Boreout-Syndrom: Stete Unterforderung am Arbeitsplatz belastet Ihre Mitarbeiter

7. April 2011

Stellen Sie einen Leistungsabfall bei Ihrem Mitarbeiter fest? Erledigt Ihr Mitarbeiter zu viele Routinearbeiten oder macht er schon seit sehr langer Zeit stets die gleichen Aufgaben? Wird Ihr Mitarbeiter zusätzlich zu selten an Entscheidungen beteiligt, dann riskieren Sie eine Unterforderung - das Boreout-Syndrom - mit Folgen, die nicht zu unterschätzen sind.

 Unterforderung am Arbeitsplatz

Im Gegensatz zum sehr bekannten Burnout-Syndrom, das das Ausgebranntsein des Einzelnen durch Dauerstress und Überforderung kennzeichnet, veranschaulicht das Boreout-Syndrom den Zustand permanenter Unterforderung, die die Ursache darstellt. Denn wer als Mitarbeiter darunter leidet ist nicht faul. Im Gegenteil: Diese Mitarbeiter wollen arbeiten, aber das Unternehmen lässt sie nicht – jedenfalls nicht in dem Maße, wie der einzelne Mitarbeiter es möchte und nach seinen Fähigkeiten auch könnte.

 

Boreout-Syndrom ist keine Lappalie – es schadet dem Unternehmen

Verfallen Sie nicht dem Irrtum zu denken „Dann ist der Mitarbeiter wenigstens nicht überlastet und wird auch weniger krank“. Denn Unterforderung führt wie Überforderung zu Stress. In beiden Fällen muss der Mitarbeiter gegensteuern, um einen Ausgleich zu finden und das zerrt an den Nerven. Darüber hinaus, anders als bei der Überforderung, fühlt sich der Mitarbeiter unzufrieden und nutzlos. Seine Kapazitäten und Fähigkeiten werden nicht angezapft und verkümmern sogar mit der Zeit.

 

Der Schaden, der dem Unternehmen, bei Nicht-Beachtung des Boreout-Syndroms entstehen ist immens:

  • Die Unterforderung führt zur Erhöhung der Fehlerquote, weil der Mitarbeiter nicht mehr so konzentriert seine Aufgaben kontrolliert.
  • Frust, Desinteresse und Demotivation steigen.
  • Die Identifikation mit dem Job und dem Unternehmen nimmt ab.
  • Aufgaben werden unnötigerweise in die Länge gezogen, um etwas zu tun zu haben.
  • Die Arbeitszeit wird mit anderem totgeschlagen:

    • stundenlanges privates Telefonieren,
    • am PC recherchieren oder Spiele spielen,
    • Privates organisieren,
    • mit den Kollegen Schwätzchen halten,
    • Zeitung lesen,
    •  im Internet surfen,
    • aus dem Fenster starren.
    • Engagement und Leistung fallen ab.

 




Beugen Sie dem Boreout-Syndrom gezielt vor: 3 Schritte

 

Schritt 1: Erkennen Sie, wer unter dem Boreout-Syndrom leidet und wer gefährdet ist

Um das Boreout-Syndrom zu erkennen, benötigen Sie Feingefühl und eine gute Beobachtungsgabe. Denn der einzelne Mitarbeiter wird viel tun, um sein Leiden zu tarnen. Schließlich will niemand fälschlicherweise als faul oder unnütz beurteilt werden. Gehen Sie gedanklich Ihre einzelnen Mitarbeiter durch und prüfen Sie, ob es Anzeichen für das Boreout-Syndrom gibt. Achten Sie auf typische Signale:

  • Stundenlanges Arbeiten am PC, obwohl die Bearbeitung der übergebenen Aufgaben nicht so lange dauern kann.
  • Sich geschäftig geben, sobald jemand in der Nähe ist – und sei es, schnell eine Schublade aufzuziehen und eine Akte herauszuholen.
  • Bei vielen Telefonaten die Stimme senken, weil nicht gehört werden soll, dass es privat ist.
  • Trotz der Unterforderung wird über die Schwierigkeit der Aufgabe gejammert.
  • Lautes Verhalten, wenn wirklich gearbeitet wird – sei es am Kopierer, beim Tippen am PC, bei Geschäftsanrufen.
  • Zu spät kommen, zu früh gehen.
  • Derjenige macht oftmals mehr Überstunden als andere Mitarbeiter. Gründe: Zum einen wird tagsüber die Arbeitszeit mit anderem vergeudet und zum anderen soll so gezeigt werden, wie wichtig man für das Unternehmen ist.

 

Fragen Sie sich:

  • Wird der Mitarbeiter entsprechend seiner Fähigkeiten eingesetzt?
  • Wird ihm Verantwortung übertragen?
  • Wird er von Ihnen gefördert?
  • Werden ihm anspruchsvolle und abwechslungsreiche Aufgaben übergeben?
  • Entspricht seine Tätigkeit seinen Qualifikationen und der Stellenbeschreibung?
  • Äußert der Mitarbeiter öfter, dass er neue Aufgaben übernehmen möchte?
  • Zeigt er Interesse an Weiterbildung und Qualifizierungsmaßnahmen?

 

Checkliste zum Download

Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen mit Hilfe unserer Checkliste: Beugen Sie dem Boreout-Syndrom vor, ob Sie genügend Maßnahmen einsetzen, um der Unterforderung Ihrer Mitarbeiter entgegenzuwirken.

 

Schritt 2: Entwickeln Sie eine Mehr-fordern-Strategie

Überlegen Sie bei jedem Mitarbeiter, bei dem Sie ein Boreout-Syndrom vermuten, wie Sie individuell gegensteuern können. Analysieren Sie dafür,

  • die Aufgaben, die er bisher bearbeitet hat.
  • welche Tätigkeiten Sie an ihn delegiert haben.
  • mit welchen Qualifikationen und Fähigkeiten er diese Stelle angetreten hat.
  • welche dieser Qualifikationen und Kompetenzen er bisher nutzen und vor allem ausbauen konnte.
  • worin er sich weiter qualifizieren konnte.
  • ob Sie wissen, welche Wünsche und Bedürfnisse er an diese Stelle knüpft – kurzum: Kennen Sie seine Karriereziele?

 

Setzen Sie Ideen frei. Sei es,

  • ihm neue Aufgabenbereiche zu übertragen.
  • ihn zu coachen.
  • ihm mehr Verantwortung einzuräumen.
  • seine Mitbestimmung zu stärken.
  • ihn an wichtigen Projekten zu beteiligen.

 

Überlegen Sie sich anschließend, welche dieser Ideen Sie wie umsetzen möchten.

 

Schritt 3: Bitten Sie regelmäßig zum Gespräch

Sprechen Sie öfters als bisher mit einem Boreout-gefährdeten Mitarbeiter. Hüten Sie sich allerdings in diesen Gesprächen davor, Ihren Mitarbeiter mit Ihrer Diagnose bzw. Vermutung „Sie leiden am Boreout-Syndrom“ zu konfrontieren. Ihr Mitarbeiter wird dies verneinen. Eröffnen Sie das Gespräch lieber mit Worten wie „Ich habe hier eine anspruchsvolle Aufgabe, die genau auf Ihre Qualifikationen und Kompetenzen zugeschnitten ist. Es geht um…“.

 

Anschließend sollten Sie das Gespräch so steuern, dass Sie erfahren können,

  • wie er seine Arbeit sieht,
  • welche Aufgaben ihn reizen würden
  • an welchen Aufgaben er arbeitet (auch wie lange schon).

 

Erinnern Sie sich: Eine Strategie der Betroffenen ist, Aufgaben unnötig in die Länge zu ziehen. Deshalb sollten Sie bei zukünftigen delegierten Aufgaben, verstärkt darauf achten, in kürzeren Zeitabständen diese Aufgaben zu kontrollieren. Schließlich wollen Sie sicherstellen, dass der Mitarbeiter nicht weiterhin unterfordert ist, sondern Sie bei ihm eine kontinuierliche Auslastung herstellen.

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