Verkaufen in digitalen Zeiten: Wie sieht die Zukunft des Sport-Einzelhandels aus?

12. September 2017

 

Sport, Spaß und Spiel geht immer, hörte ich mal einen Kunden aus dem Freizeit-Sektor sagen. Ob der Sporthandel sich ähnlich wie der Spielwarenbereich (siehe Artikel 4 dieser Serie) entwickelt hat und entwickeln  wird, erfahren Sie in diesem Beitrag. Wie immer dabei: ich benutze zur Einschätzung des Digitalisierungsgrades den Begriff Digitaler Index (DI). Dabei geht es um eine Skala von 1 bis 10, wobei die „1“ den niedrigsten und die „10“ den höchsten Wert darstellt. Ich starte stets mit einer allgemeinen Einschätzung der Situation und wage dann einen Ausblick.

 

 

Der Sport-Einzelhandel

Auch der Sport-Einzelhandel beklagt sich schon seit Jahren über die zunehmende Konkurrenz im Netz: Sukzessive seien ihnen die Kunden weggelaufen, vor allem die Sportler, die ihr Hobby etwas ernster nehmen und deshalb lange Zeit die Umsatz- und Gewinnbringer waren. Auch ich kenne kaum einen Marathon- oder vereinsmäßig organisierten Läufer, der seinen Schuh nicht online bestellt. Ist die passende Größe bei Händler A gerade mal nicht vorrätig, surft man eben zu Händler B weiter; das geht viel schneller, als sich ins Auto zu setzen und den nächsten Einzelhändler acht Kilometer weiter anzufahren, nur um dort noch 15 Minuten nach einem freien Parkplatz suchen zu müssen. Ob es nun die großen Händler wie zum Beispiel SportScheck, Karstadt oder Runners Point sind oder die inhabergeführten Geschäfte, die zu großen Teilen dem Intersport-Verbund angehören: Überall lässt sich fast jeder Artikel bequem online bestellen. Wenn Sie in die großen Einkaufszentren gehen und sich dort die Sportgeschäfte näher anschauen, so entdecken Sie zu großen Teilen nur noch Sport-Mode: Artikel, die online eben schwerer verkäuflich sind, weil man – und da spreche ich aus eigener Erfahrung – die Stoffe gewisser Funktions-Kleidungsstücke doch lieber erst einmal an der eigenen Haut erfühlen möchte. Das klassische Sport-Sortiment (Fitness-Geräte, Tennisschläger, etc.) jedoch ist seit Jahren rückläufig: Wer genau oder zumindest ungefähr weiß, was er will, fährt seinen PC hoch oder schaltet sein Tablet ein.

Meine Beurteilung: Der DI ist 6.



 

Das mögliche Zukunftsszenario

Das, was in vielen Läden bereits in einem kleinen Rahmen angeboten wird, wird sich zum Standard entwickeln: das Sportgeschäft als Event-Shop, vergleichbar mit dem Trend im Spielwarenhandel. Die Kunden bekommen einen Fitness-Tracker um ihr Handgelenk gezogen und los geht´s: Ob Laufband, Spinning-Bike, Virtual Golf, Functional Training oder ein kurzes Workout mit Bändern – alles ist möglich, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. An jeder Station werden Sie von einem ausgebildeten Personal-Trainer betreut (was dieser Berufsgruppe nebenbei bemerkt ein ganz neues Spielfeld eröffnen würde), denn es geht ja um Ihre Gesundheit, niemand soll sich überfordern oder gar verletzen. Und hier sprechen wir noch nicht von den technischen Möglichkeiten, die sich ebenfalls irgendwann realisieren lassen: ein sportlicher Vergleich mit einem virtuellen Gegner, den nur Sie als Beteiligter sehen, weil Sie eine dieser tollen Virtual-Reality-Brillen auf dem Kopf sitzen haben. Für die umstehenden Zuschauer wäre das jedenfalls ein ziemlich lustiges Bild.

 

Der Einkauf wird so zum aktiven Event, die interessanten Artikel können direkt ausprobiert und natürlich auch sofort mitgenommen oder nach Hause geschickt werden. Parallel werden natürlich isotonische Getränke oder auch Nahrungsergänzungsmittel wie Proteine, Vitamine & Co. nicht nur angeboten, sondern eben auch verkauft. So entsteht ein Zusatznutzen für alle Beteiligten. Warum nicht auch hier ein Shop-in-Shop-System installieren? Zumindest in einem kleinen Rahmen könnte auch das eine Möglichkeit sein, den sportlich interessierten Kunden wieder einen Anreiz zu geben, die Läden zu betreten.

 

Bis auf die digitalen Bestell- und Zahlungsmöglichkeiten wird es in diesem Sektor nicht viel digitaler werden, es werden nur die Grenzen immer mehr miteinander verschmelzen, wie in vielen anderen Bereichen auch. Der Zukunfts-DI ist also 8.

 

Der letzte Bereich, den wir uns in zwei Wochen gemeinsam anschauen werden, ist ein unverzichtbarer, weil lebensnotwendiger: Der Lebensmittel-Einzelhandel. Auch hier warten viele Neuerungen auf uns alle, seien Sie gespannt.

 

Das Buch zum Thema:

Verkaufen in digitalen Zeiten: Einfach mal Mensch sein (Dein Business)

Autor: Lars Schäfer
Im 2. Teil der Serie: Verkaufen in digitalen Zeiten, betrachtet Lars Schäfer den Einzelhandelssektor und konkret die Zukunft des Modehandels. mehr
Im 3. Teil der Serie: Verkaufen in digitalen Zeiten, betrachtet Lars Schäfer den Einzelhandelssektor und konkret die Zukunft des Parfümeriehandels. mehr
Im 6. Teil der Serie: Verkaufen in digitalen Zeiten, betrachtet Lars Schäfer den Einzelhandelssektor und konkret die Zukunft des Lebensmittel-Einzelhandels. mehr
Im 4. Teil der Serie: Verkaufen in digitalen Zeiten, betrachtet Lars Schäfer den Einzelhandelssektor und konkret die Zukunft des Spielwarenhandels. mehr
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