Werteorientiertes Führen: Der Umgang miteinander

11. November 2015

Die unterschiedlichen Ausprägungen des Teams und des Leiters können einerseits Konflikte verursachen, wenn sie sich widersprechen, andererseits sind genauso gut Synergie-Effekte möglich. Der rot-orientierte, konfliktbereite Leiter eines Teams kann sich schützend vor sein eher grünes, harmoniesuchendes Team stellen, um Schaden abzuwehren. Ein eher langsames, konsens-orientiertes Team kann von einem orangenen, erfolgsorientierten Leiter durchaus profitieren, wenn es darum geht Prozesse voran zu bringen. Das negative Wertesystem gibt es nicht. Es kommt immer darauf an, wie es am Ende ausgelebt wird.

 

Die einzelnen Wertesysteme sind in dem Beitrag Werteorientiere Führung: Die menschlichen Triebfedern beschrieben.

 

Alle Ausprägungen haben ihre Berechtigung und sind nicht besser oder schlechter als andere. Es geht eher darum, die jeweilige Ausprägung zuerst zu verstehen und dann auf positive Weise anzusprechen. Dabei kommt man um einen Prozess der Selbsterkenntnis nicht herum. Das Verständnis seiner selbst und seines Umfelds hilft dabei, Unterschiede als Bereicherung anzunehmen. Wenn ich weiß, dass mein Team ein konsensorientiertes Gespräch braucht, kann ich entsprechende Tools nutzen, um mein Team abzuholen. Das kann beispielsweise das Daily Standup sein oder das wöchentliche Teammeeting. Als Leiter kann ich von meinem Team nur dann eine hohe Performance erwarten, wenn ich es gemäß seiner Werte anspreche und aktiviere. Einen „roten“ Leader kann ich abholen, indem ich mit ihm respektvoll und loyal umgehe und das Ausdiskutieren auf ein notwendiges Maß beschränke.

 

 

Wer passt wohin?

Auch im Recruiting ist es wichtig, sich der Wechselwirkung der verschiedenen Wertesysteme bewusst zu sein. Dabei achtet man besonders darauf, dass ein Team-Leiter nicht einen großen Widerstand gegen die Werte des Teams hat. Widerstand gegen ein Wertesystem bedeutet, dass dieses Wertesystem eher Mühe breitet, wenn das System negativ übertrieben gelebt wird. Wenn beispielsweise ein Teamleiter eher orange-grün motiviert ist und sein Team eher grün-blau, bedeutet das: Der Teamleiter macht wahrscheinlich Zielvereinbarungen und erwartet entsprechend Ergebnisse. Das Team wiederum braucht klare Strukturen und Regeln, wie das vereinbarte Ziel zu erreichen ist. Wenn hier das Verständnis füreinander fehlt, werden Teamleiter und Team aneinander vorbei reden. Das kann zu einem massiven Konflikten führen. Um sich zu begegnen, braucht einen gemeinsamen Nenner, ein gemeinsames, verbindendes Wertesystem. Im Vorfeld der Besetzung einer Schlüsselposition hilft deshalb die Profil- und Teamanalyse, eine Person mit dem passenden Wertesystem zu finden. Grundlegend ist dabei die Erkenntnis, dass es keine schlechten und guten Wertesysteme gibt. Der rote Leader kann zwar (aus grüner Sicht) autoritär und rücksichtslos erscheinen, doch kann er ebenso mit Tatkraft und Selbstsicherheit Entscheidungen treffen und Prozesse vorantreiben. In jeder negativen Übertreibung steckt ein positiver Kern. Der orangene Leader kann Unternehmen voran bringen und einen Wettbewerb für sein Team entscheiden. Kein Level ist gut oder schlecht. Es kommt immer auf die Art an, wie es ausgelebt wird.

 

Um diese Art des Auslebens positiv zu gestalten ist es nötig, einen Bewusstseinsprozess anzustoßen. Der Weg zu einem effizienten und friedlichen Miteinander führt über die Ermächtigung der Kollegen zum Verstehen. Wir nutzen das Verstehen der Wertesysteme um Verständigungsbrücken zu bauen. Aus diesem Grund kann der Weg zu einem nachhaltigen und effektiven Miteinander in einem Team nur über Knowledgetransfer gehen. Ansonsten läuft man Gefahr in einem stabilen neurotischen System zu verharren, in dem man permanent aneinander vorbei redet und Kraft in das Missverständnis steckt. Das Wissen darum, dass wir alle verschieden sind und dass das so okay ist, stellt den ersten wichtigen Schritt zu einer nachhaltigen Mitarbeiter-, Team- und Unternehmensentwicklung dar. Der effiziente Umgang mit dem jeweiligen Wertesystem stellt den nächsten Schritt dar.



 

New Work und Wertesysteme

Die New Work Bewegung, die auf mehr Selbstbestimmung setzt, ist eher einer „gelb - orangenen“ Orientierung von Start Ups geschuldet. Gelb strebt Freiheit an und Orange will Chancen nutzen. Beide Wertesysteme sprechen gut auf New Work Maßnahmen an. Schwieriger wird es, wenn Lila und Blau bevorzugt wird. Lila steht für Sicherheit und Geborgenheit, Blau für Sicherheit und Ordnung. Herrscht bei Mitarbeitern eine Bevorzugung dieser Wertesysteme, wird New Work eher nicht angenommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, gerade bei Prozess-Optimierungen neuerer Art, die Maßnahmen teamspezifisch abzustimmen. Wenn die Maßnahmen werteorientiert angepasst werden, lässt sich die Gewinnzone eher erreichen und Umbaumaßnahmen rentieren sich.

 

Zusammenfassend kann man festhalten, dass jedes Wertesystem positiv ausgedrückt werden kann. Im wesentlichen kommt es darauf an, dass der Leader und die Gruppe eine gemeinsame Basis haben, ihre Widerstände nicht zu sehr aufeinander prallen und sie bereit sind aufeinander einzugehen bzw. das Anderssein anzunehmen und auch das Positive im Gegenüber zu sehen. Das Werkzeug Profile Dynamics ist eine effiziente Abkürzung um die Verschiedenheit von Menschen zu verstehen und positiv zu nutzen. So kann man Prozesse bewusst gestalten.  Wenn man sein Team dabei unterstützt, sich selbst zu entdecken und sich zu entwickeln, haben wir ein großes Ziel erreicht: Mehr Spaß und Engagement bei der erfolgreichen Umsetzung der Ziele. 

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