Leise Arbeit – starke Wirkung: Karrierestrategien für Introvertierte

26. März 2015

 

Leise Führungskraft – ist das ein Widerspruch in sich?

Keinesfalls. Es gibt viele erfolgreiche Vorgesetzte, die als "Intros" zu den leisen Menschen zählen. Aber wir wissen heute, dass Intro- und Extro-Führungskräfte an ihre Aufgaben unterschiedlich herangehen. Die extrovertierte Sheryl Sandberg, COO bei Facebook, hat sicher einen anderen Führungsstil als der introvertierte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

die Himmelsleiter 

Neue Studien zeigen, dass gerade in Teams, in denen ein hohes Eigenengagement der Mitglieder gefordert ist, leise Führungskräfte den Extros sogar überlegen sind. Denn Intros überzeugen mit ganz eigenen Stärken, die vielen Extrovertierten abgehen: Sie können oft gut über ihr eigenes Ego hinwegsehen und Zuständigkeiten delegieren, sie haben eine ruhige Ausstrahlung, erwecken Vertrauen, bieten Sicherheit und können sich gut in ihre Mitarbeiter und deren Bedürfnisse einfühlen.

 

Gerade auch extrovertierte, vor Energie sprühende Mitarbeiter profitieren von leisen Teamleadern, die ihre Wünsche und bevorzugten Arbeitsweisen akzeptieren und ihnen genug Raum zur Selbstentfaltung lassen.

 

Wenn Sie selbst Intro sind, ist der Schritt in die erste Reihe womöglich trotzdem ein mutiger Schritt. Eine Führungsposition einzunehmen bedeutet, dass Sie sich auf eine komplexe Aufgabe einlassen, mit nicht ungewissem Ausgang – das piekst gerade die sicherheitsorientierten leisen Leister. Hinzu kommt: Ihre Arbeit besteht nicht mehr darin, die eigenen Aufgaben in einem überschaubaren Raum sehr gut zu bewältigen. In der neuen Position sollen Sie dafür sorgen, dass mehrere Mitarbeiter, Bereiche und Abteilungen wie ein Orchester zusammenspielen. Mit intro-typischen Neigungen zu Kleinteiligkeit und Konfliktscheue kann der Chefsessel da schnell zum Albtraum werden. Doch das Risiko lässt sich kalkulieren: Wenn Sie Ihre Stärken geschickt einsetzen, können Sie Ihre neue Rolle mit den richtigen Führungsstrategien passgenau entwickeln und gestalten. Hier finden Sie vier dieser Strategien – probieren Sie sie aus!



 

Führungsstrategie 1: Bauen Sie Selbstvertrauen auf!

Erst, wenn Sie als Führungskraft von Ihren Stärken und Kompetenzen überzeugt sind, werden Sie auch für Ihre Mitarbeiter überzeugend. Wenn Sie an sich selbst und Ihren Eigenschaften zweifeln, kommunizieren Sie das ebenfalls, sowohl auf verbale als auch auf nonverbale Weise. Ihre Signale machen Ihre Zweifel nach außen sichtbar – und kosten Sie damit Glaubwürdigkeit.

Viele leise Menschen gehen mit sich selbst eher kritisch um. Gehören Sie auch dazu? Dann gewöhnen Sie sich Schritt für Schritt an, Ihre Gedanken in eine Richtung zu lenken, die Ihnen Ihren Wert zeigt. Eine bewährte Methode: Fragen Sie sich jeden Abend, was Ihnen an diesem Tag besonders gut gelungen ist. Oder führen Sie ein Erfolgstagebuch – Sie werden bald merken, dass Ihr Selbstvertrauen schrittweise zunimmt. Tragen Sie Ihre Zufriedenheit mit sich selbst nach außen. Sie werden merken, dass Ihre Mitarbeiter Sie für Ihre gute Arbeit ebenfalls wertschätzen.

 

Führungsstrategie 2: Geben Sie Ihren Mitarbeitern Ihre ganze Aufmerksamkeit

Nutzen Sie für Ihre Führungskommunikation gezielt Ihre leisen Stärken. So können introvertierte Führungskräfte eine starke Wirkung entfalten, wenn sie Ihre Aufmerksamkeit gezielt auf ihr Gegenüber richten. Das Einfühlungsvermögen ist als Intro-Stärke Ihr Trumpf, also nutzen Sie es, um Ihrem Gegenüber zu vermitteln, dass Sie ihm mit aufrichtigem Interesse zuhören. Aufmerksamkeit kommt vielleicht auch deshalb so gut an, weil sie in echter Form so selten ist. Und das ist auch für Sie von Vorteil: Sie erhalten einen leichteren und besseren Zugang zu Informationen, denn viele Kolleginnen und Mitarbeiter werden positiv reagieren und gern und vertrauensvoll mit Ihnen sprechen. Auf diese Weise können Sie herausfinden, was Ihren Mitarbeitern wichtig ist und was sie motiviert, beispielsweise mehr Zeit mit der Familie, eine Gehaltserhöhung oder ein neues Projekt. So sind Sie immer im Bilde, während sich Ihre Mitarbeiter geschätzt und wahrgenommen fühlen.

 

Führungsstrategie 3: Sorgen Sie für einen guten Überblick

Gute Führungskräfte sehen weiter als bis zur Deadline des aktuellen Projektes. Planung, Struktur und analytische Kraft gehören zu den großen Stärken erfolgreicher Intros. Damit haben sie eine umfassende und genaue Vorstellung von den Zielen des Unternehmens und von den aktuellen und zukünftigen Aufgaben ihres Bereiches. Nutzen Sie diese Vorteile und arbeiten Sie mit Prioritäten und Strategien – so sind Sie effektiv und können auch Ihre Mitarbeiter orientieren. Wenn Sie ihnen darüber hinaus helfen, sich Ziele zu setzen, leisten Sie als Führungskraft eine Unterstützung, die neben der Einzelperson gleich allen zugute kommt. Ein positiver Nebeneffekt: Sie werden als Führungspersönlichkeit sichtbar und berechenbar! Wenn Sie einen klar strukturierten Plan haben, wird es Ihnen deutlich leichter fallen, Entscheidungen zu treffen und zu vertreten. Und Ihre Umgebung wird mit Ihnen rechnen...

 

Führungsstrategie 4: Schulen Sie Ihre Dialog- und Konfliktfähigkeit

Auch wenn Sie als leiser Mensch eher den schriftlichem Austausch bevorzugen und Gesprächen, vor allem in großen Gruppen, gern einmal aus dem Weg gehen: Als Führungskraft gehört es unweigerlich zu Ihren Aufgaben, die Kommunikation im Auge zu behalten. Wie läuft die Zusammenarbeit der Teammitglieder? Gibt es genügend Austausch zwischen den einzelnen Abteilungen, gibt es Konflikte, die gelöst werden müssen? Was sollte im Meeting auf den Tisch kommen? Welcher Vorgesetzte sollte was wissen? Behalten Sie im Hinterkopf: Funkstille kostet Informationen, Zeit und Geld – sorgen Sie in Ihrem Team also für einen stetigen, möglichst ungehinderten Informationsfluss. Gestalten Sie als Intro die Kommunikation in Meetings schon aus eigenem Interesse so, dass sie Extros und Intros Kommunikationsraum bieten. (Sie werden schon einen deutlichen Unterschied spüren, wenn Sie die Moderation von Teammeetings einfach rotieren lassen, ohne Ansehen der Hierarchie.)

 

Für den gelungenen Dialog mit allen Mitarbeitern gibt es im Amerikanischen einen anschaulichen Begriff: „Management by walking around“. Auch, wenn Sie dort am besten nachdenken können: Bleiben Sie nicht immer in Ihrem Büro. Gehen Sie durch die einzelnen Abteilungen, essen Sie mit Kollegen in der Kantine. Treffen Sie Ihre Mitarbeiter und Vorgesetzten in Ihrem beruflichen Umfeld und kommen mit Ihnen ins Gespräch. Als immer ansprechbare Führungskraft erfahren Sie wesentlich mehr, als wenn ein Mitarbeiter erst um eine Audienz in Ihrem Büro bitten muss. Zudem gewinnen Sie Vertrauen und Sympathie Ihrer Angestellten. Als Intro sind Sie dabei besonders stark im Austausch mit einer Person oder zumindest mit wenigen Gesprächspartnern: Das verhindert Überstimulation, ermöglicht den Umgang auch mit vertraulicheren Themen und lässt den für viele Intros lästigen Small Talk schnell in den Hintergrund rücken: In größeren Gruppen ist er oft der kleinste (fade) gemeinsame Nenner. Gleiches gilt für Selbstdarstellung: In kleinerem Rahmen versuchen selbst "Heißluftgeräte", ihre Selbst-PR-Künste zu dimmen.

 

Und auch wenn es Ihnen als Intro vielleicht schwerfällt: Mit Konflikten sollten Sie aktiv umgehen und Unangenehmes zur Sprache bringen, bevor die Situation eskaliert. Konflikte sind völlig normal – und auch für extrovertierte Menschen ist der Umgang mit ihnen nicht einfach. Der Umgang mit zwischenmenschlichen Spannungen lässt sich – wie auch Vortragen, Moderieren und Verhandeln – systematisch und solide lernen. Ihr Erfolg in einer leitenden Position wird von etwas viel Wichtigerem bestimmt: Ihrer Fähigkeit, Ihre Aufgaben auf ganz eigene Art zu lösen. Führen Sie also mit Persönlichkeit: mit Ihrer eigenen!

 

Hier finden Sie weitere Beiträge zu unserem diesjährigen Projekt Erfolgsrezepte.

 

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