Die konstruktive Feedback-Kultur: Feedback geben und annehmen

4. August 2015

Feedbacks sind Rückmeldungen über erbrachte Leistungen. Sie geben uns die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Von daher ist Feedback ein Steuerungsinstrument, das schnelle Justierungen möglich macht. Zügige Rückmeldungen sind im unternehmerischen Alltag deshalb elementar - und für das Erreichen der Zukunft unumgänglich.

 

Feedback geben und annehmen

 

Egal, ob Lob oder Tadel, und egal auch, ob man eine Rückmeldung gibt oder erhält: Beides will gelernt sein! Ein gekonntes Feedback-Gespräch fördert das Miteinander, klärt Missverständnisse und sorgt für Leistungsverbesserungen. Damit dient es gleichzeitig der fachlichen und der persönlichen Weiterentwicklung – das muss klar zum Ausdruck kommen.

 

Grundsätzlich gilt dabei folgende Regel: Konsequent in der Sache, wertschätzend zur Person

 

Die sieben Schritte für den Feedback-Geber:

  1. Das Ziel:
    Klären Sie zunächst für sich selbst das Ziel: Was will ich mit diesem Gespräch bewirken? Welche Worte und welche Tonalität können helfen, dieses Ziel zu erreichen? Und was geht gar nicht?

  2. Die Frage:
    Fragen Sie den Feedback-Nehmer, ob Sie ihm eine Rückmeldung geben können, zum Beispiel so: "Ich möchte Ihnen gern eine Rückmeldung zu … geben, weil ich sehe, dass … , okay? Passt es Ihnen jetzt gerade?" Oder so: „Ich möchte Ihnen gerne sagen, wie das bei mir angekommen ist, ist das okay für Sie?“ Oder so: „Ich möchte Ihnen gerne sagen, welche Idee ich zu diesem Punkt habe, passt das für Sie?“

  3. Die Antwort:
    Warten Sie die Antwort ab. Ist diese ein Ja, sagen Sie mit einem Kopfnicken danke. Ist die verbale und/oder nonverbale Antwort ein Nein, dann fragen Sie, wann der Zeitpunkt günstiger ist. Ein Feedback gegen den Willen des Anderen oder ein Frontalangriff bringen rein gar nichts, beides erzeugt nur ein Sichverschließen, Selbstverteidigung oder Gegenwehr.


  4. Die Ich-Botschaft:
    Damit ein Hinweis nicht wie eine Attacke wirkt, verwenden Sie am besten Ich-Botschaften, zum Beispiel so: „Was ich mir an dieser Stelle gewünscht hätte …“ Oder so: "Ich bin überrascht, dass …" – „Ich finde es schade, dass …“ – "Was ich mir hier vorstellen könnte …“ – „Ich habe eine ganz persönliche Bitte an Sie …“

  5. Die Tonalität:
    Nicht nach Schuldigen, sondern nach Ursachen suchen, Auswirkungen sichtbar machen, Lösungen finden. Dabei sachlich, ehrlich und sauber argumentieren, keine Ironie, keine spitzen Bemerkungen, nicht persönlich werden, nie 'unter der Gürtellinie' agieren. Den Mitarbeiter/Kollegen nicht erniedrigen und fertig machen! Sie brauchen ihn größer und nicht kleiner – er soll es ja in Zukunft besser machen. Deshalb: positive Formulierungen finden. Also nicht: “Sie sind aber langsam heute!“ sondern: „Diese Arbeit hat diesmal, soweit ich das gesehen habe, sehr viel Zeit gebraucht, oder?“

  6. Die Lösung:
    Geben Sie dem Gesprächspartner die Gelegenheit zu einer Stellungnahme, etwa so: „Mir ist aufgefallen … – Und wie sehen Sie das?" Oder so: „Das ist meine Idee dazu … - Und wie stellt sich das aus Ihrer Sicht dar?“ Warten Sie seine Antwort nun ab. Lassen Sie ihm ausreichend Redezeit, hören Sie fair, interessiert und sachlich hin. Vermeiden Sie negative Worte und auch nonverbale Abfälligkeiten wie Augenrollen, Schnauben etc. Wertschätzen Sie seine Sichtweise und äußern Sie Verstehen. Verstehen heißt noch lange nicht, auch einverstanden zu sein. Doch nur, wenn Sie seine Argumente erst und wichtig nehmen, wird er das auch mit Ihrer Meinung und Ihren Wünschen tun. Finden Sie nun gemeinsam eine für beide Seiten akzeptable Lösung.

  7. Der Dank:
    Bedanken Sie sich am Ende fürs Zuhören und für die konstruktive Lösung, etwa so: „Danke dass ich Ihnen das sagen durfte.“ Oder so: "Danke für Ihre Zeit. Ich freue mich, dass wir eine gemeinsame Lösung gefunden haben.“ Oder so: „Danke, dass Sie mir zugehört haben. Das lag mir sehr am Herzen.“ Danke ist ein Zauberwort!

 

Die drei Schritte für den Feedback-Nehmer: 

  1. Die Bereitschaft:
    Signalisieren Sie Ihre Bereitschaft, das Feedback anzunehmen. Hören Sie fair, interessiert und sachlich hin. Achten Sie vor allem auf Ihre Körpersprache: Bleiben Sie offen und zugewandt. Vermeiden Sie negative Worte und auch nonverbale Abfälligkeiten wie Augenrollen, Schnauben etc. Wertschätzen Sie die Sichtweise des Feedback-Gebers und äußern Sie Verstehen. Verstehen heißt noch lange nicht, auch einverstanden zu sein. Doch nur, wenn Sie seine Argumente erst und wichtig nehmen, wird er das auch mit Ihrer Sichtweise tun.

  2. Keine Rechtfertigung, sondern Lösungssuche:
    Rechtfertigen Sie sich nicht, suchen Sie nicht die Schuld bei Dritten, und starten Sie auch keinen Gegenangriff. Wer sich rechtfertigen muss, entwürdigt sich. Ein Gegenangriff schürt nur Aggressivität. Und das Lamentieren über Vergangenes kostet unnötig Zeit. Entwickeln Sie stattdessen eine für beide Seiten akzeptable Lösung für eine bessere Zukunft.

  3. Der Dank:
    Bedanken Sie sich für das Feedback, weil es Ihnen hilft, sich zu entwickeln, etwa so: „Danke für Ihre Offenheit. Das hat mir geholfen, Ihre Sichtweise besser zu verstehen/Ihre Gefühle nachzuempfinden.“ Oder so: „Danke für Ihre klaren Worte. Das war wirklich hilfreich, um eine bessere Lösung zu finden.“ Danke ist ein Zauberwort! Und ein zustimmendes Lächeln an dieser Stelle kann kleine Wunder bewirken.

 

 

Das Buch zum Thema: 

Das Touchpoint-Unternehmen: Mitarbeiterführung in unserer neuen Businesswelt

 

 

 

 

 

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