Fondsrating: Wirklich hilfreich bei der Vermögensanlage?

14. Juni 2017

Auf die gesetzliche Rente als alleinige Altersvorsorge können sich Fach- und Führungskräfte kaum verlassen – das gilt unabhängig davon, ob Ihnen später nur noch 43 oder vielleicht doch 48 Prozent des anrechnungsfähigen Gehalts zur Verfügung stehen. Angesichts des Niedrigzinsumfelds von Sparanlagen, Lebensversicherungen oder der in Großstädten überhitzten Immobilienmärkte empfehlen die meisten Experten unisono die Flucht in die Aktienmärkte. Dies ist allerdings selbstverständlich auch mit gewissen Risiken verbunden, die im Extremfall bis hin zum Totalverlust führen können.

 

Fondsrating - wirklich hilfreich bei der Vermögensanlage? 

Einzelaktien oder Aktienfonds – Die Sicherheitsproblematik

Die wenigsten Privatanleger dürften in der Lage sein, einzelne Aktien bestimmter börsengehandelter Großunternehmen ausreichend zu bewerten und das Geschäftsmodell der jeweiligen Aktiengesellschaft zu verstehen. Schließlich ist nicht jeder ein Warren Buffet oder George Soros. Daher wird in der Regel empfohlen, in Investment- bzw. Aktienfonds zu investieren. So sollen Anleger die Risiken („nicht alle Eier in einen Korb“) streuen.

 

Wichtiger Hinweis

Natürlich gibt es hierzu auch Gegenbeispiele. Wer bspw. vor 10 Jahren konsequent auf Google gesetzt hat und diese Aktien 10 Jahre nicht verkauft hat, konnte sein Anlagevolumen um 1.100 Prozent steigern.

 

Für die meisten Kleinanleger dürfte eine Fondsanlage (im Grunde ein Korb verschiedenster Aktien und Anleihen) vielleicht nicht die renditeträchtigste, aber die „sichere“ Wahl sein. Darüber hinaus sollte der Kauf einer Einzelposition in der Regel über 1.000 Euro liegen, ansonsten werden die Transaktionskosten (Gebühren etc.) überproportional hoch.



 

Aktiv gemanagter Fonds oder ETF

In den letzten Jahren wird vermehrt das Hohelied auf die  ETFs gesungen. Das Kürzel ETF steht für Exchange-Traded Funds. Diese Fonds vollziehen häufig passiv die Entwicklung ganzer Börsenindizes wie dem Dax oder dem Dow Jones (aber auch der Weltbörsen)  nach. ETFs sind bezüglich der Gebühren, die für den Anleger anfallen, meist besonders günstig. Im Gegensatz dazu stehen aktiv gemanagte Fonds (als Beispiel unter Tausenden sei hier die moneyou- Fondsanlage genannt), bei denen Fondsmanager die nationalen und internationalen Märkte analysieren und immer wieder die Zusammensetzung des Fonds durch Zu- und Verkäufe verändern. Je nach Ausrichtung des Fonds befindet sich im Fondsvermögen dann die gewünschte Mischung aus sicheren und risikanteren Papieren. Diese Tätigkeit der Fondsmanager bezahlt der Anleger dann mit höheren Gebühren. Aktiv gemanagte Fonds sind im Vergleich zu ETFS also meist  teurer. Die Anleger nehmen dies oft hin, solange die Leistung stimmt. Meist gelingt es allerdings nur einer Minderheit von Fondsmanagern, die jeweiligen Börsenindizes langfristig zu schlagen

 

Wichtiger Hinweis

Die FAZ meldete am 12.06.21017 allerdings, dass sich aktiv gemanagte Aktienfonds in den ersten fünf Monaten des Jahres 2017 an der Wall Street überraschend gut geschlagen hätten. Nahezu die Hälfte dieser Fonds habe besser abgeschnitten als der jeweilige Börsenvergleichsindex. Die Zeitung betont in ihrem Beitrag aber auch, dass es sich hier um eine Ausnahme handelt.

 

Die Auswahl an Fonds ist unüberschaubar

Wenn man allein nur den deutschen Markt betrachtet, hat der Anleger die Auswahl unter fast 8.000 Investmentfonds, die für den Publikumsvertrieb zugelassen sind. Laut einer aktuellen Statistik des Bundesverbandes Investmentfonds (BVI) entspricht dies einem Wert in Höhe von fast 850 Milliarden Euro. Aktienfonds, Rentenfonds und Mischfonds haben ein Volumen von fast 700 Milliarden Euro. Die anteilsmäßig größte Anlageklasse sind die Aktienfonds mit knapp 300 Milliarden Euro. Letztere bietet dem Anleger das höchste Gewinn-, aber natürlich auch Verlustpotential. Daher stellt sich für alle, die sich in Aktienfonds engagieren wollen die Gretchenfrage, welchen Fonds sie überhaupt wählen sollen.

 

Ratingagenturen wollen weiterhelfen

Börsentipps sind so beliebt wie Fußballwetten – es gibt davon unzählige in Zeitungen, Magazinen, Börsenbriefen, Newslettern und im Internet. Über den Wert dieser Informationen lässt sich allerdings streiten, sie lassen sich erst im Nachhinein verifizieren.  Viele setzen stattdessen  auf professionelle Ratingagenturen (bspw. Feri Eurorating oder Morningstar), die permanent einen Teil des Marktangebotes überprüfen, bewerten und Noten vergeben. 

 

Tipp

Auch die Stiftung Warentest bewertet im Rahmen ihrer Tochterorganisation Finanztest Aktienfonds.

 

Bezweckt wird mit dem Angebot der Ratinganbieter, für den Privatinvestor Markttransparenz zu schaffen. Die standardisierten Verfahren der Agenturen sollen einen systematischen Vergleich der Fondsalternativen ermöglichen, ohne dass der Anleger alle Details kennen muss.

 

Berechtigte Kritik an Ratingagenturen

Es gibt viele Punkte, an denen sich die Kritik an Ratingagenturen festmachen lässt. Als erstes lässt sich anführen, dass die Aussagen ausschließlich auf die Vergangenheit der Fonds beziehen können, über die künftige Wertentwicklung lässt sich nur spekulieren. Außerdem gilt es zu beachten, dass nur Fonds geratet werden, die noch am Markt erhältlich sind. Fonds, die wegen Erfolglosigkeit von den Banken vom Markt genommen wurden, lassen sich also kaum noch auffinden. Manche Banken und sonstige Emittenten verlieren wenig Zeit, um sogenannte „Underperformer“ zu schließen und sie unter anderem Namen wieder aufleben zu lassen. Ein dritter Punkt bildet die finanzielle Abhängigkeit der Ratingagenturen von den Emittenten. Nicht der Anleger zahlt für die Ratinginformation, sondern der Emittent.   

 

Fazit

Die Ratings der Agenturen können trotzdem ein sinnvoller Ansatz für eine gewisse Vorselektion des Anlegers sein. Der gesunde Menschenverstand sollte aber – wie bei jeder Investition – nicht ausgeschaltet werden. Ratings können nur die Vergangenheit, niemals aber die Zukunft abbilden.

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