Chefmanagement: Wie Sie Ihren Chef richtig erziehen

16. Januar 2019

Wenn sich Mitarbeiter beklagen, dass sie mit ihren Ideen oder kritischen Vorschlägen an ihrem Arbeitsplatz nichts erreichen können, ist dies kein Einzelfall. Laut der DGB-Studie Gute Arbeit aus dem Jahre 2007, bewerten acht von zehn Mitarbeitern die Führungskultur im Unternehmen als negativ. Die eigenen Vorgesetzten werden als respektlos und unhöflich bezeichnet. Auch gaben die befragten Mitarbeiter an, ihrem Vorgesetzten nur mit Misstrauen zu begegnen.

 

Wie Sie Ihren Chef richtig erziehen

Der Vorgesetzte wird so als Problem empfunden. Nur bei der Lösung dieses Problems tappen die meisten Mitarbeiter in eine destruktive Falle. Sie resignieren – oft weil sie keine andere Lösungsmöglichkeit erkennen. Doch statt in der Opferrolle zu verweilen, gilt es das Arbeitsverhältnis zu dem Vorgesetzten zu managen – die Führung von unten ist angesagt.

Bei der Führung von unten heißt es, mitzugestalten, Verantwortung für den eigenen Job zu übernehmen und den Chef als Mensch mit Schwächen und Stärken anzuerkennen. Im Klartext: Innerhalb der Arbeitsbeziehung zu Ihrem Vorgesetzten haben Sie viele Möglichkeiten, Ihren Einfluss und Ihre Macht geltend zu machen.

 

Wie Sie Ihren Chef ab heute richtig managen: 5 Schritte 

Schritt 1: Was stört Sie konkret?

Ziel: Nennen Sie es beim Namen. 

Die empfundene Hilflosigkeit lässt manche Schwäche  des Chefs gigantisch erscheinen. Zum einen, weil Sie bisher noch nicht wussten, wie Sie mit dieser umgehen können. Zum anderen, weil sich Ihre Gedanken immer wieder mit dieser Schwäche auseinandersetzen. Dieses wiederholte Durchleben Ihres Elends verstärkt jedoch nur Ihre empfundene Hilfslosigkeit. Sie haben so eine Abwärts-Spirale etabliert.

Stoppen Sie die Abwärtsspirale jetzt!

Dafür nehmen Sie sich ein Blatt Papier und einen Stift. Ganz oben notieren Sie folgende Überschrift: Was mich an meinem Chef konkret stört! Listen Sie darunter alles auf, was Ihnen  einnfällt. 

Beispielsweise:

  • Er hört nie zu.
  • Meine Emails werden ignoriert.
  • Wichtige Informationen kann ich dreimal sagen, bevor er sie überhaupt registriert.
  • Notwendige Unterlagen muss ich mehmals anfordern.
  • Seine Anweisungen sind unpräzise.

 

Schauen Sie sich jetzt in Ruhe Ihre Liste an. Atmen Sie ein paar Mal ein und aus, um sich wieder zu beruhigen.

Gehen Sie die einzelnen Punkte durch. Sie sehen vor sich die Schwächen Ihres Chefs. Markieren Sie die, die Sie am meisten irritieren und stören. Denn bei diesen sollten Sie zuerst beginnen, eine Änderung zu bewirken.

Damit sich Ihr Glaube - Ihr Chef ist unmöglich - nicht verfestigt, wechseln Sie gezielt Ihren Blickwinkel.

Nehmen Sie ein neues Blatt Papier. Ganz oben notieren Sie folgende Überschrift: Was ich an meinem Chef schätze/liebe/achte! Listen Sie darunter alles auf, was Ihnen einfällt.

Beispielsweise:

  • Er setzt sich beim Vorstand für unsere Teaminteressen ein.
  • Er kann gut Konflikte lösen.
  • Er gibt mir viel Handlungsspielraum.
  • Er bezieht uns in Entscheidungen mit ein.

 

Schauen Sie sich auch diese Liste in Ruhe an. Hier liegen die Stärken Ihres Chefs. Markieren Sie diejenigen, mit denen Sie auf einer Wellenlänge liegen und die Sie für sich nutzen möchten.

Sie haben gerade die wichtige Stärken-und-Schwächen-Analyse Ihres Chefs abgeschlossen. Durch diesen Schritt haben Sie bereits erste Ziele für Ihr Chefmanagement gesetzt.  

 



Schritt 2: Ihr Chef ist und bleibt Ihr Chef

Ziel: Verabschieden Sie sich von der Illusion, das Verhalten Ihres Chefs ändern zu können

Führung, ob nun von oben nach unten oder von unten nach oben, sollte nie den Anspruch erheben, die Beteiligten ändern zu wollen. Dieser Anspruch ist eine Illusion. Sie können niemanden ändern. Nur sich selbst.

Ihr Chef ist und bleibt somit Ihr Chef -  mit allen seinen Schwächen und Stärken.

Hören Sie also auf, aussichtslose Kämpfe zu führen. Setzen Sie Ihre Energie sinnvoll ein:

  • Erhöhen Sie Ihre Akzeptanz. Nehmen Sie Ihren Vorgesetzten mit seinen Schwächen und Stärken an.
  • Eigenarten nutzen. Arbeiten Sie mit seinen Schwächen und Stärken, statt sie zu bekämpfen.
  • Selbstcoaching. Verändern Sie Ihre Haltung zu Ihrer Arbeit.

 

Schritt 3: Machtlos sind Sie nicht, allmächtig aber auch nicht

Ziel: Erkennen Sie, wie Sie realistisch ansetzen können

Um Ihren Chef managen zu können, heißt es erst einmal, sich selbst zu managen. Im Klartext: Nehmen Sie sich endlich selbst als Führungskraft wahr. Diese Änderung des eigenen Selbstbildes erzeugt automatisch einen Kompetenzkick. Sie erkennen, dass Sie durchaus Macht und Einfluss besitzen – und diese bereits geltend machen:

  • Innerhalb Ihres Selbstmanagements steuern Sie so Ihre Gedanken und Gefühle.
  • Innerhalb des Teams wirken Sie durch Ihr Verhalten auf Ihre Kollegen und Ihren Chef ein.
  • Durch Ihre Arbeit, Ihre Meinung und Ihre Leistung beeinflussen Sie das Arbeitsklima.

 

Bedenken Sie aber auch – dies ist wichtig -, dass Sie Ihre Macht und Ihren Einfluss steigern oder ausbremsen können. Ihre Gedanken, Einstellung und Lebensregeln sind dafür die Auslöser. Überprüfen Sie einmal, ob Sie sich gerade bei der Führung von unten selbst im Wege stehen. Fragen Sie sich beispielsweise:

  • Welche Gedanken verstärken Ihr Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit?
  • Welche Vorteile hat Ihre Hilflosigkeit? Wie könnten Sie diese Vorteile erhalten, ohne sich dabei hilflos zu fühlen?
  • In welchen Bereichen glauben Sie, Einfluss nehmen zu können? Wie oft machen Sie diesen Einfluss geltend? Wie könnten Sie ihn weiter ausbauen?
  • Was müssten Sie tun, um die Situation noch zu verschlimmern? Was, um sie zu verbessern?

 

Der Glaube, hilflos zu sein und mit dem Problem Chef nicht fertig zu werden, raubt Ihnen eines: Ihre Macht.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich selbst stärken. Ihr Selbstvertrauen aufbauen. Erinnern Sie sich am besten gleich an einige Situationen, in denen

  • Sie mit Ihrem Chef auf einer Wellenlänge lagen,
  • Ihre Meinung die Zustimmung Ihres Chefs fand,
  • Ihre Prioritätenaufstellung den Segen des Chefs erhielt,
  • Sie den Chef von Ihrem Standpunkt überzeugen konnten.

 

Rufen Sie sich immer wieder solche Augenblicke ins Gedächtnis. Dies erhöht Ihre Zufriedenheit und Sie spüren Ihre eigene Macht.

 

Schritt 4: Das Starke im Chef multiplizieren

Ziel: Hier lassen sich die besten Erfolge erzielen

Niemand, auch Sie selbst nicht, möchte ständig nach seinen Schwächen beurteilt werden. Allerdings bewirkt Ihre unterschwellige Ablehnung oder Konzentration auf die Schwächen Ihres Chefs bewirkt, dass Sie sich ihm gegenüber angespannt, vielleicht sogar feindselig verhalten. Keine Beziehung übersteht dies auf Dauer ohne Schaden.

Denken Sie daran, Ihr Ziel ist: Chefmanagement. Holen Sie sich jetzt noch einmal die Listen von Schritt 1 hervor. In diesem Schritt haben Sie bereits eine Stärken-Schwächen-Analyse Ihres Vorgesetzten erstellt, dies Sie bei der Führung von unten benötigen. 

  • Wählen Sie jetzt ein oder zwei Punkte der Chef-Schwächen aus. Überlegen Sie sich konkrete Schritte, wie Sie mit diesen Schwächen zukünftig anders umgehen möchten. 
  • Suchen Sie sich ein oder zwei Punkte der Chef-Stärken aus, die Sie in der kommenden Zeit multiplizieren möchten. Welche Erfolge könnten Sie beide - Ihr Chef und Sie - verbuchen, wenn Sie zusammen Ihre Stärken für ein Ziel einsetzen würden? Dies ist Ihre neue Zielrichtung.

 

 

Schritt 5: Vorbereiten, informieren und Einfluss nehmen

Ziel: Werden Sie endlich zum Verbündeten Ihres Chefs

Um Ihren Chef zu managen, müssen Sie öfters einmal seine Position einnehmen. Viele Mitarbeiter vergessen oft genug, dass der Chef auch einen Chef vor sich hat, dem er Rechenschaft ablegen muss.

Im Klartext: Ihr Chef muss sich verantworten. Damit dies gut gelingt, muss er sich auf Sie - also seine Mitarbeiter - verlassen können.

Und genau hier setzt so manche (unterschwellige) Chefbefürchtung ein, die die eine oder andere Schwäche verstärken mag. Ihr Chef befürchtet vielleicht, dass Sie oder das Team, Fehler oder Probleme verursachen, dies Sie ihm entweder nicht mitteilen oder im schlimmsten Falle nicht wahrnehmen, dass es diese überhaupt gibt.  

Deshalb fängt er an, Fragen zu stellen. Deshalb will er Zwischenberichte. Deshalb verstärkt er sein Kontrollgebaren und, und, und. Entlasten Sie Ihren Chef von seinen Befürchtungen, indem Sie

  • ihn regelmäßig informieren.  Beachten Sie dabei seine Vorlieben. Will er beispielsweise lieber täglich informiert werden oder genügt es ihm nach 14 Tagen einen Zwischenbericht zu erhalten?
  • Probleme sofort mit ihm besprechen, und am besten erste Lösungsvorschläge vorlegen.
  • ihm nicht sofort jede  Kleinigkeiten mitteilen, sondern Ihre Informationen bündeln und so seine Zeit respektieren.
  • selbst Entscheidungen über Deadlines oder Arbeitsschritte treffen, die Sie mit ihm besprechen.
  • Gespräche, die Sie mit Ihrem Chef über Aufgaben, Projekte etc. führen möchten, gut vorbereiten. Was wollen Sie in dem Gespräch erreichen? Was soll geklärt werden? Welche Daten und Informationen muss Ihr Chef dafür haben? Welche Fragen könnte Ihr Chef haben und wie lauten Ihre Antworten?

 

Fazit:

Sie können Ihren Chef managen. Bei Ihrer Führung von unten werden Sie Erfolge und auch Misserfolge erzielen. Freuen Sie sich über Ihre Erfolge. Lernen Sie aus Ihren Misserfolgen. So gelingt Ihnen Ihr Chefmanagement immer besser.

In unserem Video erhalten Sie weitere Tipps und Tricks für den richtigen Umgang mit Ihrem Chef.

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