Studium oder Ausbildung - welcher Weg ist der Richtige?

16. April 2018

Nach dem Abitur stellen sich viele junge Menschen dieselbe Frage: 

Ausbildung oder doch lieber Studium?

 

Statistiken scheinen die vorherrschende Präferenz recht eindeutig zu belegen: Im Jahr 2016 gab es laut dem Statistischen Bundesamt 2,84 Millionen Studenten in Deutschland, aber nur 1,32 Millionen Auszubildende. Und dennoch: Eine universelle Antwort auf die Frage, welche von beiden Optionen die richtige ist, gibt es nicht. Denn sowohl Ausbildung als auch Studium bieten Vor- und Nachteile; die Wahl eines der beiden Konzepte hängt letztendlich von den Interessen des Individuums ab. Dieser Artikel soll Ihnen zumindest als Entscheidungshilfe dienen.

 

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Das Studium: Vor- und Nachteile

Zuerst sollten Sie sich bewusst darüber werden, was genau Sie wollen und welche Art von Tätigkeit Ihnen Freude bereitet. Mit einem Studium haben Sie die Chance auf eine akademische Karriere. Viele Studiengänge, vor allem kultur- und geschichtswissenschaftliche, sind eher theoretischer Natur. Es gibt aber auch zahlreiche Ausnahmen, die praktische Inhalte umfassen, wie etwa technische und naturwissenschaftliche Studiengänge.

 

Der geringe Praxisanteil eines Studiums lässt sich - etwas Eigeninitiative vorausgesetzt - auch mittels Praktika, Auslandsaufenthalten sowie Volontariaten kompensieren. Viele Studiengänge bieten weitreichende Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung. Nachdem Sie sich einen Überblick über das Fach verschafft haben, können Sie meist einen individuellen Schwerpunkt wählen, um sich zu spezialisieren.

 

In der Regel haben Sie auch mehr Freizeit als in einer Ausbildung, was aber auch die Fähigkeit zur Selbstorganisation voraussetzt.

 

Erst an zweiter Stelle sollten Sie sich fragen, welcher Weg für Ihre Karriere der bessere wäre. Dem noch immer verbreiteten Bildes des "faulen Dauerstudenten" zum Trotz haben Uni-Absolventen langfristig nachweislich bessere Berufsperspektiven. Einstiegspositionen und -gehälter sind tendenziell höher, ebenso die Chancen auf Beförderungen und Gehaltserhöhungen.



 

Dass ein Abschlusszeugnis Ihnen so manche Tür öffnen kann, liegt schlichtweg daran, dass Arbeitgeber mit einem Studium bestimmte Fähigkeiten und Charaktereigenschaften assoziieren, etwa die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen und ein gehöriges Maß an Selbstdisziplin. Daher ist es für manche Stellenangebote sogar irrelevant, was genau Sie studiert haben - der Abschluss an sich zählt.

 

Der größte Nachteil des Studiums ist wohl der damit verbundene zeitliche und finanzielle Mehraufwand. Als Student starten Sie tendenziell später ins Berufsleben, vor allem, wenn Sie zusätzlich einen Master-Abschluss anstreben. Da eine akademische Ausbildung zudem üblicherweise nur Ausgaben und keine Einnahmen nach sich zieht, benötigen Sie ein Finanzierungskonzept - Bafög, ein Studienkredit, ein Stipendium oder finanzielle Unterstützung von Ihren Eltern.

 

Die Ausbildung: Vor- und Nachteile

Auch bei der Entscheidung zugunsten einer Ausbildung sollte Ihr Interesse für die Branche das wichtigste Kriterium sein. Verglichen mit einem Studium ist eine betriebliche Ausbildung praxisorientierter, denn Sie finden sich von Anfang an im Arbeitsalltag wieder. Dieser starke Praxisbezug ist auch ein Grund dafür, dass der Raum zur beruflichen Entfaltung und Orientierung eher beschränkt ist, nämlich auf Ihren jeweiligen Fachbereich - außer, Sie entscheiden sich nach Ihrem Abschluss für eine zweite Ausbildung, eine Fortbildung, oder machen sich selbstständig.

 

Zudem wird Ihnen natürlich niemand verwehren, im Anschluss an Ihre Ausbildung noch ein Studium zu absolvieren, wobei Ihr bisher verdientes Geld zur Finanzierung dienen kann. Dies ist auch das größte Pro-Argument für eine Qualifizierung im Betrieb: Sie verdienen ein (allerdings zu Anfang noch recht geringes) Gehalt. Zudem zeigen Statistiken, dass Absolventen einer Berufsausbildung der Einstieg in die Arbeitswelt zumeist schneller gelingt als Akademikern, was auch an den Übernahmemöglichkeiten im Ausbildungsbetrieb liegt.

 

Sonderform: Das duale Studium

Wenn Ihnen die Wahl immer noch schwer fällt, gibt es eine gute Nachricht: Einige Arbeitgeber bieten nämlich beide Optionen nebeneinander in ihrem Betrieb an, oder sogar als Kombination in Form eines dualen Studiums. Diese Sonderform der beruflichen Qualifikation verbindet alle Vorteile des Studiums und der Ausbildung in einem effektiven und anspruchsvollen Konzept. Ein Beispiel ist Peter Hahn, ein Versandhandelsunternehmen für Designer-Mode mit circa 1.000 Mitarbeitern, das sein Nachwuchs-Programm in einem YouTube-Video vorstellt:

 

 

Die zunehmende Popularität des dualen Studiums ist vor allem der hohen Studienabbrecher-Quote von etwa 20 Prozent und dem gleichzeitigen Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt geschuldet. Als noch relativ junge Form der Berufsqualifizierung ist das Angebot an Studiengängen allerdings noch recht überschaubar, und nicht alle Fachbereiche werden gleichermaßen abgedeckt. In der Regel bewerben Sie sich direkt bei einem Unternehmen, das mit einer Universität, einer Fachhochschule oder eine Berufs-, Wirtschafts- oder Verwaltungsakademie zusammenarbeitet.

 

Der Ablauf des dualen Studiums ist durch einen mehrwöchentlichen oder -monatlichen Wechsel von Studien- und Ausbildungsphasen strukturiert. Es verbindet somit die Theorie mit der Praxis, sodass Sie Ihre in Vorlesungen und Seminaren erworbenen Kenntnisse im Arbeitsalltag direkt erproben und umsetzen können. Nicht nur deshalb haben Absolventen einen hervorragenden Ruf auf dem Arbeitsmarkt.

 

Doch offene Stellen sind hart umkämpft, und ein duales Studium ist mit besonders großen Anforderungen und einem hohen Leistungsdruck verbunden. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Unternehmen eine Menge Geld investieren, um sich neue Talente heranzuziehen.

 

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