Flexible Wissenstransfer-Formate (Teil 1): Mit Speed-Networking und Geschichtentausch Wissenswertes erfahren

15. März 2017

„Geschichten sind Fakten, eingepackt in Kontext, mitgeteilt mit Emotionen.“

Richard Maxwell, Robert Dickman

 

 Mit Speed-Networking und Geschichtentausch Wissenswertes erfahren

 

Die hier vorgestellten zwei Methoden transferieren Wissen in Form von Geschichten und vernetzen gleichzeitig die Erzählenden. Beide Methoden brauchen wenig Zeit, können aber auch ausführlicher genutzt  werden. Sie eignen sich für Besprechungen, Workshops und Events.

 

Geschichten

Geschichten machen stilles Wissen greifbar – es wird ausgesprochen. Doch nicht nur das. Während reine Fakten nur zwei Gehirnregionen aktivieren, regen Geschichten wesentlich mehr Gehirnregionen an. „Als plötzlich das Telefon klingelte, sprang ich auf vor Überraschung.“ Damit regt man zum Beispiel den auditiven Cortex an und den motorischen Cortex wegen der berichteten, reflexhaften Bewegungen. Wir sehen außerdem das innere Bild eines Telefons, es tauchen Erinnerungen an ähnliche Momente auf. Und das sind noch längst nicht alle aktivierten Gehirnregionen.

 

So werden wir also sehr „wach“. Wir lauschen mit allen Sinnen. Wir nehmen viel auf. In unserem Kopf entsteht ein starkes Abbild der Geschichte. So wie bei einem Buch, dass Sie bewegt hat. Manchmal wollen Sie dann den Film dazu eher nicht sehen. Er könnte ja vielleicht dieses starke innere Bild mit einem schwächeren Bild überschreiben. Wer will das schon.

 

Mit eben dieser Kraft transportieren Geschichten Wissen über Zeit und Raum. Wir können dabei gut mitdenken. Und wir nehmen viel Wissen auf. So lernen wir mit der Geschichte.

 

Darüber hinaus vernetzen Geschichten. Denn wir gehen damit eine Beziehung ein. Wir überlegen uns ja gut, wem wir unsere Geschichte erzählen. Je nach Geschichte gehört weniger oder mehr Vertrauen zum Zuhörer dazu. Und Gegenseitigkeit. Also das Geben und Bekommen. Genau dies bieten die beiden hier vorgestellten Methoden.



 

Speed-Networking

Bei Speed Networking erzählt schon der Name die Methode. Speed Networking kann ad hoc oder vorbereitet durchgeführt werden. Hier eine vorbereitete Variante: 

  1. Vor einem Workshop kommuniziert man ein Thema/Problem/... an die TeilnehmerInnen. Alle werden gebeten sich dazu zu überlegen, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Dies wird dann das Warm-up, um in das Thema des Workshops zu kommen.
  2. Beim Workshop suchen sich alle jemandem im Raum, mit der/dem sie eher selten Kontakt haben und tauschen ihre Erfahrungsgeschichten in ca. 5 Minuten aus.
  3. Danach ertönt ein Gong als Signal, sich neue Gesprächspartner zu suchen.
  4. Drei solche Runden insgesamt geben viele Erfahrungen weiter.
  5. Zumeist entsteht damit auch Neugier, was wohl jene erfahren haben, mit denen man nicht geredet hat. Das kann man zum Schluss aufgreifen mit einem Blitzlicht, also jede/r stellt seine überraschendste oder interessanteste Erkenntnis vor. Oder man macht eine Kartenabfrage. So können auch gleich Schlussfolgerungen haltbar aus den Geschichten mit erfasst werden.

 

Tipp

Wenn sich die TeilnehmerInnen kennen, regen Sie zu Beginn an, zu jemandem zu gehen, den man nicht so gut kennt. Oder zu jemandem mit dem man schon lange nicht mehr Kontakt hatte.

 

Achtung

Wir alle mögen Geschichten. Doch für manchen klingt das Wort Geschichte zu sehr nach ausgedacht und nach etwas, dass in einen Roman gehört und nicht in einen geschäftlichen Workshop - leider. In solchen Situationen sagen Sie nicht Geschichte, sondern „berichten Sie bitte ein Erfahrung“, „geben Sie bitte ein Beispiel“.

 

Gehen Sie dann noch als Vorbild voran. Und  erzählen Sie allen zum Start Ihre kurze Erfahrungsgeschichte zum Thema – als Erklärung der Methode. Damit weiß jeder was gesucht wird. Und wie es wirkt. Denn Sie regen natürlich alle Sinne an mit Ihrem Erzählen.

  

Geschichtentausch

Der Geschichtentausch ist eine Variante des Speed Networking - mit einer interessanten Veränderung. 

  1. Wieder startet man zu zweit. Und erzählt sich gegenseitig eine Erfahrung zu einem Thema oder einem Problem. Übrigens auch Fragen sind ein geschickter Ausgangspunkt, um Geschichten abzurufen.
  2. Doch danach erzählt man in jeder weiteren Runde die Geschichte, die man in der Runde zuvor erzählt bekommen hat.
  3. So wandern die Geschichten systematisch zu allen und man verinnerlicht sie noch besser, indem man sie ja erzählt.

 

Dabei sollten sie berücksichtigen, dass sich die Geschichten vielleicht etwas verändern. Der Vorteil ist jedoch, dass sie jeder „besitzt“.

 

Wissenswerte Mehrwerte

Wie schon gesagt, kann man beide Formate als Warm-up für ein Thema, eine Problem, eine Frage nutzen. Genauso kann man aber auch „nur“ sammeln. Vielleicht Erfahrungsgeschichten nach einem großen Projekt. Das ist dann ein Wissens-Vorrat für das nächste große Projekt. Auf jeden Fall haben alle etwas gelernt und andere Menschen besser kennen gelernt.

 

Quellen:
Melcrum (2015) The science behind storytelling
Kimball, Lisa (2012) Liberating Structures. A Pattern Language for Engaging Everyone in Complex Chance.
Brandl, Hartwig, Stadler, Eva (2015) Geschichtentausch 

Alles, was Sie sagen und über sich erzählen, prägt Ihr Image. Erfahren Sie, worauf Sie zukünftig bei Ihren persönlichen Geschichten achten sollten. mehr
In diesem Podcast von Heike Holz erfahren Sie, warum Geschichten so wichtig sind, was sie bewirken und wie sie uns beeinflussen. mehr
Wollen Sie eine starke Marke entwickeln, besinnen Sie sich auf Ihre Unternehmens-Geschichte als ein prägnantes Alleinstellungsmerkmal. mehr
Wie gewinnen Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer? 5 ganz einfach umsetzbare Rhetoriktipps von Andrea Joost. mehr
Mündliche Absprachen werden schnell zur Kommunikationsfalle! Zum verabredeten Zeitpunkt stellt man fest: das Vereinbarte ist nicht passiert! Drei Tipps und eine goldene Regel für Ihre gelungene Führungskommunikation von Bianca Fuhrmann mehr