Verkaufen in digitalen Zeiten: Wie sieht die Zukunft des Parfümeriehandels aus?

28. Februar 2019

Im zweiten Teil der Beitragsserie zum Thema Verkaufen in digitalen Zeiten haben wir gemeinsam auf den Mode-Einzelhandel geschaut, den aktuellen Stand der Digitalisierung kennengelernt und auch vorsichtig in die Zukunft geblickt. Jetzt betrachten wir einmal eine Branche, die ebenfalls in vielen Bereichen einem Preiskampf ausgesetzt ist: Der klassischen Parfümerie.

 

Digitalisierung im Parfüm-Handel

 

Auch hier noch einmal der kurze Hinweis zum besseren Verständnis: Ich habe mir zur persönlichen Einschätzung der Situation den Begriff Digitaler Index (DI) „ausgeliehen“. Im Rahmen der Betrachtung der Branchen und Tätigkeitsfelder finden Sie also meine jeweilige Einschätzung des Digitalisierungsgrades. Dabei geht es um eine Skala von 1 bis 10, wobei die „1“ den niedrigsten und die „10“ den höchsten Wert darstellt. Ich starte stets mit einer allgemeinen Einschätzung der Situation und wage dann einen Ausblick.

 

Der Bereich Parfümerien

Wer bis vor Kurzem noch mit hundertprozentiger Sicherheit mehr als 30 Männer auf einen Schlag sehen wollte, musste ins Fußballstadion gehen oder er stellte sich Heiligabend vormittags bei zum Beispiel Douglas in die Schlange, wo auf die letzte Minute noch schnell versucht wurde, das passende Parfüm für die Liebste zu ergattern. Mittlerweile ist es dort und anderswo am 24. Dezember deutlich leerer geworden: Dank der Möglichkeiten, die das Internet bietet, werden nun immer häufiger online Geschenk-Gutscheine heruntergeladen und ausgedruckt. Die Karawane ist zum Glühwein-Stand weitergezogen. Der Trend zum Online-Geschäft ist hier schon ziemlich weit fortgeschritten: Zwar werden die meisten Umsätze natürlich noch vor Ort getätigt, doch ist die Entwicklung im Bereich der Parfümerie- und der Beauty-Welt anscheinend viel weiter fortgeschritten als im Modebereich, den wir kürzlich betrachtet haben. Um die Kunden möglichst lange auf der Homepage zu halten und den Beziehungsaufbau voranzutreiben, wird hier sogar gebloggt: Es gibt Schminktipps, Gewinnspiele und Anwendungsbeispiele; also all das, was in unzähligen anderen privat betriebenen Beauty-Blogs bereits seit einiger Zeit angeboten und von unzähligen Menschen – meistens Frauen – gerne angenommen wird.



 

Die Kunden im Einzelhandel lassen sich hierbei in zwei Kategorien unterteilen: die, die sich wie gehabt vor Ort beraten lassen möchten und ohne großes Vorwissen in den Laden kommen, und die, die sich vorher ausgiebig auf den Internetseiten und dem Blog schlau gemacht haben. Die neue Herausforderung für die Verkäufer ist, dass sie ebenfalls über dieses Wissen verfügen sollten, damit sie auf dem neuesten Stand der Entwicklung sind, um die zumeist weiblichen Kunden zumindest zufriedenstellend beraten zu können.

 

Nach meiner Einschätzung liegt der DI im Parfümerie-Bereich bei 6.

 

Das mögliche Zukunftsszenario

Kommen wir zum möglichen Szenario in fünf bis zehn Jahren: Mit fortschreitender allgemeiner Digitalisierung werden auch die Parfümerien immer mehr zum Abhol- und Intensivberatungs-Standort. Denkbar ist, dass vor Ort kompetente Kosmetikerinnen und sogenannte MakeUp-Artists die Kunden intensiv beraten und an Schmink-Models die Produkte und Tipps vorführen. Sie als Kundin oder Kunde können an einem Bildschirm mit Hilfe eines Gesichts-Scans ausprobieren, wie Sie zum Beispiel mit dickeren Augenbrauen aussähen. Wie ich einige meiner Leser einschätze, werden Sie sich da einen Riesenspaß draus machen. Sei´s drum. J Wie in den meisten anderen Branchen auch, wird hier der Einkauf immer mehr zum Event werden.

 

Die Ladengeschäfte werden in ihrem Sortiment übersichtlicher werden und nicht mehr so vollgestopft sein. Warum auch? Online-Bestellmöglichkeiten vor Ort, die geringe Größe der jeweiligen Päckchen und die weiter fortschreitende Digitalisierung der Paketdienste garantieren eine enorm schnelle Lieferung noch am selben Tag beziehungsweise Abend. Der DI steigt demnach auf 8.

 

Ein weiterer ausgesuchter Bereich wird in Teil 4 dieser Serie der Spielwaren-Sektor sein. Hier hat sich der Markt in den letzten Jahren enorm bereinigt und die Entwicklung wird ebenfalls sehr spannend sein.

 

Das Buch zum Thema:

Verkaufen in digitalen Zeiten: Einfach mal Mensch sein (Dein Business)

 

 

 

Autor: Lars Schäfer
Im 2. Teil der Serie: Verkaufen in digitalen Zeiten, betrachtet Lars Schäfer den Einzelhandelssektor und konkret die Zukunft des Modehandels. mehr
Im 4. Teil der Serie: Verkaufen in digitalen Zeiten, betrachtet Lars Schäfer den Einzelhandelssektor und konkret die Zukunft des Spielwarenhandels. mehr
Im 5. Teil der Serie: Verkaufen in digitalen Zeiten, betrachtet Lars Schäfer den Einzelhandelssektor und konkret die Zukunft des Sport-Einzelhandels. mehr
Im 6. Teil der Serie: Verkaufen in digitalen Zeiten, betrachtet Lars Schäfer den Einzelhandelssektor und konkret die Zukunft des Lebensmittel-Einzelhandels. mehr
Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, höchste Zeit also für eine Standortbestimmung. Lars Schäfer betrachtet in seiner 6-teiligen Serie den digitalen Wandel in der Verkaufsbranche in einem neuen, positiven Licht und zeigt die Chancen und... mehr