Grobes Verschulden: Steuerberater tappt in „Elster-Falle“

14. August 2013

Elster wird zur Haftungsfalle für Steuerberater

Der Kläger beauftragte seinen Steuerberater mit der Erstellung der Steuererklärung. Letzterer hatte bei Anfertigung der Erklärung keine Kenntnis davon, dass der Kläger mittlerweile von seiner Lebensgefährtin getrennt lebte und einen Anspruch auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende hatte. Er legte die mithilfe des Programms "Elster" der Finanzverwaltung erstellte, komprimierte Einkommensteuererklärung dem Kläger zur Prüfung, Unterzeichnung und Weiterleitung an das Finanzamt vor. Die komprimierte Steuererklärung enthielt keine Rubriken und damit auch keine Eintragungen zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, wie sie in dem amtlichen Vordruck ("Anlage Kind") vorgesehen sind. Der daraufhin erlassene Einkommensteuerbescheid, in dem kein Entlastungsbetrag berücksichtigt wurde, wurde bestandskräftig. Der Kläger beantragte die Änderung des Einkommensteuerbescheids und verlangte die Gewährung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende. Das Finanzgericht der ersten Instanz gab der hierauf gerichteten Klage statt. Der Bundesfinanzhof (BFH) hob das Urteil auf und wies die Klage ab.

 

Elster wird zur Haftungsfalle für Steuerberater

 

Den Kläger trifft nach Ansicht der Bundesrichter kein eigenes grobes Verschulden - er muss sich jedoch das grobe Verschulden seines Steuerberaters zurechnen lassen. Den Steuerberater trifft ein grobes Verschulden am nachträglichen Bekanntwerden von Tatsachen, die Voraussetzung für die Gewährung eines Entlastungsbetrages für Alleinerziehende sind, wenn er dem steuerlich unerfahrenen Steuerpflichtigen lediglich eine komprimierte Einkommensteuererklärung zur Prüfung aushändigt, ohne den für die Abgabe einer vollständigen Erklärung maßgebenden Sachverhalt zu ermitteln. Damit nimmt er dem Steuerpflichtigen die Möglichkeit, die darin enthaltenen Angaben auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu prüfen (BFH, Urteil vom 16.05.2013, Az.: III R 12/12).

Der 31. Mai 2016 ist der letzte Tag für die Abgabe der Steuererklärung 2015. Die Frist kann allerdings verlängert werden. Lesen Sie hier, welche Fristen für Sie gelten. mehr
Ein Steuerberater, der falsche Angaben macht, kann von seinem Mandanten auf Ersatz der durch eine im Strafverfahren gegen ihn verhängte Geldbuße in Anspruch genommen werden. mehr
Eine zehnjährige fehlende Angabe der Rente in der Steuererklärung hat jetzt einem Ehepaar in Rheinland-Pfalz eine teure Nachzahlung wegen Steuerhinterziehung eingebracht. mehr
Mandanten wollen eine optimale Steuergestaltung. Deshalb ist es für alle Steuerberater wichtig, das steuerliche Umfeld ihrer Kunden abzuklopfen. Dabei sollten stets die wesentlichen Beratungsfelder im Fokus stehen. Prüfen Sie anhand dieser... mehr
Der Deutsche Steuerberaterverband e. V. (DStV) empfiehlt Bürgern, die infolge des jüngsten Hochwassers Schäden erlitten haben, den Fiskus mit ins Boot zu holen. mehr