Auf den letzten Drücker: Von den Vorteilen der Aufschieberitis

19. Dezember 2014

 

Fünf Tage bis Weihnachten: Es fehlen ein paar Geschenke, die letzten Weihnachtskarten wollen geschrieben und die Tischdeko für das Festessen muss auch noch unbedingt besorgt werden?

Herrje, wo ist nur die Zeit geblieben?

 

Falls Sie im Jahresendtrubel ordentlich unter Strom stehen, gehören Sie wahrscheinlich (wie ich) auch sonst zu den „Last-Minute-Vorbereitern“. Den Moderationsleitfaden für ein Meeting erstellen, eine Produktpräsentation basteln, das Grußwort für die nächste Kundenveranstaltung ausarbeiten – da kann ein wichtiger Businesstermin noch so lange feststehen, auf den letzten Drücker geht es immer irgendwie heiß her. Wie oft haben Sie sich dafür schon verteufelt, nach dem Motto: Hätte ich bloß früher angefangen ... Ich weiß doch schon längst, dass ... Beim nächsten Mal werde ich ganz bestimmt ...

 

 Von den Vorteilen der Aufschieberitis© Marko Hamel

 

Schluss damit: So bekommen Sie nur schlechte Laune und bremsen sich selbst aus. Das können Sie jetzt gar nicht gebrauchen. Bleiben Sie lieber cool und betrachten Sie Ihre Aufschieberitis einfach mal von der anderen Seite. Sie meint es nämlich durchaus gut mit Ihnen, sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld:

 

Kurz vor knapp sind Sie effektiver:

Ein Käffchen hier, ein kleiner Plausch da ... dafür ist in der heißen Phase nun wirklich keine Zeit. Statt zu trödeln, konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche und kommen auf den Punkt. Mit der Deadline im Blick entwickeln Sie ungeahnte Energien. Und das heißt nicht nur, dass Sie sich selbst ranhalten, sondern auch, dass Sie Aufgaben zu Ihrer Entlastung delegieren. So werden Sie unter Zeitdruck oft viel schneller fertig, als wenn Sie wochenlang an einem Thema herumdoktern. Das wiederum schafft Freiräume, die Sie bewusst für andere Dinge nutzen können.  



 

Kurz vor knapp sind Sie immer auf dem aktuellsten Stand:

Da haben Sie endlich einmal frühzeitig Ihre Hausaufgaben erledigt, aber kurz vor dem Tag x sieht die Welt plötzlich anders aus. Das eine oder andere Thema hat sich inzwischen von selbst erledigt, dafür dürfen neue Informationen unbedingt berücksichtigt werden. Jetzt hilft alles nichts: Sie müssen noch mal ran. Wie ärgerlich, denn diese Doppelarbeit kostet Zeit und Nerven. Wenn Sie jedoch erst einmal abwarten und die Dinge auf sich zukommen lassen, brauchen Sie bestimmt keine Extrarunden zu drehen. Außerdem sind die Inhalte, die Sie vorbereitet haben, auch noch frisch und präsent in Ihrem Kopf.

 

Kurz vor knapp tappen Sie seltener in die Perfektionismusfalle:

Je mehr Zeit wir haben, um uns auf einen wichtigen Termin vorzubereiten, desto mehr neigen wir zum Grübeln. Wir grübeln, was man wie noch toller machen könnte. Das Ende vom Lied: So richtig fertig werden wir nie ... und besser ist das Ergebnis auch nicht unbedingt. Sitzt uns ein Termin im Nacken, peilen wir meistens nicht mehr die 150-Prozent-Lösung an, sondern sind eher bereit, uns mit 100 Prozent zufriedenzugeben. Es fällt uns leichter, ein Ende zu finden. Und zwar häufig ein richtig gutes. Schließlich müssen wir uns nicht dauernd selbst überholen.

 

Kurz vor knapp entstehen oft die besten Ideen:

Klar, der Stress darf nicht so groß sein, dass Sie nicht mehr wissen, wo unten und oben ist. In solchen Momenten streikt das Gehirn gerne mal. Der kreative Geistesblitz, den Sie dringend bräuchten, lässt dann ganz bestimmt auf sich warten. Solange Sie die Situation aber im Griff haben, kurbelt ein gewisser Ergebnisdruck Ihre grauen Zellen an. Wenn Sie sich nun ganz auf den Moment konzentrieren und schauen, was im Hier und Jetzt möglich ist, öffnen sich Türen, die Sie vorher gar nicht wahrgenommen haben. Vielleicht gibt es ein aktuelles Fallbeispiel aus Ihrem beruflichen Alltag, mit dem Sie elegant auf Ihr Thema hinleiten können. Oder Sie verzichten auf die durchgestylte Präsentation und erarbeiten mit Ihrem Publikum gemeinsam etwas am Flipchart. Wo im entspannten Zustand nichts ging, sprudeln plötzlich die Ideen.

 

In diesem Sinne: Vertrauen Sie einfach sich selbst und bleiben Sie bitte gelassen. Was Sie bisher geschafft haben, ist sowieso schon viel besser als Sie vielleicht denken. Außerdem hat es doch sonst auch immer geklappt. Also, einatmen, ausatmen ... weiter geht’s! ;-)

 

Einen guten Endspurt und entspannte Feiertage wünscht Ihnen

Ihre Andrea Joost

 

Autor: Andrea Joost

Kommentare

Danke ...

Hallo Herr Teichert,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich bin ganz bei Ihnen: Wenn das Aufschieben nicht mehr für positiven Stress sorgt, sondern richtigen Druck macht, dann darf gehandelt werden.

Entspannte Feiertage wünscht Ihnen
Andrea Joost

Gerne :-)

… und vielen Dank für die Ergänzung, liebe Sabine Dinkel!

Das Wort "Erregungsaufschieber" kannte ich noch nicht, finde es aber ganz wunderbar.

Liebe Grüße zurück und schöne Feiertage,
Andrea Joost

Vielen Dank für den Einblick

Vielen Dank für den Einblick ins Aufschieben. Ein hartnäckiger Aufschieber würde nun sagen, "darauf antworte ich übermorgen."

Für viele ist das Aufschieben kein Thema, da es zwar gemacht wird aber nur kurzfristig und punktuell ist.

Wenn das Aufschieben für Dich zum Problem wird und deine "lange Bank" noch länger wird, darfst Du etwas unternehmen. Je länger Du wartest, desto größer werden deine Probleme.

Fange zeitnah an etwas für das Handeln zu tun.

Mit Freude und Respket

Ulrich Teichert
Ich helfe Menschen ihre Ziele endlich anzugehen www.ulrichteichert.net

Erregungsaufschieber

Sehr schöner Denkanstups, danke dafür.

Im Zuge meiner eigenen Aufschieberitis-Recherche bin ich mal auf diese Begriffe hier gestoßen, die ich sehr spannend finde:

1. Vermeidungsaufschieber
--> schiebt aus Angst vor unangenehmen Gefühlen unliebsame Aufgaben so lange auf, bis die Deadline unmittelbar vor der Tür steht

2. Erregungsaufschieber
--> braucht den Kick der Deadline, um bestimmte Dinge anzupacken. Fängt meist kurz vor knapp an - aber noch so rechtzeitig, das meistens noch gutes Ergebnis dabei herauskommt.

Je nach Aufgabe, mutiere ich mal in die eine mal in die andere Richtung ;o)

Liebe Grüße
Sabine Dinkel

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