Existenzgründung in der Gastronomie: Was ist vor und bei Betriebseröffnung zu beachten?

17. Januar 2014

Existenzgründung: Der eigene Gastronomiebetrieb

Der Traum vom eigenen Gastronomiebetrieb ist sowohl für erfahrene Chefköche als auch für andere interessierte Privatpersonen eine attraktive Angelegenheit: Sie können, sofern ausreichend Erfolg gegeben ist, in einem Bereich arbeiten, den sie für sich selber nicht nur ausgesucht, sondern auch aufgebaut haben.

 

Das Geschäft mit dem guten Essen © Robert Kneschke - Fotolia.com
Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

 

Das inspiriert und sorgt für Freude an der täglichen Arbeit. Hinzu kommt, dass die Existenzgründung von vielen deutschen Unternehmensgründern nicht nur als Verwirklichung eines beruflichen Wunsches sondern auch als gute Karrieremöglichkeit gewertet wird. Damit dem nichts im Wege steht, gilt es, bereits vor der Eröffnung des eigenen Lokals oder Restaurants einige essentielle Faktoren zu beachten. Nur auf diese Weise übersteigen die Einnahmen die Ausgaben und die Kunden präferieren nicht das Speiseangebot der Konkurrenz.

 

Die folgende Sammlung der wichtigsten Fragen und Antworten um die Existenzgründung in der Gastronomie bietet eine sinnvolle Hilfestellung für potentielle und interessierte Jung- und Altunternehmer:

 

1. Was bedeutet die Existenzgründung im Gastronomiebereich für mich?

Wenn Sie planen, einen Gastronomiebetrieb zu gründen, dann sollten Sie sich vor Augen halten, dass es sich hierbei um eine zeit- und arbeitsaufwendige Angelegenheit handelt. Sowohl im Alltag als auch zu Sonn- und Feiertagen ist Präsenz zu zeigen, damit die Kunden ihre besonderen Anlässe in den Ihrerseits zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten erleben können. Ein solcher Anlass muss nicht immer eine große Familienfeier sein – ein schlichtes Abendessen nach Feierabend will gut genossen sein. Unnötiger Ärger führt zu Frust, der ein Wiederaufsuchen des gleichen Lokals eher ausschließt. Eine Existenzgründung bedeutet hier, sich auf einen stetig andauernden Prozess einzulassen, der beinhaltet, auch dann Arbeiten zu müssen, wenn alle anderen Menschen frei haben. Hinzu kommt, dass organisatorisch viel zu erledigen ist.



Doch die Existenzgründung bedeutet nicht nur Komplexität im alltäglichen Ablauf; sie gestaltet sich bereits im Vorfeld außerordentlich aufwendig. So muss sich der Gründer mit der Frage auseinandersetzen, welche Rechtsform er für sein Unternehmen wählen möchte. Dies hängt unter anderem von Faktoren wie mitbeteiligte Personen, Kapitalvoraussetzungen und persönliche Haftung ab. Zudem muss die gewählte Rechtsform (hierzulande Personen- oder Kapitalgesellschaft) zur Betriebsgröße passend sein. Eine Beratung beim Rechtsanwalt und/oder Steuerberater ist sinnvoll.

 

2. Wie hoch ist der anfängliche finanzielle Aufwand für mich?

Hoch. Sie sind nicht nur zeitnah auf gemietete, gepachtete oder gekaufte Räumlichkeiten angewiesen, sondern benötigen darüber hinaus eine komplette Inneneinrichtung, Personal, Lebensmittel und müssen monatliche Fixkosten wie Strom und Wasser zahlen. Besonders in den ersten Monaten ist das schwer, denn hier müssen Sie damit Minusgeschäfte kalkulieren, da sich der Kundenstamm zu Anfang meist eher klein gestaltet. Das persönliche Kapital wird nicht ausreichen. Ihr erster Schritt sollte es also sein, ein Darlehen bei einem Kreditinstitut aufzunehmen. Erstellen Sie hierzu einen Business- und Finanzplan. Dieser sollte alle wichtigen Informationen über Ihr gründungsvorhaben beinhaltet. Das kreditgebende Institut wird anhand von diesem entscheiden, ob und in welche Höhe Ihnen finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Weiterführende Informationen zum Download lassen sich auch in diesem Leitfaden finden.

 

3. Welche rechtlichen Vorschriften und Verpflichtungen habe ich im Gastronomiebereich?

Sie müssen auf zwei Ebenen Voraussetzungen erfüllen und Zulassungen beziehungsweise Nachweise organisieren: Auf persönlicher und auf betrieblicher Ebene. Die persönliche Eignung beinhaltet unter anderem ein Auszug aus dem Führungszeugnis und bestätigt die fachliche Kompetenz, einen solchen Betrieb aufbauen und leiten zu können. Hinzu kommt, dass Sie Ihr Gewerbe rechtmäßig anmelden und geeignete Räumlichkeiten nachweisen können. Diese müssen Sie nicht zwangsläufig gekauft haben; die Vorlage eines Pachtvertrags ist ausreichend. Sie müssen außerdem alle nötigen Hygienevorschriften erfüllen sowie das Infektionsschutzgesetz beachten und Stellplätze, den Jugendschutz und eine korrekte Preisauszeichnung gewährleisten. Auch die Qualität der durch Sie angebotenen Produkte ist durch Sie zu sichern. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat zu diesem Thema ein Expertenforum eingerichtet. Gründende Bürger erhalten hier Antworten auf ihre Fragen.

 

4. Wie sichere ich mich finanziell und rechtlich ab?

Neben Ihren persönlichen Sozial-, Sach-, Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen sind Sie auf betriebliche Zusatzversicherungen angewiesen. Eine Sach- sowie eine Haftpflichtversicherung, die auch Schäden aus Ihrer Tätigkeit als Betriebsgründer und Geschäftsführer beinhaltet, ist sinnvoll. Ein Fachmann für Versicherungsfragen kann Ihnen außerdem branchenspezifische Zusatzversicherungen empfehlen, sofern diese verpflichtend oder aber empfehlenswert sind.

 

5. Welche Immobilien eignen sich zur Einrichtung eines Gastronomiebetriebs?

Jedes gute Lokal ist auf attraktive Räumlichkeiten angewiesen. Achten Sie auf eine günstige Verkehrsanbindung und eine Lage, in der sich Kunden wohlfühlen. Im Inneren sollten die Räumlichkeiten idealerweise frisch renoviert sein, über alle nötigen Anschlüsse und technischen Voraussetzungen verfügen und ausreichend Sicherheit sowie Belüftungsmöglichkeiten bieten. Hinzu kommt, dass Toiletten- und Küchenräumlichkeiten existent sein müssen ebenso wie ausreichend (Kühl-)Lagerplatz  und Nebenräume zum Personalaufenthalt. Ein Immobilienmakler kann sich für Sie auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten machen. Mit genügend Ausdauer und Geduld aber werden Sie auch in Eigenarbeit fündig.

 

6. Was ist bei der Inneneinrichtung zu berücksichtigen?

Wie unter 5. bereits erklärt, sollten die Räumlichkeiten über alle notwendigen Details zur Einrichtung eines Gastronomiebetriebs aufweisen. Hinzu kommt Platz: Der Raum, in dem die Kunden sitzen und die bestellten Speisen und Getränke verzehren, sollte nicht zu klein gehalten sein. Während die Küche mit hochwertigen Gerätschaften, die ein schnelles und effektives Arbeiten ermöglichen, ausgestattet werden sollte, ist im Speise- und Aufenthaltsbereich auf Gemütlichkeit zu achten. Die Kunden sollen sich beim Einnehmen ihres Essens wohlfühlen und nicht eingeengt werden. Sorgen Sie mit gezielt eingesetzten Dekorationsgegenständen für eine behagliche Atmosphäre, in die ein Kunde gern ein- und zurückkehrt.  

 

7. Wie viele Dekorationsmittel und Unterhaltungsmedien benötigt mein Betrieb?

Auch, wenn Sie natürlich nicht übertreiben sollten, dürfen Sie die Wirkung von einer passenden Raumdekoration keinesfalls unterschätzen. Neben bequemen Sitzmöbeln können Vorhänge, Aquarien, Keramikfiguren und natürlich auch kunstvolle Leuchtmittel das Auge des Betrachters fesseln. Die Räumlichkeiten sollten zum Verweilen einladen. Eine Ausnahme bilden fast-Food-Restaurants; sie finanzieren sich primär durch die Masse an Kunden, da sie günstige Speisen vertreiben. Hier ist ein längerer Aufenthalt der Käufer nicht gewünscht; die Plätze stehen im Idealfall für neue Kunden zur Verfügung, sobald die vorherigen ihr Essen vertilgt haben.

 

8. Was muss ich bei der Auswahl geeigneten Personals beachten? 

Fleißige Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Betriebsablauf und zufriedene Kunden © goodluz - Fotolia.com
Foto: © goodluz - Fotolia.com

 

Personal ist nicht gleich Personal: Besonders für Personen, die noch nie innerhalb der Personalverwaltung aktiv waren, ist es schwer, brauchbare Mitarbeiter aufzufinden. Hierbei hilft es, eine umfangreiche Stellenausschreibung zu formulieren, die besonderen Fokus auf Voraussetzungen und Chancen innerhalb des Betriebs legt. Weist ein Bewerber die benötigen Qualifikationen auf, kann er im Vorstellungsgespräch mit essentiellen Fragen zu seiner Arbeitseinstellung und Arbeitsmoral befragt werden. So lassen sich Kräfte finden, die sich optimal in den Betrieb und seine Abläufe integrieren. Achten Sie darauf, dass Ihr Personal den Wünschen der Kunden gerecht wird. Mehr noch als im Einzelhandel wird im Gastronomiebereich der Service groß geschrieben – schließlich wollen die Kunden sich bedienen lassen und genießen.

Stellen Sie nicht zu wenige Köche und Kellner ein. Die Spät- beziehungsweise Nachtschichten erfordern für die meisten Positionen eine Zweitbesetzung. Außerdem muss Ihr Betrieb auch im Krankheitsfall funktionieren.

 

9. Wie plane ich die Zulieferung von Lebensmitteln zeitlich und finanziell?

Im Regelfall bieten die meisten Zulieferer von Lebensmitteln und Spirituosen Beratungen an. Diese beinhalten Lieferpläne, die nach Zeitabschnitten und Bedarf gestaffelt und demnach variabel sind. Zu Beginn ist eine Testphase unumgänglich. Jedes Lokal und jedes Restaurant muss erst ausloten, welche Produkte in welchem Umfang konsumiert werden. Danach können Bestellmengen und die Abstände zwischen einzelnen Bestellungen kalkuliert werden.

Bei allen Bestellungen sollten die Lagerkapazitäten bedacht werden. Vor allem Lebensmittel, die auf eine ununterbrochene Kühlkette angewiesen sind, sollten nicht bezogen werden, wenn die vorhandenen Kühlgeräte keinen Lagerungsplatz mehr aufweisen.

 

10. Wie kann ich mich erfolgreich gegen die Konkurrenz durchsetzen?

Qualität und Freundlichkeit überzeugen – auch die Kunden. Geizen Sie darüber hinaus nicht mit den Portionsgrößen und bieten Sie Ihren Kunden gern einmal eine kostenfrei Vorspeise oder einen Schnaps nach dem Essen an. Sie werden merken, dass dies seitens der Kunden sehr beliebt ist. Sie machen sich demnach sympathisch.

Informieren Sie sich über die Angebote Ihrer Konkurrenz.

Darüber hinaus sollten Sie mit der Zeit gehen – Lieferdienste zum Beispiel sind eine gute Idee, um auch Kunden zu erreichen, die lieber zuhause speisen. Richten Sie einen in Ihrem Unternehmen ein, indem Sie warmhaltende Verpackungsmaterialen, ein Fahrzeug und einen Fahrer organisieren. Damit dieser Service schnell bekannt wird, ist er in örtliche Telefonbücher, aber auch in Internet-Services zur Lieferdienstorganisation einzutragen. Diese nämlich erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, da sie auch exotische Speiselieferdienste organisieren. Ein populäres Beispiel für einen solchen ist das E-Commerce Unternehmen Lieferheld.  

 

11. Was gibt es darüber hinaus noch zu beachten?

Sofern Sie alle gesetzlichen Normen erfüllen und vollständig ausgestattet sind, kann die Eröffnung Ihres Betriebs erwogen werden. Machen Sie vor dieser etwas Werbung, damit die Räumlichkeiten in den ersten Tagen nicht leer stehen. Eröffnungsangebote sorgen für einen großen Zulauf. Was Ihrem Betrieb ansonsten noch fehlt, ist schwer zu definieren, da es kein grundsätzliches Erfolgsrezept gibt. Eine gute Beobachtungsgabe und ein geschickte Händchen für Finanzen werden Ihnen helfen, Stärken und Schwächen zu erkennen – und nutzbar zu machen.

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