn ein "junger" Bewerber gesucht wird. mehr
Wird eine schwerbehinderte Bewerberin mit der Begründung, sie sei für die Stelle offensichtlich ungeeignet, nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, so handelt es sich dabei nicht um eine Diskriminierung wegen einer Behinderung (Az.: 3 Sa 182... mehr
Keine Altersdiskriminierung liegt nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vor, wenn bei der für die betriebsbedingte Kündigung erforderlichen Sozialauswahl Altersgruppen gebildet werden (Az.: 2 AZR 42/10). mehr
Im Zuge der Wirtschaftskrise versuchten viele Unternehmen, ältere Beschäftigte auf das Abstellgleis abzuschieben. Die Betriebsparteien im nachstehenden Fall wollten die Arbeitnehmer „rentennaher“ Jahrgänge von der Kurzarbeit über eine... mehr
Das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg hat jetzt überraschend entschieden, dass der Arbeitgeber einem ausgeschiedenen Mitarbeiter, der seinen Urlaub im vorangegangenen Jahr gar nicht beantragt hatte, dafür Schadenersatz leisten muss. mehr