Agil ist in - und mit systemischer Basis auch erfolgreich!

20. August 2015

Gastbeitrag von Michaela Stach

 

Impulse aus der systemischen Moderation für Führungskräfte und Projektleiter

Ob in der Fachpresse, im Netz oder auf den Firmenfluren - agile Methoden sind in aller Munde. Im Projektmanagement gelten sie als viel versprechende Antwort auf die zunehmend komplexer werdenden Prozesse. Um allerdings die Chancen agiler Methoden im Unternehmen nutzen zu können, bedarf es einer Kultur, auf die diese agilen Methoden fruchtbar aufsetzen können. Denn bei agilen Methoden handelt es sich nicht um ein in sich geschlossenes und isoliert zu betrachtendes Verfahren, sondern vielmehr um einen eigenen Denkansatz. Die Art und Weise ein Projekt agil anzugehen, unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Vorgehen. Während die klassische Variante auf eine umfassende, langfristige und detaillierte Planungs-, Entwicklungs- und Erprobungsphase setzt, geht es bei den agilen Methoden um ein dynamisches, sukzessives Umsetzen und kontinuierliches Weiterschreiben eines Planes.

systemische Moderation 

„Kurz planen, loslegen, Fehler machen und daraus lernen“ heißt die Devise

Auf dieses Prinzip muss man sich als Führungskraft erst mal einlassen (können). Gelingt dies nicht, werden die Potenziale der agilen Vorgehensweise komplett ausgehebelt.

Die Systemische Moderation bietet praxisorientierte Impulse, um die Zusammenarbeit in agilen Projekten wirkungsvoll gestalten zu können.

 

Voraussetzung für agiles Arbeiten: Vertrauen und Offenheit

Die Basis für erfolgreiche agile Projektarbeit ist eine von Vertrauen und Offenheit geprägte Kultur. Die gegenseitige Wertschätzung wird zum erfolgsentscheidenden Kriterium. Offen sein, andere wertschätzen und ihnen vertrauen – das klingt einfacher als es tatsächlich ist. Der bewusste Blick durch die systemische Brille unterstützt die Führungskraft, diesem Anspruch auch in der täglichen Umsetzung gerecht zu werden. Basis des systemischen Denkens ist der systemisch-konstruktivistische Ansatz. Dieser besagt, dass es keine objektive Wirklichkeit gibt, diese vielmehr im Auge des Betrachters entsteht.



Die eigenen Werte und Erfahrungen entscheiden darüber, wie jeder einzelne eine Situation wahrnimmt. Und so erleben zwei Menschen eine Situation auch nie auf ein und dieselbe Art und Weise. Wenn ich lerne zu erkennen, dass jeder Mitarbeiter und jedes Teammitglied seine eigene Sicht auf eine Sache hat und mein eigener Blick nicht die in Stein gemeißelte Wahrheit ist, dann kommt das Interesse an den anderen Perspektiven schon fast von alleine. Und kann ich die Beteiligten nicht direkt fragen, so  ist schon viel geholfen, wenn ich im Geiste die Brille des Mitarbeiters aufsetze und versuche, die Situation durch diese zu betrachten.

 

Voraussetzung für agiles Arbeiten: In Auswirkungen denken

Die zweite Säule des systemischen Ansatzes ist das Denken im System. Gerne wird hierfür das Symbol des Mobiles genutzt: Bewegt man ein Element, so bewegt sich auch das ganze Mobile. Alles hat wechselseitigen Einfluss aufeinander. Nichts bleibt ohne Auswirkungen. Gerade in agilen Projekten ist es wichtig, das metaphorische Mobile immer vor seinem geistigen Auge zu haben. Die Auswirkungen eines Schrittes erfordern Maßnahmen, die häufig auf einer ganz anderen Ebene angesiedelt sind. Sind die Beteiligten in Kontakt und über die jeweiligen Erkenntnisse im Bilde, können die Auswirkungen schnell genutzt bzw. berücksichtigt werden. Wichtig sind hierfür direkte Kommunikationswege. Das „System“ muss miteinander in Kontakt stehen und schnell und direkt kommunizieren können. Lange Wege und die Berücksichtigung von Hierarchien sind an dieser Stelle völlig kontraproduktiv.

 

Voraussetzung für agiles Arbeiten: Konstruktiver Umgang mit Fehlern

Beim agilen Arbeiten sind Fehler Programm. Doch auch wenn man sich dessen bewusst ist, so bedeutet doch jeder Fehler eine Unterbrechung und erfordert ein Umdenken. Deswegen ist eine gute Fehlerkultur geprägt durch eine wertschätzende und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Schuldzuweisungen sind hier absolut fehl am Platz. Die bereits oben beschriebene systemische Haltung unterstützt die Führungskraft und die Teammitglieder hierbei. Und doch reicht die Haltung alleine nicht aus, um eine gute Fehlerkultur zu etablieren.

 

Erfolgsentscheidend für den Umgang mit den Fehlern ist neben dem menschlichen Miteinander auch die konstruktive organisatorische Umsetzung. Und hier sind wir wieder bei den schnellen und direkten Kommunikationswegen. Wie die Kommunikation konkret gehandhabt wird kann von Fall zu Fall variieren. Etabliert hat sich in Unternehmen, die erfolgreich mit agilen Methoden arbeiten neben den klassischen Kommunikationswegen wie Mail und Telefon ein tägliches Kurzmeeting.

 

Voraussetzung für agiles Arbeiten: effiziente Meetingkultur

Tägliche Meetings – das mag sich zunächst nicht wirklich effizient anhören. Durch die kontinuierliche Berücksichtigung der neuen Erfahrungen ist dies aber wichtig. Mit den leider allzu bekannten Endlos-Meetings haben diese täglichen Zusammenkünfte allerding nichts gemein. Knapp ist das Zeitbudget bemessen. Deshalb ist es besonders wichtig, schnell auf den Punkt zu kommen und die Zeit effektiv zu nutzen. Ist ein Team erst einmal vertraut mit dieser Arbeitsweise, so läuft es quasi von alleine. Die Termine sind schon ritualisiert. Doch irgendwann ist es immer das erste Mal. Regeln können helfen, dass die Kurzmeetings von Anfang an in den richtigen Bahnen laufen. Diese können auch vor dem Start gemeinsam definiert werden. Hier kann man Punkte wie Zeitpunkt und Ablauf festlegen, aber auch über die Notwendigkeit eines „offiziellen“ Moderators bzw. Time-Keepers beratschlagen.

 

Entscheidend ist, dass das agile Arbeiten mit seinen Auswirkungen nicht zum Selbstzweck wird. Über allem steht immer das gemeinsame Ziel, welches erreicht werden soll. Denn darauf soll sich alles Arbeiten und demzufolge auch jedes einzelne Meeting beziehen. Da kann es hilfreich sein, dieses Ziel zu visualisieren und stets am Meeting-Point präsent zu haben.

 

Die Frage: „Kommen wir durch diese Maßnahmen unserem Ziel näher?“ begleitet das Team durch das gesamte Projekt. Apropos Frage – auch für Kurz-Meetings gilt: Die richtigen Fragen sind die Basis jeder Moderation. Sie ermöglichen ein Umdenken in festgefahrenen Situationen und setzen kreative Potenziale frei. Systemische Moderatoren arbeiten sehr häufig mit systemischen Fragen. Diese laden die Teilnehmer zu einem Perspektivenwechsel ein. Eine typische Frage könnte lauten: „Welche Entscheidung würde jetzt unser Mitbewerber treffen, wenn er in dieser Situation wäre?“

 

Voraussetzung für agiles Arbeiten: Tun was Sinn macht

Die Agilität bezieht sich auch auf die Art der Moderation von Kurz-Meetings und weiteren während des Projektes anstehenden Workshops. Systemische Moderatoren legen besonderen Wert darauf, in jedem Moment das situativ Sinnvolle und Richtige zu tun. Aus diesem Grund passen die Systemische Moderation und das agile Arbeiten so gut zusammen. Mit dem Ziel im Fokus und dem Vertrauen in die Kollegen und sich selbst begleiten systemisch moderierende Führungskräfte und Projektleiter ihr Team agil und sicher.

 

 

Heinz Peter Wallner  

Zur Autorin:

Michaela Stach ist seit 1995 als Unternehmerin selbständig. Nach zahlreichen fundierten Ausbildungen im Bereich Coaching, Change Management, Moderation und Großgruppenmoderation 

spezialisierte sie sich auf den Schwerpunkt „Systemische Moderation“. 2011 gründete sie die Akademie für Systemische Moderation, in der sie zweimal jährlich systemische Moderatoren ausbildet.

Michaela Stach führt selbst Moderationen in Klein- und Großgruppen durch. Sie vermittelt darüber hinaus ihr umfangreiches Moderationswissen in Inhouse-Seminaren und Einzelberatungen.

 

Das Buch zum Thema:

Agil moderieren: Konkrete Ergebnisse statt endloser Diskussion

Autor: Gastbeitrag
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