Rhetorik: Frischer Wind für Ihre Geschichten

21. März 2014

 

Frischekick für Ihre Geschichten 

Erzählt wird überall. Ganz gleich, ob Sie einen Vortrag halten, beim Teammeeting berichten, wie Sie den widerspenstigen Kunden in den Griff bekommen haben oder beim Networking eine Anekdote zum Besten geben. Oh, und vergessen wir nicht, dass Karriere nicht nur am Arbeitsplatz gemacht wird.

 

Wie interessant man Sie erlebt, hängt davon ab, was Sie sagen – und wie.

 

Rhetorik - Frischer Wind für Ihre Geschichten www.business-netz.com 
© Marko Hamel


Heute habe ich fünf ganz einfach umsetzbare Tipps für Sie, mit denen Sie ab sofort richtig lebendig erzählen. Sie sorgen für Spannung, mehr Spaß beim Zuhören und dafür, dass Sie mit Ihren Geschichten in den Köpfen bleiben.

 

1. Gib Deinem Publikum das Gefühl, direkt dabei zu sein!

… indem Sie in der Gegenwart erzählen. Mit so einer Live-Übertragung sind die Zuhörer mittendrin und voll dabei. Das Ereignis ist in der Vergangenheit passiert und längst vorbei? Nennen Sie einfach das Datum, um einen zeitlichen Bezug herzustellen und weiter geht es im Präsens. Ein Beispiel:

 

Variante 1 (in der Vergangenheit):

„Im Herbst 2001 stand ich zum ersten Mal auf einer großen Bühne, um vor 300 Leuten zu sprechen und war total aufgeregt.“

 

Variante 2 (in der Gegenwart):

„Herbst 2001. Ich stehe zum ersten Mal auf einer großen Bühne. Vor 300 Leuten. Mein Herz klopft.“

 

Merken Sie den Unterschied?



  

2. Mach‘s kurz und knackig!

Je einfacher Sie sprechen, desto leichter können die Zuhörer Ihnen folgen. Ihre Erzählung wirkt gleich viel schwungvoller. Umständliche Nebensatzkonstruktionen mit Kommas lösen Sie auf, indem Sie Punkte oder Doppelpunkte setzen. Wie hier:

 

Variante 1 (Nebensatz-Konstruktion):

„Ich biege auf einen Parkplatz ein, der nicht beleuchtet ist.“

 

Variante 2 (mit Punkt):

„Ich biege auf einen Parkplatz ein. Es ist finster.“

 

Oder:

Variante 1 (Nebensatz-Konstruktion):

„Ich spüre, dass da etwas nicht stimmt.“

 

Variante 2 (mit Doppelpunkt):

„Ich spüre: (Pause) Da stimmt etwas nicht.“

 

3. Sag’s mit wörtlichen Zitaten!

Die direkte Rede ist immer Trumpf, wenn Sie wiedergeben, was gesagt wurde, was Sie gedacht haben und wie Sie sich gefühlt haben. Der O-Ton wirkt frisch und lässt automatisch auch Sie selbst gefühlsmäßig wieder in die Situation eintauchen.

 

 

Statt:

„Der Chef fordert Frau Huber auf, den unzufriedenen Kunden umgehend anzurufen und erwartet, dass die Sache bis morgen geklärt ist.“

sagen Sie:

„Der Chef fährt Frau Huber an: Rufen Sie den Kunden Meier auf der Stelle an! Ich erwarte, dass die Sache bis morgen vom Tisch ist!“

 

Oder statt:

„Der Chef zitiert mich zu sich, ich fühle mich unsicher.“

sagen Sie:

„Der Chef zitiert mich zu sich. Ich denke: Was will er den bloß schon wieder?“

 

4. Formuliere aktiv statt passiv!

Wenn Sie Ross und Reiter nennen, zaubern Sie direkt Bilder auf die geistige Leinwand Ihrer Zuhörer. Jeder weiß sofort, was gemeint ist und Ihr Gegenüber braucht kein Hirnschmalz für unnötige Grübeleien zu verschwenden. Das hilft Ihnen auch, die Aufmerksamkeit zu sichern. Sagen Sie deshalb bitte:

 

„Frau Meier unterschreibt den Vertrag.“ statt

„Der Vertrag wird unterschrieben.“

 

Oder:

 

„Ich muss den Projektbericht dringend überarbeiten.“ statt

„Der Projektbericht muss dringend überarbeitet werden.“

 

5. Trau’ Dich, Pausen zu machen!

Im Eifer des Gefechts passiert es immer wieder: Es sprudelt so aus uns heraus, dass wichtige Informationen schon mal untergehen. Sie wollen das vermeiden? Dann bauen Sie gezielt Wirkpausen ein. Damit bekommen Ihre Aussagen mehr Gewicht und Ihre Zuhörer können das Gesagte erst einmal sacken lassen:

 

Variante 1 (ohne Pause):

„Das kleine Familienhotel hatte mit dem Fernsehteam von RTL einen ganz besonderen Gast.“

 

Variante 2 (mit Pause):

„Das kleine Familienhotel hatte einen ganz besonderen Gast: (drei Sekunden Pause) das Fernsehteam von RTL.“

 

Sie sehen: Es sind ganz simple sprachliche Kniffe, die Ihre Geschichten enorm aufwerten.

 

Hier finden Sie weitere Beiträge zu unserem Projekt Kurswechsel: Frischer Wind für Business und Karriere.

 

Autor: Andrea Joost

Kommentare

Vielen Dank ...

… für Dein schönes Feedback, lieber Marko!

Ja ich bin ganz bei Dir: Ob wir nun reden, schreiben oder zeichnen - wirkungsvolle Kommunikation braucht Klartext.

Liebe Grüße,
Andrea

Die Macht des Aktivs

Liebe Andrea,

Danke für die schöne Zusammenstellung an Tipps. Insbesondere die Aktiv-vor-Passiv Regel ist so wichtig in einer Geschäftswelt in der wenige den Mut haben Verantwortung zu übernehmen und klar zu sagen Wer etwas tun darf. Dabei wird nur so ein Thema plastisch- und auch der eigene Erfolg zum echten Erlebnis.
- Besonders wenn die Success Stories später am Flipchart oder per Live-Visualisierung präsentiert werden.

Liebe Grüße,

Marko

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