Verkaufen in digitalen Zeiten: Wie sieht die Zukunft des Modehandels aus?

1. August 2017

Nachdem wir im ersten Teil dieser Artikelserie einen allgemeinen Ein- und Ausblick auf den Stand der Digitalisierung im allgemeinen gewagt haben, können wir uns nun einzelne und ausgesuchte Branchen und Tätigkeitsfelder anschauen und selbst beurteilen, wie es dort um den Digitalisierungsgrad bestellt ist.

 

Dazu habe ich mir zur persönlichen Einschätzung der Situation den Begriff Digitaler Index (DI) „ausgeliehen“. Im Rahmen der Betrachtung der Branchen und Tätigkeitsfelder finden Sie also meine jeweilige Einschätzung des Digitalisierungsgrades. Dabei geht es um eine Skala von 1 bis 10, wobei die „1“ den niedrigsten und die „10“ den höchsten Wert darstellt. Ich starte stets mit einer allgemeinen Einschätzung der Situation und wage dann einen Ausblick.

 

Die Situation im Einzelhandel

Der Einzelhandel ist vermeintlich der Bereich, der aktuell am meisten unter der Digitalisierung und dem Erfolg des Online-Geschäfts leidet. Verschaffen Sie sich bitte selbst einen Eindruck, ob das wirklich pauschal gilt oder ob es auch andere Beispiele gibt.

 

Die Zukunft des Modehandels 

Der Bereich Mode

In diesem Einzelhandelssektor sehe ich gewaltige Unterschiede zwischen den großen, deutschlandweit vertretenen Ketten und den inhabergeführten Boutiquen. Die Filialgeschäfte wie zum Peek & Cloppenburg haben es bereits zu großen Teilen verstanden, ihr Online- mit dem Offline-Geschäft zu verknüpfen, obwohl häufig nicht klar wird, was genau sie eigentlich wollen: mehr Kunden im Netz oder mehr im Laden? Bisher habe ich den Eindruck, dass die Unternehmen nur darauf aus sind, ihren Online-Bereich zu stärken, was sich in der teilweise inflationären Ausgabe von Online-Gutscheinen niederschlägt. Vielleicht ist es ja trotz Recherche meiner Aufmerksamkeit entgangen, aber ein Einkaufs-Gutschein für ein Ladengeschäft meiner Wahl auf der jeweiligen Online-Plattform ist mir bisher noch nicht untergekommen. Das wäre zumindest einmal ein Anfang, um eine ausgewogene Mischung für den Kunden und natürlich auch für die Mitarbeiter im Laden herzustellen.

 

Die Kunden jedenfalls machen laut sämtlicher Statistiken rege vom Online-Kauf Gebrauch, zumindest was die Standard-Mode anbetrifft: Wer seine Lieblings-Marke hat und die jeweiligen Größen kennt, hat es online natürlich sehr einfach. Bestellt, geliefert, anprobiert, passt. Wieso sollte der Kunde dann noch den Weg in die Stadt auf sich nehmen, außer er ist ohnehin gerade dort unterwegs? Den Umweltaspekt (Kartons etc.) lasse ich hierbei einmal bewusst außer Acht.

Aus diesen Gründen gehe ich bei den großen Ketten im Mode-Bereich von dem DI 5 (mittlerer Digitalisierungsgrad) aus.

 

Anders sieht es im inhabergeführten Mode-Einzelhandel aus: Hier ist die Welt zumeist noch in Ordnung, wenn man sie von der Seite der digitalen Gegner aus betrachtet. Es gibt kaum Möglichkeiten, vorab online das Sortiment zu recherchieren. Das Geschäft spielt sich analog ab, Veränderungen scheinen verpönt zu sein. Wenn eine Online-Präsenz besteht, so ist sie meistens sehr oberflächlich gehalten. In den seltensten Fällen kann der Kunde direkt bestellen. Ob es nun am fehlenden Willen liegt, sich den Entwicklungen anzupassen, oder an der Fehlinformation, dass ein recht einfach gehaltener Online-Shop, der auch schon etwas bringen würde, zu viel Geld kostet, sei mal dahingestellt:

Noch ist hier so gut wie nichts digital – also: DI = 1.



 

Das mögliche Zukunftsszenario

Ein mögliches Szenario im Mode-Bereich in fünf bis zehn Jahren könnte so ausschauen: Was teilweise schon in ersten Versuchen angedacht und praktiziert wird, hat eine sehr große Chance, bald Wirklichkeit zu werden: ein Abhol-Shop für online-bestellte Mode, in dem weitere Kaufreize gesetzt werden. Die Aufteilung: Links und rechts optisch ansehnlich präsentierte Neuheiten und auch Exoten für besondere Anlässe, in der Mitte und im unmittelbaren Eingangsbereich die Bestseller und Aktionsware. Entscheidet sich der Kunde dafür, seinen bereits getätigten Einkauf vor Ort aufzustocken, wird der Rechnungsbetrag nach erfolgter digitaler Unterschrift einfach erhöht oder per Smartphone bezahlt, um es ihm so bequem wie möglich zu machen. Dabei werden jedoch kompetente und stilsichere Verkäufer und Verkäuferinnen weiterhin benötigt, sobald der Wunsch des Kunden über seine Standard-Jeans oder den Dreierpack Unterzieh-Shirts hinausgeht.

Der DI in dem Szenario betrüge 8 mit weiterer Tendenz nach oben.

 

In diesem Bereich stecken noch sehr viele Arbeitsstunden, allerdings auch sehr viel Hoffnung und viele Chancen. Sehr spannend wird es auch im Parfümerie-Einzelhandel werden, aber das erfahren Sie im kommenden Teil dieser Reihe.

 

Das Buch zum Thema:

Verkaufen in digitalen Zeiten: Einfach mal Mensch sein (Dein Business)

 

 

 

 

Autor: Lars Schäfer
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