Gesundes Führen – Echter Erfolg

7. März 2016

Am Ende des Erfolgswahnsinns

Der Manager, 38, sagt im Coaching: „Ich habe alles, was man sich wünschen kann. Ich habe einen Super-Job, bin mit 38 schon Bereichsleiter, sechsstelliges Gehalt, Haus, Frau, Kinder. Mir geht’s doch blendend! Ich fühle mich aber nicht so! Was habe ich bloß?“ 

 Gesundes Führen – Echter Erfolg

 

Wir alle wollen Erfolg

Managerinnen und Manager, Unternehmer und Führungskräfte noch ein wenig mehr als „normale“ Menschen. Ihre Überlegung lautet: Habe ich Erfolg, dann geht’s mir gut! Das ist naiv.

Psychologen nennen das  „Affective Forecasting“. Das ist ein angeborener kognitiver Vorgang, bei dem wir Vorhersagen über unser Wohlbefinden in der Zukunft anstellen in Abhängigkeit von Entscheidungen der Gegenwart. Schlagendes Beispiel: „Wenn ich im Lotto gewinne, bin ich glücklich!“ Wie die Empirie längst bewiesen hat, sind Lottogewinner nicht glücklicher als Nichtgewinner.

In anderen Worten:
Wir tippen bei den erwarteten Gefühlen häufig daneben. Und erkennen das nicht.



Wir wissen nicht, was gut für uns ist

Nadine und Silke haben einen Fahrradladen im Norden Deutschlands und schlafen nachts schlecht. Weil das Geschäft so gut läuft! Sie haben über 20 (!) Monteure und Verkäufer, sind schuldenfrei und machen endlich den Gewinn, den sie sich immer wünschten. Sie haben Erfolg!

Warum sind dann beide so unglücklich und gestresst?

Das fragen sie die Coachin. Weil man selber oft nicht mehr klar denkt, wenn man vom Erfolgswahn befallen ist:
Sie haben Erfolg – aber es ist nicht ihr Erfolg.

 

Wer definiert Ihren Erfolg?

Beide Unternehmerinnen sind dem Erfolgsmythos aufgesessen: „Wenn du es erst einmal geschafft hast, hast du es geschafft!“ Das ist Unfug und der Name des Unfugs ist Paul.

Paul ist der Vorarbeiter des Ladens. Er ist fanatischer Wettkampf-Biker und Rudelführer der Monteure. Das weiß er. Deshalb hat er gestern reingemailt: „Komme morgen nicht, muss trainieren. Und nächsten Monat kann ich nur eine Woche arbeiten!“ Das ist Erpressung! Und das wissen beide Seiten: Wenn Paul geht, bricht der Laden zusammen – denken die beiden Chefinnen.

Weil sie dem Erfolgskoller auf den Leim gehen: „Der Laden muss laufen!“ Im Coaching frage ich: „Muss er das? Um jeden Preis? Ab welchem Preis ist Ihnen der Preis zu hoch?“

Der Groschen fällt: „Erfolg soll ab sofort nicht mehr sein, wenn der Laden läuft, sondern wenn der Laden läuft, uns keiner erpresst, das Arbeitsklima wieder erträglich ist und wir nachts wieder schlafen können.“ Diese neue Erfolgsdefinition gibt den beiden endlich den Mut, Paul abzumahnen. Der schwenkt schnell um. Er brauchte lediglich den Warnschuss. Ein Einzelfall?

 

Der neue Erfolg

Der Trend geht klar weg vom Statuserfolg. In den Fokus der Wirtschaft geriet das Thema in den letzten Wochen, weil sich auf einer Fachtagung so viele Personalchefs darüber beschwerten, dass JungmanagerInnen, High Potentials und Young Professionals „im Einstiegsgespräch nicht mehr vorrangig nach Gehalt, Boni und Firmenwagen fragen, sondern nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie, interessanten Projekten und Entwicklungsmöglichkeiten.“ Die Personalchefs fanden, das sei eine Katastrophe. Der einzige anwesende Organisationspsychologe meinte trocken: „Das ist keine Katastrophe. Das ist der Paradigmenwechsel. Das ist das Ende des Erfolgswahns.“

Erfolg ist nicht mehr, was dem Konto oder dem Status, sondern was uns selbst gut tut.

 

Was tut dir gut?

Ein großes Installationsgeschäft in einer mitteldeutschen Hauptstadt. Der Inhaber klagt: „Wir kriegen keine qualifizierten Fachkräfte!“ Dann bewirbt sich überraschend einer, der vom größten Konkurrenten am Ort weg will. Jubel? Mitnichten: „Absolut kompetent, sehr leistungsstark, aber der größte Unsympath!“ Im Coaching identifizieren wir die bisherige Erfolgsdefinition: „Erfolg ist für mich, wenn wir genug Aufträge und das richtige, das heißt ein sympathisches Team haben!“ Ich frage ihn, was er im Schnitt zu Mittag isst. „Oft nur ’ne Stulle vom Fleischer nebenan, am Schreibtisch, während ich Angebote tippe.“ Ich frage ihn, ob er nicht mal gerne wieder eine halbe Stunde Zeit für eine echte Mahlzeit hätte. Er ergänzt seine Erfolgsdefinition umgehend: „Ein neuer Mitarbeiter muss nicht mein bester Freund sein – Hauptsache, er macht seine Arbeit gut und entlastet mich!“

Das hätten Sie dem Inhaber gleich sagen können? Entschuldigung, darum geht es nicht. Es geht darum:

 

Welchen blinden Fleck hat Ihre Erfolgsdefinition?

Den eigenen sieht man nämlich selten. Man schleppt ihn vielmehr ungesehen mit sich herum, hat Erfolg, aber ist nicht wirklich glücklich damit. Außerdem ist die Entlarvung des eigenen Erfolgswahns nur der erste Schritt. Denn was machen Sie, wenn Sie endlich erfahren, was echter Erfolg für Sie bedeutet?

 

Lemminge haben keinen Erfolg

Der Manager aus unserem Anfangsbeispiel, 38, Bereichsleiter, fand heraus, dass echter Erfolg für ihn eigentlich nur bedeuten kann: „Von null aus was Neues aufbauen!“ Das tat er bis 33. Er baute einen neuen Bereich auf. Seit fünf Jahren verwaltet er ihn nur noch – mit jährlich gutem Wachstum. Aber das entspricht nicht seiner Definition von „Neues aufbauen“. „Soll ich deshalb kündigen und in ein Startup gehen? Meine Familie lyncht mich! Außerdem habe ich mich ans gute Geld gewöhnt.

 

Wie setzt man die eigene Erfolgsdefinition um, wenn man sie mal gefunden hat?

So gut wie nie mit dem berühmten Aussteigertum (noch so ein Erfolgsmythos), sondern fast immer mit einer Synthese aus alter und neuer Definition. Also kauft der Manager sich mit einem Teil seines ansehnlichen Vermögens in ein Startup ein – neben seinem „eigentlichen“ Job. Seine Frau fürchtet, ihn noch weniger zu sehen, sein Chef guckt grimmig, aber der Manager sagt: „Lass den grimmig dreinschauen – das ist es mir wert! Seit ich das Startup habe, lebe ich auf!“ Erfolg. Echt.

 

Wie setzt man die eigene Erfolgsdefinition um?  

Echter Erfolg erfordert Abgrenzung

Erstaunlich viele Coachees kommen mit dem Luxusproblem ins Coaching: „Eigentlich möchte mein Chef mich befördern – aber ich würde lieber …  ... mit der Partnerin die Route 66 runterfahren, ... mehr Zeit für den Amateursport haben, ... die eingeschlafenen Kontakte im Freundeskreis reaktivieren, ... öfter mit den Kumpels von damals abhängen, ... Jugendträume verwirklichen, ... die überquellende Leseliste abarbeiten, ... den Kindern ein Baumhaus bauen" …Was ist es bei Ihnen? Und immer fragen die Coachees: „Wofür soll ich mich entscheiden?“ Meistens lautet meine Antwort: „Für beides!“ Denn beides ist Teil der persönlichen Erfolgsdefinition. Wozu auf die Hälfte vom Erfolg verzichten? Aber es ist immer nur eines möglich? Genau das will uns der Erfolgswahn einreden. Doch das ist falsch. Was man daran erkennt, dass man nicht glücklich wird, wenn man darauf hereinfällt. Trotzdem gehen ihm viele auf den Leim. Unfall? Nein, Methode. Genauer: das Fehlen einer Methode.

 

Erfolg hat Methode

Deshalb konsultieren so viele Menschen in dieser Frage den Coach. Weil er oder sie methodisch vorgeht:

  1. Was ist Ihre bisherige, alte, unzureichende, unreflektierte Erfolgsdefinition?
  2. Was sind überhaupt Ihre Bedürfnisse, die erfüllt sein müssen, damit Sie nicht nur erfolgreich sind, sondern sich auch so fühlen?
  3. Wie wichtig sind Ihnen jeweils diese Bedürfnisse? Wir erstellen die Rangfolge.
  4. Wie sieht demgemäß Ihre neue Erfolgsdefinition aus?
  5. Mit welchen Reaktionen Ihres Umfelds (Vorgesetzte, Mitarbeiter, Kunden, Familie) sollten wir rechnen, wenn Sie Ihren neuen, echten Erfolg anstreben?
  6. Wie sollten Sie Ihr neues Erfolgsstreben also formulieren, damit diese Reaktionen möglichst positiv ausfallen?

 

Erfolg ist Übungssache

Sechs Schritte zum Erfolg? Damit wird klar, warum so viele Menschen immer noch unter Erfolgswahn leiden. So methodisch gehen wir selten an unseren eigenen Erfolg heran. Das Gute daran: Wer sich dazu aufrafft, erlebt nicht den gesellschaftlich vorgeschriebenen, sondern den echten, wahren, persönlichen Erfolg. Das wünsche ich Ihnen!  

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