Kündigung im Ausbildungsverhältnis – Praktikum nicht auf Probezeit anerkannt

8. Januar 2010

Die Kündigung eines Auszubildenden ist nur eingeschränkt möglich. Sie sollten daher auf gar keinen Fall versäumen, einen Auszubildenden, mit dem Sie nicht zufrieden sind, noch während der Probezeit zu kündigen. Heikel kann es werden, wenn der Auszubildende bereits vor Beginn der Ausbildung im Betrieb beschäftigt war.

Kündigung im Ausbildungsverhältnis – Praktikum nicht auf Probezeit anerkannt auf www.business-netz.com 

Der Fall aus der Praxis

Im Betrieb wurde ein junger Mann als Praktikant beschäftigt. Direkt anschließend wurde er in ein Ausbildungsverhältnis übernommen. Es wurde eine viermonatige Probezeit vereinbart. Während der Probezeit wurde dem Auszubildenden gekündigt. Dieser erhob Klage, da seiner Meinung nach das Praktikum auf die Probezeit hätte angerechnet werden müssen.



 

Das sagt der Richter

Die Klage hatte keinen Erfolg. Ein Praktikum habe einen anderen Inhalt als ein Ausbildungsverhältnis. Daher bestünden während der Zeit des Praktikums noch nicht die wechselseitigen Pflichten von Auszubildendem und Arbeitgeber. Die Probezeit beginne daher erst mit dem Beginn der Ausbildung (Arbeitsgericht Duisburg, Urteil vom 19.02.2009, Az.: 1 Ca 3082/08).

 

Das bedeutet die Entscheidung

Das Gesetz schreibt für Berufsausbildungsverhältnisse eine Probezeit vor, die mindestens einen Monat und höchstens 4 Monate betragen soll. Während der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis von beiden Vertragsparteien jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen, die Angabe von Gründen ist nicht erforderlich.

 

Nach der Probezeit

Ist die Probezeit abgelaufen, ist eine Kündigung nur dann möglich, wenn

  • ein wichtiger Grund vorliegt (dann ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist) oder
  • der Auszubildende die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufsausbildung entscheidet ( Kündigungsfrist  4 Wochen)


In beiden Fällen muss die Kündigung schriftlich erfolgen. Außerdem müssen die Kündigungsgründe angegeben werden.

 

Checkliste zum Download

Lesen Sie, in welchen Fällen die Gerichte einen wichtigen Grund zur Kündigung bejaht haben. 

 

Vorsicht

Liegt ein wichtiger Grund zur Kündigung vor, kann die Kündigung nur innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntwerden der zugrunde liegenden Tatsachen erfolgen. Da eine Kündigung aus wichtigem Grund nach der Rechtsprechung nur das letzte Mittel sein darf, muss bei Pflichtverletzungen regelmäßig mindestens eine Abmahnung wegen eines gleichartigen Verstoßes vorangegangen sein.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Kündigung 2009 – die wichtigsten Formalien für Ihr rechtssicheres Vorgehen.

 

Haben Sie ein arbeitsrechtliches Problem?

Über unseren Partner deutsche-rechtsanwaltshotline.de beantworten Rechtsanwälte nahezu rund um die Uhr Ihre Fragen zum Arbeitsrecht. Ein Anruf genügt.

Zeigt sich während der Probezeit, dass ein Auszubildender für den Ausbildungsplatz nicht geeignet ist, so kann der Arbeitgeber das Ausbildungsverhältnis fristlos kündigen. Eine Zustimmung des Personal- bzw. Betriebsrats ist nicht erforderlich. mehr
In der Probezeit kann der Arbeitgeber einen neuen Mitarbeiter in aller Regel mit einer Kündigungsfrist von 14 Tagen ohne die Angabe von Gründen kündigen. Was passiert aber, wenn dem Mitarbeiter mit einer längeren Kündigungsfrist in diesem Zeitraum... mehr
Eine HIV-Infektion kann nach einem Urteil des Arbeitsgerichts (ArbG) Berlin eine Kündigung in der Probezeit rechtfertigen. mehr
Sie benötigen ein Muster-Kündigungsschreiben für eine ordentliche Kündigung während der Probezeit? Wir haben für Sie ein Kündigung-Muster - kostenlos! mehr
In der betrieblichen Praxis beginnt ein neues Arbeitsverhältnis in der Regel mit der Vereinbarung einer Probezeit, die beiden Arbeitsvertragsparteien der Erprobung dient. mehr