Setzen Sie im Umgang mit dem Chef auf Kooperation statt auf Konfrontation

15. März 2019

Ihr Vorgesetzter und Sie: Warum Sie auf Konfrontation verzichten sollten

Es wird immer wieder berufliche Situationen geben, in denen Sie mit Ihrem Vorgesetzten nicht einer Meinung sind. Ob es sich um die Vorgehensweise bei der Realisierung einer neuen Auf- oder Vorgabe handelt, ob es um die Handhabung einer Kundenbeschwerde geht oder ob es sich darum dreht, dass Ihr Vorgesetzter sich, obwohl Ihr Team unterbesetzt ist, bei der Geschäftsleitung nicht für die Einstellung eines weiteren Mitarbeiters einsetzt. In solchen Situationen sind Sie zweifelslos frustriert, verärgert und schütteln innerlich den Kopf über die Uneinsichtigkeit Ihrer Führungskraft.

 

Vielleicht zeigen Sie Ihren Unmut auch deutlich. Sie verbalisieren und kommunizieren Ihre Sichtweise der Dinge klar und eindeutig – und gehen damit auf Konfrontationskurs. Ein Verhalten und Auftreten, das zweifelslos verständlich ist, Ihnen jedoch kaum den gewünschten Erfolg bescheren wird.

 

 Kooperation statt Konfronation

Denn auf Konfrontation mit Ihrem Vorgesetzten zu gehen,

  • verhärtet nur die Fronten, d.h. Ihr Vorgesetzter wird Ihnen nicht zustimmen, sondern auf Ihren Widerstand mit eigenem Widerstand reagieren - allein um seine Position und seine Macht als Führungskraft unter Beweis zu stellen.
  • zeigt nur gegenseitige Grenzen auf. Sie und als Reaktion auf Ihr Auftreten auch Ihr Vorgesetzter konzentrieren sich auf das Nicht-Verbindliche, d.h. jeder vertritt seine Position und will diese durchsetzen. Als Mitarbeiter – und damit als Untergebener – werden Sie dabei garantiert den Kürzeren ziehen.
  • setzt nur auf ein Ziel: Alleiniger Sieger zu sein. Sie wollen im Recht sein und Recht haben, da Sie sich im Recht fühlen.

 

Im Umgang mit dem Chef setzen Sie lieber auf Kooperation

Ändern Sie Ihre Strategie. Setzen Sie im Umgang mit Vorgesetzten grundsätzlich auf Kooperation statt auf Konfrontation. Denn in einer Kooperation

  • wird das Verbindende gesucht und gestaltet, d.h. suchen Sie nach dem kleinsten und größten gemeinsamen Nenner, den Sie mit Ihrem Vorgesetzten haben.
  • geht es darum, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, d.h. fragen Sie sich, auch bei Problemen mit dem Vorgesetzten: Welches Ziel verfolgen Sie beide?
  • gibt es eine übergeordnete Vision, der alle folgen, d.h. rufen Sie sich diese ins Bewusstsein, beispielsweise für das Wohlergeben des Unternehmens zu sorgen.
  • wird bei gegensätzlichen Positionen Einigung gesucht, d.h. für Sie als Untergebener bedeutet dies: Überlegen Sie sich, welchen Aspekten Sie in den Ausführungen Ihres Vorgesetzten zustimmen können und bewegen Sie sich von dieser mentalen Position auf Ihren Vorgesetzten zu.

 



 

Die Strategie der Kooperation: 3 Tipps, wie es Ihnen gelingt

 

Tipp 1: Bleiben Sie sachlich

Gerade in Situationen, in denen es Probleme mit dem Vorgesetzten gibt, fällt es schwer, von der sachlichen Ebene aus zu agieren. Sie fühlen sich vielleicht sogar, durch das Verhalten des Vorgesetzten, persönlich angegriffen. Dadurch reagieren Sie plötzlich von der Beziehungsseite. Oder Ihr Kind-Ich in Ihnen wird dadurch aktiviert und Sie reagieren verunsichert oder trotzig.

 

In so einem Moment verlieren Sie – oftmals unbewusst – Ihre Fähigkeit sachlich, ruhig und aus Ihrem Erwachsenen-Ich heraus mit Ihrem Vorgesetzten zu kommunizieren. Denn Sie fühlen sich unter Stress und das verstärkt den Urinstinkt: Das Flucht-Angriff-Schema. Allerdings können Sie, durch Übung und Konzentration auf das eigene Verhalten, diesen Urinstinkt durchbrechen. Aktivieren Sie Kommunikationsmethoden, die Ihr Erwachsenen-Ich und damit Ihre Sachlichkeit stärken:

  • Fragen Sie nach. „Habe ich Sie richtig verstanden: Ihre Schlussfolgerung aus diesen Daten ist, dass wir …“
  • Fassen Sie zusammen. „Ich möchte um Missverständnisse auszuschließen, kurz Ihre Anweisungen zusammenfassen. Sie möchten, dass…“
  • An Schlussfolgerungen anknüpfen und Bedenken äußern. „Ich stimme Ihnen in diesem Punkte zu. Nur sehe ich eine Hürde, für die ich bei dieser Vorgehensweise keine Lösung erkennen kann.“
  • Hinterfragen Sie den Standpunkt Ihres Vorgesetzten. „Was verstehen Sie unter…“, „Was meinen Sie mit…“, „Worauf beziehen Sie sich in Ihrer Schlussfolgerung? Ich möchte Ihren Gedankengang gerne nachvollziehen können.“

 

Tipp 2: Treten Sie lösungsorientiert auf

Verweisen Sie in den Gesprächen mit Ihrem Vorgesetzten nicht allein auf Konflikte, Probleme und Schwierigkeiten. Bieten Sie, soweit es Ihnen möglich ist, Ideen zur Lösung an. Sie erleichtern dadurch die Arbeit Ihrer Führungskraft – und werden so zu einem Verbündeten. (Denken Sie an die „an-einem-Strang-ziehen“-Devise.) Zeigen Sie durch das lösungsorientierte Denken neue Wege und Perspektiven auf, die er vielleicht ohne diesen Input nicht gesehen hätte. Dadurch kann es geschehen, dass Ihr Vorgesetzter seinen Standpunkt ändert – und Sie Recht bekommen.

 

Hinweis:

Üben Sie lösungsorientiert zu denken, indem Sie sich mit den Fragen des systemischen Kurzzeit-Coaching befassen und diese Fragen am besten verinnerlichen. So wird Ihr Blick automatisch bei jedem Problem in Richtung Lösung gelenkt.

 

Tipp 3: Handeln Sie aufgaben-, nicht personenbezogen

Ihr Vorgesetzter hat wie jeder Mensch seine Stärken und Schwächen, mit denen Sie sich arrangieren müssen, um in Ihrem Job nicht zu frustriert und demotiviert zu werden. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen – und dadurch auch den Umgang mit dem Chef zu erleichtern – ist: Denken und handeln Sie aufgabenbezogen, d.h. stellen Sie Ihre Arbeit und die einzelnen Aufgaben in Ihren Fokus und konzentrieren Sie sich weniger auf die persönlichen Schwächen Ihres Vorgesetzten.

 

Durch diese bewusste Fokussierung auf Ihre Aufgaben verabschieden Sie sich automatisch von der Haltung der Konfrontation und rücken die Kooperation in den Mittelpunkt. Denn durch ein aufgabenbezogenes Denken und Handeln verlassen Sie die Beziehungsseite in der Zusammenarbeit mit Ihrem Vorgesetzten, d.h. Sie können besser aus Ihrem Erwachsenen-Ich handeln, bleiben dadurch sachlicher und suchen eher nach Gemeinsamkeiten, als Kämpfe auszutragen. Es gelingt Ihnen dadurch leichter, sich auf das gemeinsame Ziel zu konzentrieren.

 

Fragen Sie sich:

  • Stimmen Sie der Aufgabe zu?
  • Welchen Sinn und welchen Zweck erkennen Sie in dieser Aufgabe?
  • Welche Aufgaben und welche Projekte bringen Sie und Ihren Vorgesetzten gemeinsamen Zielen näher – wie beispielsweise das Wohlergehen des Unternehmens, dem Wohlergeben der eigenen Karriere dient?
  • Was müssen Sie tun und wie müssen Sie auftreten, um die innere Haltung „Ich mache meine Arbeit und mein Vorgesetzter macht seine Arbeit“ umzusetzen?
  • Wann konzentrieren Sie sich auf die Person Ihres Vorgesetzten, statt auf die gestellte Aufgabe? Was ist in diesem Moment geschehen? Was können Sie daraus für sich und Ihr Auftreten lernen? Wie können Sie dies zukünftig ändern?

 

Notieren Sie Ihre Gedanken. Definieren Sie am besten Schritte, wie Sie Ihre Fähigkeit, aufgabenbezogen zu denken und zu handeln, stärken können. Kontrollieren Sie Ihre Ergebnisse, d.h. loben Sie sich für jede Situation, in der es Ihnen gelungen ist, statt auf Konfrontation zu gehen, eine Kooperation mit Ihrem Vorgesetzten zu erzielen.

 

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