Krisenbewältigung: Vermeiden Sie unbedingt den Boiled-Frog-Effekt

26. August 2010

Plötzliche Krisen wie Kundeneinbrüche lösen sofortige Gegenmaßnahmen ein. Schleichende Verschlechterungen dagegen werden meist weder erkannt, noch behandelt – der Boiled-Frog-Effekt tritt ein. Dieser Effekt leitet sich von dem Vergleich mit einem Frosch ab: Wird ein Frosch in heißes Wasser geworfen, springt er sofort hinaus. Wird dagegen das Wasser, indem sich der Frosch befindet, langsam erhitzt, bleibt er im Wasser und stirbt langsam. Im Klartext: Der Frosch erkennt die schleichende Verschlechterung – die Gefahr – nicht und geht deswegen zu Grunde.

 

Der Boiled-Frog-Effekt im Unternehmen

Der Boiled-Frog-Effekt im Unternehmen

Der Boiled-Frog-Effekt kann in jedem Bereich des Unternehmens auftreten:

  • In den Kundenbeziehungen bzw. den Kundenfluktuationen
  • Im Verkauf und Umsatz
  • Der Produktentwicklung und –herstellung
  • Bei den Zulieferern und Lieferanten
  • Bei den Geschäftspartnern
  • Der Standortfrage
  • Dem Personalwesen
  • Der Nachwuchsbindung
  • Bei den Innovationen
  • Dem regionalen und globalen Markt
  • Bei der Finanzierung und auf dem Finanzmarkt

 



 

Dabei ist unbedingt zu bedenken, dass eine schleichende Verschlechterung in einem Bereich stets auch andere Gebiete innerhalb und außerhalb des Unternehmens beeinflusst, so dass sich die Verschlechterung im gesamten Unternehmen ausbreiten kann. Ein Risiko des Boiled-Frog-Effekts, das nicht unterschätzt werden darf.

Beim Erkennen eines Boiled-Frog-Effektes ist es deshalb notwendig, auch die betroffenen Schnittmengen-Gebiete zu überprüfen. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Boiled-Frog-Effekt in seiner gesamten Bandbreite erfasst, erkannt und gelöst wird.

 

Dem Boiled-Frog-Effekt entgegenwirken: 3 Schritte

 

Schritt 1: Verschlechterungen als potenzielle Gefahr etablieren

Eines der Risiken, dem ein Unternehmen ausgesetzt ist, ist: Den positiven Ist-Zustand des Unternehmens als Dauerzustand zu definieren. Alle fühlen sich auf der sicheren Seite – und schaffen so einen blind spot. Unabhängig davon, wie gut das Unternehmen aufgestellt ist, sollte es aufgrund der Tatsache, dass (Ver-)Änderungen an der Tagesordnung sind, stets mit einer potenziellen Verschlechterung rechnen. Nur so kann dafür der eigene Blick geschärft werden.

 

Hierfür sollte unbedingt geklärt werden, wie die Unternehmenspolitik mit Anzeichen der Verschlechterung bisher umgegangen ist.

  • Gibt es ein Fehlermanagement?
  • Werden Probleme ausgesprochen und ernst genommen?
  • Werden Konflikte aktiv gelöst?
  • Werden dem Mitarbeiter Unternehmensziele vermittelt, die es erlauben, sich auch um auftretende Schwierigkeiten kümmern zu dürfen?

 

Schritt 2: Ohne Standardisierung ist ein Erkennen erschwert

Eine Verschlechterung wahrzunehmen, setzt voraus, dass alle den existierenden Ist-Zustand als Standardisierung definieren, der somit zum Richtwert erklärt wird. Jeder Mitarbeiter wird so automatisch beauftragt, auf Anzeichen eines Abwärts-Trends zu reagieren. Stellen Sie sicher, dass Ihr Team die Bewertungskriterien kennt, die zur regelmäßigen Analyse beispielsweise der Arbeitsabläufe, Kundenbeziehungen oder Produktentwicklungen benötigt werden.

 

Schritt 3: Kommunikation als wichtige Strategie

Auftretende Verschlechterungen müssen nicht allein im Team oder in der Abteilung offen kommuniziert werden, sondern unbedingt auch innerhalb des Unternehmens bekannt gemacht werden. Gerade Bereiche, die sich anschließen, müssen informiert werden, wenn beispielsweise eine erhöhte Kundenabwanderung registriert wurde. Nur so können Gegenmaßnahmen miteinander abgesprochen und aufeinander abgestimmt werden. Denn oft kann ein Team oder eine Abteilung eine Verbesserung nicht alleine erreichen – das gesamte Unternehmen ist gefordert.

 

Überprüfen Sie deshalb:

  • Welche Form der Teamkommunikation bereits etabliert ist. Wofür regelmäßige Teamsitzungen vorrangig genutzt werden.
  • Wer Meetings, die sich mit aktuellen Krisen – also Verschlechterungen – befassen initiiert und koordiniert. Nur Sie als Vorgesetzter oder kann solch ein Meeting auch ein Mitarbeiter einberufen?
  • Wie die Kommunikation zwischen den einzelnen Teams und/oder Abteilungen koordiniert ist.
  • Welche Blockaden dabei regelmäßig auftreten.
  • Ob team- bzw. abteilungsübergreifende Meetings abgehalten werden. Wenn ja, wie diese strukturiert sind und ob sie den Austausch über Anzeichen von Verschlechterungen fördern.
  • Ob es ein Intranet gibt, was jedem Mitarbeiter zur Verfügung steht.

 

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