Süßer die Steuerkassen nicht klingeln – Weihnachtsgeschenke erfreuen auch den Fiskus

9. September 2013

Besteuerung von Weihnachtsgeschenken - darauf sollten Sie achten

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul? Das sieht Ihr Finanzamt leider ganz anders – und möchte selbst an Weihnachten beschenkt werden. Wie Sie den Fiskus außen vor halten, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag.

 

Besteuerung von Weihnachtsgeschenken 

 

Finanzverwaltung will sogar Lohnsteuer für Kundengeschenke

Allgemeingut ist mittlerweile, dass für Geschenke an Mitarbeiter Lohnsteuer fällig wird, sobald der Wert 40 € (netto) pro Jahr übersteigt. Wesentlich unbekannter ist, dass auch auf Präsente für Kunden und Lieferanten Lohnsteuer abgeführt werden muss. Geschenke an Kunden werden übrigens im Steuerrecht als Sachzuwendungen bezeichnet. Geschenke an die eigenen Mitarbeiter mit einem Nettowert von bis zu 40 € pro Jahr sind per se lohnsteuerfrei. Die Freigrenze kann gegebenenfalls mehrmals im Jahr in Anspruch genommen werden, falls verschiedene Anlässe anstehen (z. B. Dienstjubiläen, Geburtstage oder Hochzeiten).

 

Diesbezügliche Kosten können übrigens auch auch dann als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn sie die 40-€-Grenze überschreiten.



  

Tipp

Präsente im Nettowert von bis zu 10 Euro dürfen Sie an Geschäftspartner grundsätzlich verschenken. Diese sieht das Steuerrecht als sogenannte Streuwerbemittel an und lässt diesbezüglich einen Betriebsausgabenabzug zu. Auch der Empfänger muss hier keine Einkommensteuer zahlen. Geschenke im Wert von mehr als 10 € müssen allerdings grundsätzlich vom Empfänger versteuert werden. Dies bedeutet im Endeffekt, dass Sie nach steuerrechtlicher Vorgabe im Grunde genommen die Preisauszeichnung nicht vom Geschenk entfernen dürfen – oder eine schriftliche Mitteilung bezüglich der Wertangabe beifügen müssen. Da dies beim Zuwendungsempfänger wahrscheinlich zumindest zu Befremden führen wird, gibt es einen eleganten Ausweg (s. unten Pauschalversteuerung hilft weiter).

 

Aufpassen

Bewirtungen aus geschäftlichem Anlass fallen nicht unter die Kategorie Sachzuwendungen. Hier gelten eigene Regeln!

 

Überschreiten der Freigrenze kostet den Betriebsausgabenabzug

Geschenke an Kunden und Lieferanten dürfen grundsätzlich bis zu einem Nettowert von 35 € (pro Jahr) als Betriebsausgabe angesetzt werden. Die Freigrenze hat aber einen gewichtigen Haken – sobald sie auch nur um einen Cent überschritten wird, kann die gesamte Ausgabe nicht mehr steuerlich abgesetzt werden. Bei Kleinunternehmern im Sinne des Umsatzsteuergesetzes ist diesbezüglich nicht der Netto-, sondern der Bruttobetrag (also inklusive Mehrwertsteuer) ausschlaggebend.

 

Vorsicht

Ausgaben für Präsente müssen immer mittels eines separaten Buchungskontos (bspw. "Geschenke an Geschäftspartner“) geführt werden. Jede einzelne Buchung erfordert die eindeutige Zuordnung zu dem Empfänger.

 

Pauschalversteuerung hilft weiter

Da selbst der Gesetzgeber gemerkt hat, dass bei einem zu großen bürokratischen Aufwand Geschenke gar nicht mehr gemacht werden oder sogar „schwarz“ am Fiskus vorbeilaufen, hat er 2007 im Einkommensteuerrecht den § 37b EStG eingeführt. Hierdurch wird den schenkenden Zuwendern die Möglichkeit einer Pauschalversteuerung von Geschenken bis zu einer Obergrenze von 10.000 € jährlich eingeräumt. Das bedeutet also, dass der Schenker für den Beschenkten die steuerliche Verpflichtung übernimmt. Der diesbezügliche Steuersatz beträgt hier 30 %.

 

Tipp

Die Pauschalversteuerung kann übrigens wahlweise auch für Mitarbeiter in Anspruch genommen werden.

Bei der Gewährung von Sachzuwendungen an Mitarbeiter sollten Sie beachten, dass von der neuen Pauschalierungsmöglichkeit mit 30% alle geldwerten Vorteile ausgeschlossen sind, für die bereits gesetzliche Pauschalierungsvorschriften bestehen (bspw. die einkommensteuerlichen Rabattregelungen etc.).

 

Pauschalisierung gilt für 1 Jahr

Wenn Sie sich für die Pauschalisierung entscheiden, sind Sie allerdings daran ein ganzes Jahr gebunden. Berechnungsgröße der Pauschale ist grundsätzlich der Bruttowert aller Geschenke eines Jahres bezüglich der betreffenden Empfängergruppe.

 

Aufpassen

Unabhängig davon, ob es sich um betriebseigene Mitarbeiter oder Ihre Kunden und Lieferanten handelt - die Pauschale muss innerhalb der Lohnsteuererklärung geltend gemacht werden. Wird die Freigrenze von 35 € nicht überschritten (s. o.), kann selbstverständlich auch der Lohnsteueranteil als Betriebsausgabe angesetzt werden.

 

Tue Gutes und rede darüber!

Wenn Sie als Schenker die Steuer selbst übernehmen, sollten Sie dies dem Beschenkten bestätigen. Rechtlich reicht hier eine formlose Mitteilung an den Empfänger, dass die Steuer entrichtet wurde. Den Wert des Geschenks bzw. die Höhe der gezahlten Steuern müssen Sie selbstverständlich nicht aufführen. Es empfiehlt sich, einfach der Weihnachtskarte den folgenden Satz am unteren Ende anzufügen:

„Zuwendungsgeber erklärt, alle mit der beigefügten Zuwendung verbundenen Steuerpflichten seitens des Empfängers mittels Pauschalbesteuerung nach § 37b EStG erfüllt zu haben.“

Wenn Sie sich steuerlich ganz genau über die Problematik informieren wollen, sollten Sie das BMF-Schreiben zur „Pauschalierung der Einkommensteuer bei Sachzuwendungen" vom 29.04.2008; Az.: IV B 2 - S 2297-b/07/0001) lesen!

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