Girokonto für Selbstständige – Vorsicht vor der Kostenfalle

17. November 2014

Eine selbstständige Tätigkeit, gleich ob als Freiberufler oder Gewerbetreibender, ist ohne Girokonto faktisch unmöglich. Im Handwerk mag die Barzahlung von Rechnungen noch vorkommen, in den meisten Geschäftsfeldern würden die Kunden jedoch eher verwundert reagieren, wenn Sie als Auftragnehmer keine Bankverbindung nennen können. Privatpersonen werden von den Onlinebanken massiv mit kostenlosen Girokonten umworben, die ersten Filialinstitute ziehen nach.

 

Wenn Sie als Selbstständiger auf der Suche nach einem kostenlosen Geschäftskonto für Ihre Firma sind, werden Sie schnell feststellen, dass diese Suche erfolglos bleiben wird. Was bleibt, ist die Suche nach einem kostengünstigen Girokonto.

 

Geldautomat

 

Geschäftskonten häufig intransparent

Die Zeitschrift Öko-Test bemängelt in ihrer Ausgabe vom 25.7.2014 geradezu eine Diskriminierung von Selbstständigen. Während Privatkunden mit komplett kostenlosen Girokontopaketen regelrecht verwöhnt werden, gilt für Geschäftskunden ein Gebührenmodell, welches häufig intransparent, auf jeden Fall aber deutlich überteuert ist.

 

Zahlreiche Direktbanken bieten diesem Kundenkreis erst gar kein Girokonto an, respektive grenzen die Berufsgruppen stark ein. Die Argumentation der Kreditinstitute läuft darauf hinaus, dass Geschäftskonten deutlich mehr Buchungsvorgänge veranlassen als das Girokonto eines Privathaushaltes.

 

Was bedeutet dieser Sachverhalt für Sie als Selbstständige?

Mit mehrjähriger Berufserfahrung können Sie sagen, ich bin so lange bei meiner Bank, ich wechsle nicht mehr. Dies wäre jedoch eine Entscheidung, die Sie im Jahr mehrere Hundert Euro kosten kann. Für einen Einsteiger, der gerade in der Gründungsphase seines Unternehmens steckt, macht eine gezielte Selektion der Anbieter Sinn. Gerade in der Gründungsphase gilt es, die Ausgabenseite peinlich genau zu kontrollieren. Während Arbeitnehmern häufig nur ein Kontomodell zur Verfügung steht, differenzieren gerade die Banken in der Fläche zwischen unterschiedlichen Optionen.



  

Pauschale oder Einzelbuchung?

Nach wie vor bieten einige Banken die Wahl zwischen einer pauschalen Kontoführung und der Abrechnung nach Einzelbuchungen an.

 

Vorsicht bei Pauschalen:

Diese decken häufig nur eine bestimmte Anzahl an Buchungsposten, darüber hinausgehende Buchungen werden wiederum gesondert abgerechnet. Ein weiteres heikles Thema ist der Kontokorrentkredit. Dabei handelt es sich um das Pendant der Selbstständigen zum Dispokredit für Privatkonten. Zahlreiche Institute tun sich sehr schwer damit, ihren freiberuflichen und gewerbetreibenden Kunden einen solchen Kredit einzuräumen. Hintergrund ist, dass der klassische Dispo durch die regelmäßigen Gehaltseingänge der Arbeitnehmer besichert ist, ein Umstand, der bei Selbstständigen entfällt. Die Alternative Kurzzeitkredit mag eine Lösung sein, aber nicht auf Dauer.

 

Bildnachweis Thorben Wengert / pixelio.de Foto: © Thorben Wengert / pixelio.de

 

Als Selbstständiger gilt es für Sie also, auf diverse Punkte bei der Auswahl eines Geschäftskontos zu achten:

  • Kontoführungspauschale oder Einzelabrechnung
  • Umfang der Serviceleistungen beim Banking, beispielsweise spezielle Software, die auch mit dem Buchhaltungsprogramm kompatibel ist.
  • Möglichkeit, einen Kontokorrentkredit zu erhalten
  • Letztendlich die monatlichen Gebühren
  • Kostenfreie oder kostenpflichtige Bankcard

 

Als Bank für Geschäftskunden konnte sich die EthikBank positionieren. Die Online-Tochter der Volksbank Eisenberg überzeugte mehrfach bei Tests für Geschäftskonten.

 

Nachrechnen lohnt sich

Bei der Auswahl des Geschäftskontos oder der Neuorientierung sollten Sie die unterschiedlichen Gebührenmodelle durchaus einmal durchrechnen. Auch wenn eine Einzelabrechnung der Buchungsposten auf den ersten Blick teurer erscheinen mag als eine Pauschale, kommt es unter dem Strich darauf an, wie viele Buchungen tatsächlich pro Monat anfallen. Beträgt die Pauschale bei einer Bank 20 Euro monatlich, ein Mitbewerber verlangt 15 Cent pro Position, rentiert sich die Pauschale erst ab einem Volumen von mehr als 133 Buchungen pro Monat, eine stolze Zahl.

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