Erfolgsrezept Wertschätzung macht Sie zum Azubiflüsterer

20. Februar 2015

 

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„Schon wieder ein Beitrag über Wertschätzung. Ist das nicht selbstverständlich?“ Diese Gedanken wird vielleicht der ein oder andere Leser haben. Dennoch habe ich mich ganz bewusst entschieden, einmal ausführlich auf das Thema Wertschätzung im Rahmen der betrieblichen Ausbildung einzugehen. Denn oft steht und fällt der Erfolg einer Ausbildung mit der gegenseitigen Wertschätzung zwischen Auszubildendem und Ausbilder oder ausbildender Fachkraft.

 

Auszubildende wünschen sich in erster Linie respektvoll und wertschätzend in den Betrieben behandelt zu werden. Egal ob wir uns die McDonald´s Ausbildungsstudie 2013 oder die Befragung des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags 2012 ansehen – bei den Erwartungen an den Ausbildungsbetrieb landet dieser Punkt ganz vorne. Azubiflüsterer sind sich dessen bewusst und achten darauf, den Auszubildenden von Anfang an ernst zu nehmen. 

Aber was heißt Wertschätzung eigentlich genau? Wir schätzen den Wert eines Menschen, nehmen ihn so wie er ist als Individuum an. Das gilt natürlich nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für den Umgang und die Kommunikation mit Praktikanten, Mitarbeitern, dem Chef oder Freunden.

 

Mein Erfolgsrezept Wertschätzung für Azubiflüsterer werde ich ihnen nun vorstellen. Dies erhöht die Ausbildungsqualität ebenso wie den Ausbildungserfolg und führt dazu, dass Azubiflüsterer mehr Spaß an der Ausbildung haben. Dazu braucht es einige Zutaten: 

 Backzutaten (Zucker, Mehl) und ein altes Rezeptbuch

 

Erfolgsrezept Wertschätzung für Azubiflüsterer

Rechnen Sie mit etwa 30 Minuten Vorbereitungszeit.

 

Zutaten:   1 Teelöffel Vorbild
   200 gr. Kommunikation auf Augenhöhe
   100 gr. Sinn
   1 Prise Individualität
   1 Suppenlöffel Motivation
Backzeit:  unbegrenzt
Verzehrempfehlung:  täglich

         

Vorbereitungszeit

Haben Sie schon einmal eine neue Stelle angetreten und am ersten Arbeitstag festgestellt, dass sich niemand auf Sie vorbereitet hat? Dann war ihr erster Eindruck sicher nicht der Beste und ihre Motivation sank. Nicht anders geht es Auszubildenden. Aus diesem Grund müssen wir uns auf den Einsatz eines Auszubildenden vorbereiten. Hier sind viele Dinge zu tun: Arbeitsplatz vorzubereiten, IT-Zugriffe zu beantragen, richtige Größe der Sicherheitsschuhe bestellen und vieles mehr. Informieren Sie auch die Kollegen. So kann der Auszubildende schnell ins Team integriert werden. Azubiflüsterer nutzen zur Vorbereitung auf den Praxiseinsatz eines Auszubildenden eine ausführliche Checkliste.

 

  Sollten Sie noch keine Checkliste zur Vorbereitung haben, stellen Sie sich am besten gleich jetzt eine zusammen.

 

Zutat 1: Vorbild

Seien Sie Vorbild für Ihren Auszubildenden und sich dessen auch bewusst. Das mag nicht immer einfach sein, aber Azubiflüsterer agieren hier sehr authentisch. Denn wie möchten Sie einem Auszubildenden erklären, dass er sein privates Handy während der Arbeitszeit nicht nutzen darf, wenn Sie selbst immer wieder auf Ihr privates Handy sehen? In meinen Seminaren zur Ausbilderqualifizierung meinen manche Mitarbeiter, dass sie hier für manches einen Extrabonus hätten, weil sie älter oder länger im Unternehmen sind. Aber warum sollte es diesen geben? Für mich gibt es diesen nicht und er passt zudem nicht mit der nächsten Zutat zusammen.

 

Leben Sie das Verhalten vor, welches Sie von Ihrem Auszubildenden wünschen. Das ist oft schon die halbe Miete. Dabei sollten wir gerade Auszubildenden einen Wertschätzungsvorschuss geben und diese möglichst vorurteilsfrei empfangen, auch wenn der erste Eindruck aufgrund großer Schüchternheit oder unpassender Kleidung nicht der beste war.

  Sind Sie sich Ihres Einflusses als Vorbild ausreichend bewusst?
  Wo können Sie noch mehr Vorbild sein?
  Sind Kollegen auf das Thema Vorbild hinzuweisen?

 

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, Sie müssen nicht perfekt sein. Wer ist das schon? Fehler können wir zugeben und vielleicht sogar gemeinsam mit dem Auszubilden nach einer Lösung suchen.



 

Zutat 2: Kommunikation auf Augenhöhe

Wir sollten unseren Auszubildenden ernst nehmen und mit ihm auf Augenhöhe kommunizieren. Das war schon immer wichtig, aber insbesondere die Generation Y und die Nachfolgergeneration Z legt großen Wert auf wertschätzende Kommunikation.

 

Hier ein paar Tipps für gute Kommunikation auf Augenhöhe mit Ihrem Auszubildenden:

  • Setzen Sie sich, wenn der Auszubildende sitzt (keine Kommunikation von oben herab).
  • Bedanken Sie sich bei Ihrem Auszubildenden (evt. mit einer kleinen Überraschung).
  • Geben Sie ihm alle notwendigen Informationen.
  • Hören Sie ihm aufmerksam zu und schenken Sie ihm in Gesprächen volle Aufmerksamkeit (keine Mails nebenbei lesen!).
  • Zeigen Sie Interesse an Ihrem Auszubildenden und sprechen Sie mit ihm über seine Hobbys, Erwartungen und Privates. Kommunikation auf Augenhöhe bedeutet dabei, dass auch wir selbst von uns erzählen und den Auszubildenden nicht ausfragen.
  • Seien Sie offen für Vorschläge des Auszubildenden.
  • Sprechen Sie nie davon, dass dies „nur“ der Auszubildende ist.
  • Reden Sie mit dem Auszubildenden und weniger über ihn.
  • Seien Sie ehrlich.
  • Sprechen Sie Kritik offen an und führen Sie wöchentliche Feedbackgespräche.
  • Vergessen Sie das Lob nicht (zwischendurch und bei den Feedbackgesprächen).
  • Bitten Sie den Auszubildenden, ihnen Feedback zu geben und nehmen Sie seine Rückmeldungen ernst.
  • Glauben Sie an Ihren Auszubildenden und suchen Sie – insbesondere bei schwierigeren Situationen – immer wieder ganz bewusst nach positiven Eigenschaften.
  • Haben Sie kein Problem damit, dass der Auszubildende vielleicht einmal mehr weiß oder besser wird als Sie selbst.

 

  Überlegen Sie sich, an welchen der genannten Tipps Sie noch arbeiten müssen.
  Freuen Sie sich über alle Punkte, in denen Sie schon Azubiflüsterer sind.

  

Zutat 3: Sinn

Nichts ist demotivierender als für den Papierkorb zu arbeiten. Lassen Sie den Auszubildenden daher im Alltagsgeschäft mitarbeiten. Azubiflüsterer vermitteln zudem den Sinn der Aufgabe oder eines Verhaltens. Dieses Wissen und die Erklärungen dazu schaffen Verständnis und Vertrauen – weitere Pluspunkte.

  Achten Sie darauf, dass Sie den Sinn einer Aufgabe oder eines Verhaltens erklären.

 

Zutat 4: Individualität

Wertschätzung nach Standard wird nicht als ehrlich empfunden. Wir sollten daher individuell auf unseren Auszubildenden eingehen und so z.B. Rücksicht auf sein individuelles Lerntempo nehmen.

  Stellen Sie sich die Frage, wie Sie ganz individuell auf Ihren Auszubildenden eingehen, ihn wertschätzen und vielleicht sogar überraschen können.

 

Zutat 5: Motivation

Die letzte Zutat mag vielleicht etwas ungewöhnlich erscheinen. Aber ein Auszubildender, der neben einem demotivierten Mitarbeiter sitzt, wird sich nicht willkommen fühlen. Dann müssen wir an unserer eigenen Motivation arbeiten. Unser Engagement für die Azubibetreuung wird jeder Auszubildende zu schätzen wissen.

  Wie können Sie sich selbst für die Aufgabe der Azubibetreuung motivieren?
  Was bringt Ihnen die Funktion Ausbildungsbeauftragter?

 

Backzeit

Azubiflüsterer wissen, dass Ausbildung nicht so nebenbei funktioniert. Sie nehmen sich Zeit für ein erstes Kennenlerngespräch, zur Begrüßung, für Feedbackgespräche, das Beobachten des Auszubildenden und einiges mehr. Eine notwendige Rahmenbedingung dafür ist, dass Führungskräfte und Vorgesetzte die Aufgabe der Azubibetreuung schätzen und die ausbildende Fachkraft unterstützen.

  Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für Ihren Auszubildenden?
  Welche Unterstützung benötigen Sie, um mehr Zeit zu haben?

 

Das Erfolgrezept können Sie gerne noch nach Belieben würzen und mit weiteren Ideen ergänzen. Täglich angewendet werden Sie zum Azubiflüsterer, steigern die Motivation und Leistungsfähigkeit Ihres Auszubildenden und sind selbst motivierter. So steht einer erfolgreichen Ausbildung nichts mehr im Weg.

 

Hier finden Sie weitere Beiträge zu unserem diesjährigen Projekt Erfolgsrezepte.

 

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