Führungsstil-Schlüsselkompetenz 6: Selbst-Coaching ist angesagt

6. Januar 2016

Führungskultur im Wandel: Hierarchien schwinden

Innerhalb der hierarchischen Strukturen eines Unternehmens war die Rolle der Führungskraft eindeutig festgelegt – mehr oder weniger. Doch die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Hierarchien im Unternehmen, auch flache, brechen immer mehr weg und werden durch Netzwerkorganisationen ersetzt. Für die Führungskraft bedeutet dies: Der Schonraum, den die Unternehmenshierarchie bisher garantierte, schwindet und mit ihm vertraute Selbstverständlichkeiten wie

  • Durchsetzung eigener Vorstellungen
  • Bestimmen, was wie wo und von wem getan wird
  • Anweisungen erteilen
  • „Machtworte“ sprechen



Stattdessen wird die selbstverständliche Macht der Führungskraft ersetzt durch eine Macht, die „verdient“ werden muss, d.h. mächtig ist nur, was auf Resonanz im Gegenüber trifft – also dem Mitarbeiter, dem Team, den Kollegen, der Geschäftsführung, dem Netzwerk, den Kunden, der Gesellschaft.

 

Fähigkeit der Selbstreflexion gehört zu den zukünftigen Führungsinstrumenten

Um solch eine neue Macht zu entwickeln, ist es unerlässlich, sich selbst zu coachen. Die Reflexion über sich selbst erhält innerhalb des Selbst-Coaching eine wichtige Bedeutung. Schließlich gilt es zu erkennen, was wie bei wem Resonanz erzeugt. Sich nun Zeit einzuräumen, um über bestimmte Ereignisse, Vorkommnisse und/oder Probleme nachzudenken, ist ein erster Schritt – und gehört bestimmt schon zu dem aktuellen Repertoire der Führungsinstrumente. Um allerdings die Herausforderungen des Wandels zu meistern, darf diese Art der bisherigen Selbstreflexion weiter entwickelt werden.



Selbst-Coaching als Schlüsselkompetenz im Führungsstil: 3 Tipps, wie es gelingt

Tipp 1: Systemische Fragetechniken

Hinterfragen Sie gezielt Ihr Verhalten, Ihren Auftritt und Ihre Interaktionen. Sensibilisieren Sie sich für sich selbst. Obwohl es Fragen über Fragen gibt, wissen Sie eins: Fragen sind nicht gleich Fragen. So manche Fragestellung führt nur in eine „Problemtrance“ – Sie treten auf der Stelle. Gönnen Sie sich stattdessen einen Perspektivenwechsel. Wenden Sie die systemische Fragetechniken an, mit denen Sie 

  • Ihre Ressourcen entdecken.
  • Ihre Kompetenzen offenlegen und stärken.
  • an Erfahrungen anknüpfen.
  • Kontext herstellen. Denn Sie verhalten sich ja nicht allgemein so, sondern stets innerhalb eines bestimmten Kontextes.

Beginnen Sie, sich mit den systemischen Fragentechniken Fragen zum persönlichen Kennenlernen zu stellen. Hier sind einige Beispiele – alles offene Fragen:

  • Was genau tun Sie, wenn Sie sich …verhalten und zeigen?
  • Welche Eigenschaften zeigen Sie bei diesem Verhalten?
  • Welche dagegen treten in den Hintergrund?
  • In welchen Situationen zeigen Sie dies mehr? In welchen weniger?
  • Bei welchen Personen treten Sie so auf? Bei welchen mehr, bei welchen weniger?
  • Wie reagiert Ihre Umgebung auf dieses Verhalten? Wer mehr, wer weniger?
  • Welche Auswirkungen hat dieses Auftreten – für Sie selbst, für andere, für das Unternehmen?
  • Wer bewertet dieses Verhalten wie?
  • Welche Resonanz haben Sie erzeugt? Welche Resonanz wollten Sie erzeugen?
  • Angenommen dieses Verhalten bzw. Teilaspekte dieses Verhaltensmuster ergeben einen Sinn – welcher wäre dies?
  • Was wird dadurch gelöst? Was eventuell erschwert und blockiert?
  • Angenommen, Sie würden Ihr Verhalten in der Situation ändern – wie würden Sie sich anders verhalten? Wie würde Ihnen dies gelingen? Welche persönlichen Eigenschaften treten dabei in den Vordergrund, welche in den Hintergrund? Wer würde darauf wie reagieren? Was würde dadurch gelöst? Wie würden Sie sich dann fühlen?

Formulieren Sie schließlich auch eigene Fragen. Sie haben ja jetzt ein Gespür dafür entwickelt, worauf Sie bei Ihrer Formulierung Ihrer Fragen achten dürfen.

 

Tipp 2: Reframing

Wechseln Sie Ihren Blickwinkel. Deuten Sie Eigenschaften – und somit Verhaltensweisen um. Verlassen Sie dadurch mentale Sackgassen. Finden Sie neue Wege – und eröffnen Sie sich neue Gefühle über sich selbst und stärken Sie so Ihr Selbstvertrauen. Denn letztendlich erzeugen Sie ja auch Resonanz durch Ihre Gefühle – wie beispielsweise Ihre Begeisterung - und Ihre Authentizität. All dies gelingt besser, sobald Sie mit Anerkennung zu sich stehen können.

 

Reframing ist für diesen Prozess der Umdeutung die Antwort. Dabei beginnen Sie Eigenschaften – bei sich selbst oder Ihren Mitarbeitern – spielerisch neu zu definieren. Einige Beispiele:

  • faul, lahm: lässt sich Zeit, setzt eigene Prioritäten, sorgt gut für sich, gönnt sich Pausen, ist im eigenen Flow.
  • konfliktscheu: sucht die Harmonie, vorsichtig, diplomatisch, behutsam, wägt die Situation ab, selbst-beherrscht.
  • stellt sich in den Vordergrund: verschafft sich Raum, extrovertiert, Alpha-Tier, kommunikativ, setzt sich durch.

Gehen Sie schließlich noch einen Schritt weiter. Hinterfragen Sie Ihr Reframing mit Hilfe der systemischen Fragetechniken:

  • Wie erklären Sie es sich, dass Sie (bzw. Ihr Mitarbeiter) sich bei dieser Aufgabe Zeit lassen? Welche andere, eigene Priorität haben Sie bzw. Ihr Mitarbeiter gesetzt?
  • In welchen Situationen ist es ratsam, erst abzuwägen und behutsam vorzugehen?

 

Tipp 3: Systemisches Coaching mit Begriffen

Ihre Worte verraten viel. Und Ihre Worte führen Sie in eine bestimmte mentale Richtung. Lassen Sie Ihre Worte einmal bewusst in sich nachklingen. Listen Sie Begrifflichkeiten auf, die Sie häufig kommunizieren und/oder, die Ihnen gut gefallen, weil diese Worte in Ihnen selbst eine Resonanz erzeugen – wie beispielsweise „heitere Gelassenheit“, „reife Leistung“, „in der Ruhe liegt die Kraft“, „Lebensräume“ oder „persönliche Entdeckungsreise“.   

 

Und, wie zuvor, hinterfragen Sie Ihre Begriffe, um zu erfahren, wie Sie die Resonanz, die die Wörter ja definitiv erzeugen, verstärken und aktiver gestalten können. Um die Beispiele aufzugreifen:

  • heitere Gelassenheit: Wie erleben Sie sich selbst, wenn Sie eine heitere Gelassenheit in sich tragen? Wie erleben Ihre Mitarbeiter Sie in solchen Momenten?
  • reife Leistung: Was war Ihre persönliche reife Leistung? Welche Kriterien hat diese reife Leistung für Sie erfüllt? Welche reife Leistung entdecken Sie bei Ihren Mitarbeitern bzw. in Ihrem Team? Wie können Sie Ihr Team dabei unterstützen, weiterhin reife Leistungen zu erbringen? Welche reifen Leistungen gibt es in Ihrem Führungsstil zu entdecken?
  • In der Ruhe liegt die Kraft: Wie muss die Ruhe für Sie beschaffen sein, damit Sie aus dieser Kraft schöpfen können? Wie gelingt es Ihnen, diese kraftvolle Ruhe entstehen zu lassen? Welche Schlüsselkompetenzen aktivieren Sie dafür?
  • Lebensräume: Über welche Lebensräume verfügen Sie? In welchem Lebensraum halten Sie sich am meisten auf? Wie sollten Sie andere Lebensräume gestalten, damit Sie sich gerne darin bewegen? Welche Lebensräume wollen Sie für sich zusätzlich schaffen? 
  • Persönliche Entdeckungsreise: Unter welchem Motto steht Ihre persönliche Entdeckungsreise? Welche „neuen Länder“ wollen Sie, wie einst Columbus entdecken – allerdings in sich selbst? Wie heißen diese neuen Länder?

 

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