Kosten für schottische Hochbegabtenschule können außergewöhnliche Belastungen sein

11. August 2011

Hochbegabtenschule verursacht Kosten von mehr als 23.000 € jährlich

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat jetzt entschieden, dass die Kosten für den Schulbesuch eines hochbegabten Kindes als außergewöhnliche Belastungen abziehbar sein können, wenn der Schulbesuch medizinisch angezeigt ist. Im Streitfall wechselte der Sohn der Kläger, bei dem ein Intelligenzquotient von 133 festgestellt worden war, von der zweiten in die vierte Grundschulklasse. Anschließend besuchte er ein Gymnasium. Aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten empfahl sowohl der Allgemeine Sozialdienst als auch die Hausärztin des Kindes den Besuch einer Hochbegabtenschule in Schottland. Da eine solche Schule für die Altersgruppe, in der sich das Kind in den Streitjahren befand, in Deutschland nicht verfügbar war, sei die Unterbringung in Schottland therapeutisch notwendig, um der Fehlentwicklung des Kindes entgegen zu wirken und eine bleibende seelische und soziale Schädigung zu verhindern. Ein nachträglich hinzugezogener Amtsarzt bestätigte diese Diagnose. In ihren Einkommensteuererklärungen für die Jahre 2001 und 2002 machten die Kläger Schulkosten in Höhe von 51.616 DM (2001) und in Höhe von 23.457 € (2002) erfolglos als außergewöhnliche Belastungen geltend, weil die medizinische Notwendigkeit der Internatsunterbringung des Kindes nicht durch ein zuvor erstelltes amtsärztliches Attest nachgewiesen worden war.

Für medizinische Notwendigkeit kann Nachweis auch später geführt werden

Auf die Revision der Kläger hat der BFH die Vorentscheidung aufgehoben und die Sache zur erneuten Entscheidung an das Finanzgericht (FG) zurückverwiesen. Da der Nachweis einer Krankheit und der medizinischen Indikation der Behandlung nach der neuen BFH-Rechtsprechung nicht mehr zwingend durch ein vor Beginn der Behandlung eingeholtes amts- oder vertrauensärztliches Gutachten bzw. Attest eines öffentlich-rechtlichen Trägers geführt werden muss, vielmehr auch noch später und durch alle geeigneten Beweismittel geführt werden kann, wird das FG nun zu prüfen haben, ob der Besuch der schottischen Schule wegen der Hochbegabung des Kindes medizinisch angezeigt war. In einem solchen Fall können die geltend gemachten Kosten unmittelbare Krankheitskosten sein. Dies gilt dann auch für Kosten einer auswärtigen – der Krankheit geschuldeten – Internatsunterbringung, selbst wenn diese zugleich der schulischen Ausbildung dient (BFH, Urteil vom 12.05.2011;  Az.: VI R 37/10).

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