Körpersprache: Sich für die nonverbale Kommunikation sensibilisieren

14. September 2011

Körpersprache verstehen, Körpersprache lernen

Innerhalb eines Gespräches spielen stets drei Ebenen eine wichtige Rolle:

  1. die Verbale, also alles was mündlich geäußert wird,
  2. die Nonverbale, die Körpersprache, die auf einer sichtbaren Ebene offenbart was Sie selbst oder Ihren Gesprächspartner unbewusst bewegt
  3. und die Interaktion der am Gespräch beteiligten – und zwar verbal, wie auch nonverbal.

Körpersprache verstehen, Körpersprache lernen

Damit Sie also besser miteinander kommunizieren können, ist es auch wichtig, diese nonverbalen Signale wahrzunehmen und soweit es Ihnen möglich ist, zu verstehen.

Die Einschränkung „soweit es Ihnen möglich ist“ sollte als bewusster Hinweis verstanden werden, dass das Deuten – und damit das Verstehen – der Körpersprache nie als eine abgeschlossene Interpretation betrachtet werden darf, obwohl natürlich eine bestimmte Mimik wie das Stirnrunzeln als Ausdruck geistiger Anstrengung verstanden wird. Dennoch gilt es zu akzeptieren, dass Körpersprache – und somit die nonverbale Kommunikation –

  • nur das Hier und Jetzt kennt, d.h. das nonverbale Signal ist stets ein Ausdruck auf die momentan auftretenden inneren und äußeren Impulse (eigene Gedanken, Gefühle und äußere Geschehnisse). Deshalb sollten Sie sich immer fragen: Wann tritt diese Bewegung auf? Wann werden diese Körpersprache Signale gezeigt? Welche Ereignisse und Worte waren der zeitliche Auslöser für diese körperliche Bewegung?
  • aus vielen Signalen besteht, d.h. das Deuten eines einzelnen und einzigen nonverbalen Kommunikationsausdruckes wie beispielsweise der erhobene Zeigefinger sollte mit Vorsicht unternommen werden. Beobachten Sie immer den gesamten Kontext. Achten Sie auf das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen der Körpersprache wie Gestik, Mimik, Haltung, Stimme und Tonfall.
  • stets individuell geprägt ist, d.h. jeder entwickelt innerhalb seines kulturellen, sozialen und familiären Umfeldes seinen ganz persönlichen körpersprachlichen Ausdruck. So mag Ihre Kollegin mit den Händen ringen, weil sie nervös ist, während Ihr Kollege mit den Händen ringt, weil er seine Ungeduld zügeln will. Als Beobachter der Körpersprache werden Sie nach einer Weile bei den Personen Ihrer näheren Umgebung deren ganz persönliches Muster der nonverbalen Kommunikation erkennen können.
  • einen stärkeren Einfluss auf das Gespräch hat, als Sie vielleicht zugeben würden oder möchten. Denn den nonverbalen Signalen wird mehr vertraut als den Worten. Nach dem Motto: Der Körper lügt nicht.

 

 

Körpersprache deuten lernen: 3 Schritte

 

Schritt 1: Redewendungen spiegeln die nonverbale Kommunikation

Die eigene Sprache spricht körpersprachliches – und dessen entsprechende Deutung – bereits vortrefflich an und aus. Sie kennen solche Ausdrücke und Redewendungen nur zu gut, denn Sie wenden Sie selbst immer wieder an:

  • „Er ist halsstarrig“: Die Person beharrt auf seiner Position.
  • „Sie läuft erhobenen Hauptes umher“: Sie ist überheblich und von sich überzeugt.
  • „Er beißt die Zähne zusammen“: Er gibt sich nicht geschlagen und gibt nicht auf.
  • „Er ballt die Faust“: Er ist wütend und zum Angriff bereit.
  • „Sie lässt die Schultern hängen“: Ihr ist es einfach zu viel.
  • „Sie wendet den Blick ab“: ihre Aufmerksamkeit ist dahin.

 

Listen Sie selbst weitere solcher Redewendungen und Ausdrücke auf. Überlegen Sie, was Sie damit eigentlich aussagen wollen und auf was somit solch ein nonverbales Signal hinweisen könnte.



 

Schritt 2: Schulen Sie Ihre Wahrnehmung

Bevor Sie beginnen, Körpersignale zu deuten, erhöhen Sie Ihre Sensibilität für die nonverbale Kommunikation. Denn Sie reagieren bereits auf die nonverbale Kommunikation Ihres Gegenübers – oft jedoch unbewusst. Manchmal zeigt sich dies durch eine Irritation über die Wendung im Gespräch oder weil Sie „plötzlich“ den Worten des anderen keinen Glauben mehr schenken können.

Trainieren Sie deshalb die bewusste Wahrnehmung der nonverbalen Signale. Laden Sie dafür unsere Checkliste: Körpersprache wahrnehmen herunter. Notieren Sie nach jedem wichtigen Gespräch Ihre Beobachtungen. Wenn es Ihnen möglich ist – beispielsweise als Teilnehmer eines Meetings oder einer Konferenz – können Sie schon währenddessen Ihre Betrachtungen fixieren.

Überfordern Sie sich aber nicht. Konzentrieren Sie sich pro Tag nur auf einen körpersprachlichen Ausdruck, beispielsweise das Stirnrunzeln. Am nächsten Tag beobachten Sie die Körpersprache der Beine, dann den Blickkontakt usw., bis Sie jeden Beobachtungsbereich einmal durchlaufen haben. Kehren Sie dann wieder zum Stirnrunzeln zurück. Sie werden feststellen, dass Ihnen das Wahrnehmen der Körpersprache Ihres Gegenübers von Mal zu Mal leichter fällt. Und Ihnen immer mehr nonverbale Zeichen zusammen bewusst werden, so dass Sie schließlich den gesamten körpersprachlichen Ausdruck erkennen werden.

 

Schritt 3: Beginnen Sie erste Deutungsversuche

Versetzen Sie sich in einer ruhigen Minute in die nonverbalen Zeichen Ihres Gegenübers körperlich hinein, d.h. nehmen Sie dessen nonverbales Signal ein. Legen Sie beispielsweise den Kugelschreiber in die Mitte auf den Tisch, so wie er es in Ihrem Gespräch gemacht hatte oder runzeln Sie die Stirn. Fühlen Sie sich so in diesen Ausdruck der Körpersprache und in die jeweilige Bewegung ein.

 

Dies hat drei Vorteile:

  1. Sie lernen das Körpersignal des anderen besser verstehen.
  2. Sie erfahren am eigenen Körper, wie dieses nonverbale Zeichen auf Sie selbst wirkt (welche Gefühle und Gedanken es auslöst). Das ist eine wichtige Erfahrung, denn schließlich wenden Sie selbst Körpersprache als nonverbale Kommunikation an, d.h. je bewusster Sie sich bestimmte körpersprachliche Ausdrücke machen, umso bewusster können Sie diese im Gespräch selbst abrufen und zeigen.
  3. Sie werden zu eigenen Deutungen gelangen und dadurch nicht nur einfach den Vorgaben „Körpersprache deuten“ blind folgen, sondern auf das Hier und Jetzt reagieren können. Sie lernen so Ihren eigenen Interpretationen zu vertrauen.

 

Fragen Sie sich, während und nachdem Sie diese Bewegung oder Körperhaltung ausgeführt haben:

  • Was drückt diese Körpersprache aus?
  • Welche Gefühle und Gedanken entstehen?
  • Wie würden Sie dieses nonverbale Signal in Worte fassen?

 

Beispielsweise: „Mit dem Kugelschreiber zwischen uns schaffe ich eine Barriere, die mich schützt.“  oder „Ich runzele die Stirn, weil ich es besser nachvollziehen möchte. Ich frage mich gerade, ob ich mit den Argumenten übereinstimme.“

 

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