Für Existenzgründer: So werden Sie Ihr eigener Boss

5. März 2010

Endlich der eigene Boss sein!

Endlich die eigenen Vorstellungen und Ideen umsetzen können!

Endlich alleine entscheiden!

.... Träume, die so mancher hegt.

 

So werden Sie Ihr eigener Boss

Vielleicht gibt Ihnen Ihre Entlassung den Impuls, sich nun diesen Traum zu erfüllen.

Oder Sie haben von den Allüren Ihres Chefs die Schnauze so voll, sodass Sie diesen Schritt endlich in Angriff nehmen wollen, gar schon gekündigt haben.

Damit der Traum der Existenzgründung jedoch nicht zerplatzt, gar zum Albtraum wird, ist eine Planung – mit kritischem Auge – unerlässlich.

 

Und zwar eine Planung, die Sie auch durch die Höhen und Tiefen der Zeit nach der Existenzgründung bringt.

Denn das Geschäft alleine auf die Beine zu stellen, reicht nicht aus. Sie brauchen einen Kurs, der Ihnen sagt, wie Ihre kommenden Jahren der Selbstständigkeit aussehen sollen.

Stolpersteine, die den erwünschten und angestrebten Erfolg, behindern, gibt es zur Genüge.

 



Schritt 1: Ab heute sind Sie der Boss

Ziel: Klopfen Sie kritisch Ihre Kompetenzen als Gründerpersönlichkeit ab


Sie sind schon ganz euphorisch. Gut. Sie können es kaum erwarten, endlich zu eröffnen. Noch besser. Ohne Ihren Höhenflug jetzt zum Absturz zu bringen, führen Sie sich erst einmal einige nackte „Arbeitnehmer-Tatsachen“ vor Augen: Als eigener Boss erhalten Sie keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keinen bezahlten Urlaub, keinen Beitrag zur Sozialversicherung – dafür müssen Sie selbst aufkommen. Sie handeln zukünftig ausschließlich eigenverantwortlich, d.h. Sie erhalten große Freiheiten und auch große Pflichten. Um diese zu nutzen und zu erfüllen, benötigen Sie

  • Selbstbewusstsein. Halten Sie an Ihrer Idee fest, trotz vielleicht mancher Widerstände in der Familie? Geben Sie sich nicht gleich geschlagen, „nur“ weil die erste Bank keinen Kredit gewährte? Können Sie sich bei Behördengängen durchsetzen und Ihr Anliegen vortragen?
  • Durchhaltevermögen. Bleiben Sie am Ball, auch wenn Sie erste Hürden zu bezwingen haben? Oder wenn ein Auftrag über Nacht erledigt werden muss? Bewahren Sie auch in Krisensituationen die Nerven? Können Sie mit Stress gut umgehen?
  • Flexibilität. Können Sie sich auf Planabweichungen schnell anpassen? Auf Kundenwünsche  flexibel reagieren? Konzepte abändern, um auf die Marktlage zu reagieren?
  • Know-How. Verfügen Sie über fundierte Kenntnisse Ihres Produktes/Ihrer Dienstleistung? Haben Sie hier Praxiserfahrungen vorzuweisen? Verfügen Sie über Grundkenntnisse im Marketing, BWL und Verkauf?

 

Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Es nützt nichts, sich jetzt etwas vorzumachen und dann später mit Ihrer Idee pleite zu machen. Schauen Sie, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen.

 

Expertenrat

Die Kammern bieten für Interessierte Existenzgründerseminare, in denen auch die „Gründerpersönlichkeit“ genauer betrachtet wird. Wer unsicher ist, ob er wirklich das Zeug zum eigenen Boss hat, sollte sich hier beraten lassen. Noch ein Hinweis: Fähigkeiten können natürlich auch erlernt und ausgebaut werden. Vielleicht sollten Sie eine Liste für Weiterbildungskurse in eigener „Chef-Sache“ erstellen.

 

Schritt 2: Ohne Marktanalyse sind Sie blind

Ziel: Unterziehen Sie Ihre Geschäftsidee dem ultimativen Härtetest


Hören Sie bitte nicht allein auf die Stimmen Ihrer Freunde und Familie. Prüfen Sie Ihre Idee. Folgende Kriterien sollten Sie unbedingt beachten:

  • Marktpotenzial. Welche Marktlücke füllt Ihre Geschäftsidee? Muss es sich gegen Mitbewerber behaupten? Gegen wen? Besteht hier überhaupt ein Bedarf? Ist es neu? Nur ein Trendprodukt ? Oder hält es mehrere Jahre durch? Entspricht das Produkt dem Stand der Technik?
  • Zielgruppe. Welche Kunden sollen das Produkt kaufen? Wer benötigt diese Dienstleistung? Welchen konkreten Nutzen und Vorteil erfährt der Kunde durch dieses Produkt? Gibt es dafür wirklich Abnehmer?
  • Standort. Ist die Lage gut erreichbar, auch für Laufkundschaft interessant? Sind Sie der alleinige Anbieter solch eines Produktes in dieser Gegend? Wo sitzt der nächste Konkurrent?
  • Mitbewerber/Konkurrenz. Was bieten diese wie an? Wie lange bestehen diese schon auf dem Markt? Womit werden Stammkunden bei „Laune“ gehalten? Neukunden beworben? Laufkundschaft angelockt? Womit wollen Sie sich gegenüber Ihrem Mitbewerber abheben?

 

Hier liegen so manche K.O.-Kriterien verborgen. Manches Mal reicht es aus, sich einen anderen Standort zu suchen. Oder eine neue Zielgruppe anzupeilen. Überlegen Sie sich mehrere Alternativen, bevor Sie sich für eine entscheiden.

 

Expertenrat

Vielleicht ist eine Neugründung wenig sinnvoll, aber Sie könnten als Nachfolger in einen alteingesessenen Betrieb einsteigen. Handwerksbetriebe sind hier ständig auf der Suche. Als Alternative bieten sich auch Kooperationen mit anderen Firmen an, um so eine breitere Kundenschicht anzusprechen. Oder Sie steigen als Franchiseunternehmer ein.

 

Schritt 3: Finanzierung, Beratung & Co.

Ziel: Holen Sie sich Unterstützung, bevor Sie loslegen

 

Kalkulieren Sie knallhart und realistisch. Sie müssen schließlich wissen, wie viel Fremdkapital Sie als Fördermittel zusätzlich benötigen. Fakt: grundsätzlich ist fast jeder aktivierbare Finanzierungsaufwand förderungsfähig. Ob bauliche Maßnahmen, Maschinen, Einrichtungen, das erste Warenlager, Mietkautionen oder auch Notargebühren. Wichtig: Sie müssen den Antrag auf Förderung VOR dem Beginn des Gründungs-, Übernahme- oder Beteiligungsvorhaben stellen. Ansonsten gehen Sie leer aus. Damit steht Ihre Handlungsreihenfolge fest:

  1. Erst Finanzplan erstellen,
  2. dann zur Bank
  3. und danach erst mit dem eigenen Geschäft beginnen.

 

Damit Sie bei Ihrer Kalkulation nichts vergessen, hier die Finanzierungsschwerpunkte:

  • Miete und laufende Kosten.
  • Equipment.
  • Technik.
  • Auto, Maschinen.
  • Gehälter und Sozialabgaben.
  • Gebühren für Anwälte, Versicherungen und Co.
  • Design: Briefpapier, Visitenkarte, Homepage, Flyer.
  • Werbung.
  • Bürobedarf.
  • Reisekosten.

 

Holen Sie sich Kostenvoranschläge, damit Sie einen ersten Überblick erhalten. Vergessen Sie nicht, sich bei den Kammern über die für Sie passende Rechtsformwahl, die Haftung und Einkunftsart zu erkundigen. Auch ob Sie alle Voraussetzung wie beispielsweise Meisterbrief erfüllen. Fragen Sie konkret nach, ob Sie für Ihre Geschäftsidee eine Gewerbe anmelden müssen.

 

Expertenrat

Erkundigen Sie sich, ob es für Ihre Zunft Verbände gibt, denen Sie als Mitglied beitreten können. Obwohl hier zwar ein jährlicher Mitgliedsbeitrag auf Sie zukommt, lohnt sich die Investition. Sie sind bei Rechtsangelegenheiten abgedeckt und erhalten Informationen, die für Ihre Selbstständigkeit wichtig sind.

 

Schritt 4: Sorgen Sie für Ihren Auftritt

Ziel: Planen Sie eine Marketingstrategie - von Anfang an


Alles in trockenen Tüchern: die Planung steht, die Finanzierung erst recht. Das Büro eingerichtet, das Briefpapier lechzt nach seiner ersten Auftragsbestätigung. Sie haben viel erreicht – Gratulation.

 

Ein ganz wichtiger Schritt fehlt aber noch: Sie müssen bekannt werden. Sich einen Namen machen. Von alleine geschieht dies nicht. Überlegen Sie sich eine Marketingstrategie, die von Anfang an „zündet“ und auch zu Ihnen passt.

  • Der Eröffnungstag. Ob Sie nun eine Geschäft oder ein Lokal eröffnen, ein Dienstleistungsbüro für IT-Probleme starten oder als Physiotherapeut Ihre Praxis, der erste Tag ist Ihr Auftritt. Feiern Sie ihn – mit Freunden, (potenziellen) Kunden, der Presse. Im Vorfeld heißt es dafür, Flyer in alle Briefkasten der Nachbarschaft zu verteilen, Anschreiben an Kunden/Interessenten zu versenden, eine Anzeige in die Zeitungen setzen zu lassen und selbstverständlich die Presse einzuladen. Planen Sie besondere Highlights ein wie Rückenübungen zum Mitmachen oder Praxis-Tipps für den PC, die Interessierte anlocken.
  • Internet. Homepage, je nach Geschäftsart, eine sinnvolle Überlegung. Platzieren Sie Ihre Geschäftsidee zusätzlich auf den speziellen Gründerseiten, die jede Kommune oder Stadt auf ihren Internetseiten zur Verfügung stellt. Unter der Rubrik Wirtschaft meist zu finden.
  • Regelmäßige Auftritte. Der Start gelungen, ist jetzt „Trommel schlagen“ angesagt. Legen Sie Flyer in Ihren Geschäftsräumen aus, die Kunden mitnehmen und weiterverteilen können. Schalten Sie Anzeigen, schreiben Sie (oder lassen sich schreiben) Pressetexte, gestalten Sie Events, halten Sie Vorträge, fördern Sie die Weiterempfehlung (Fachblog Weiterempfehlung Kunden) durch Ihre Kunden.
  • Networking. Schaffen Sie sich ein Netzwerk. Zum Austauschen, Kennenlernen und Kontakte knüpfen. Dies ist indirekte Werbung für Sie.

 

Als Existenzgründer verfügen Sie selbstverständlich über kein großes Werbebudget. Planen Sie deshalb besonders strategisch. Lieber kleinere, regelmäßige Maßnahmen, als einmal im Quartal, die Superanzeige in der Zeitung, die dann nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne hat. Setzen Sie auch auf zufriedene Kunden. Denn Mundpropaganda ist kostenlos.

 

Expertenrat

Überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Kunden am besten erreichen. Das briefliche Anschreiben mit Telefonanruf? Den Erstkontakt auf Messen? Jede Kundenzielgruppe hat ihre Präferenzen, die Sie für Ihr Marketing nutzen müssen. Gleichzeitig sollten Sie nie auf ein Marketinginstrument alleine setzen – der Mix macht’s.

 

Schritt 5: Ab heute sind Sie auch „Mädchen für alles“

Ziel: Aufträge, Anschreiben, Buchhaltung – alles liegt in Ihrer Verantwortung

Als Arbeitnehmer war Ihr Aufgabengebiet „begrenzt“ – jetzt als Ihr eigener Boss sehen Sie sich Aufgaben gegenüber, die früher von vielen Kollegen im Unternehmen erledigt wurden: Dem Controller, der Sekretärin, dem Verkäufer, dem Fahrer undundund. Im Klartext: Sie müssen

  • neue Aufgaben übernehmen und
  • für diese Aufgaben auch Zeit einplanen.

 

Zwei wichtige Aspekte, die in Vergessenheit geraten können. Schließlich wollen Sie ja Ihr Expertenwissen und –können an den Kunden bringen. Das andere kann warten – kann es eben nicht. Erstellen Sie gleich einmal eine Liste, welche Aufgaben auf Sie zukommen. Notieren Sie ebenfalls, wie viel Zeit Sie dafür einplanen und kontrollieren Sie, wie viel Zeit Sie tatsächlich benötigen. Ungewohnte Aufgaben werden zeitlich meist über- oder unterschätzt.

 

Expertenrat

Einiges werden Sie sicherlich outsourcen wie Ihre Buchhaltung oder Ihre Pressearbeit. Dennoch müssen Sie auch für Gespräche Zeit einplanen. Und zur Kontrolle, denn es sind Ihre Bilanzen und Ihre Werbung.



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