Altersvorsorgepflicht: Fluch oder Segen für den Gründergeist?

5. Dezember 2017

Die eigene Altersvorsorge beschäftigt Selbstständige und Unternehmensgründer oft schon viel früher als Angestellte. Denn wer sein eigener Chef ist, muss den Rentenaufbau in den meisten Fällen komplett selbst in die Hand nehmen. Da viele Selbstständige ihre finanzielle Versorgung als Rentner jedoch ausblenden und kein Geld auf die Seite legen, hat der Staat bereits mehrfach Interesse bekundet, sie zur Altersvorsorge zu zwingen. Ist das schädlich für den freien Gründergeist oder ein Weckruf gegen die drohende Altersarmut?

 

 

Eigenverantwortung ist meist Fluch und Segen in einem: Denn wer schalten und walten kann, wie es ihm passt, verliert manchmal wichtige Details aus den Augen. Vater Staat überlegt deshalb schon lange, den Selbstständigen in Deutschland ein wenig ihrer Autonomie zu nehmen – zumindest, wenn es um ihr Altersgeld geht. In der Schublade der Regierung schlummert seit einigen Jahren eine Altersvorsorgepflicht, die von vielen Selbstständigen einen Beitrag für die Rentenabsicherung fordern würde. Da sie diesen ohne Unterstützung eines Arbeitgebers leisten müssen, fällt der Anteil oftmals schwer zu Buche. Es stellt sich deshalb die Frage, ob die Vorsorgepflicht ein Schubs in die richtige Richtung „von oben“ ist oder ob sie tolle Gründungsideen im Keim erstickt, da sich Gründer ihre Selbstständigkeit einfach nicht leisten können.



 

Altersvorsorgepflicht: Warum gibt es sie noch nicht?

Eine Altersvorsorgepflicht wurde bereits von den Arbeitsministerinnen Ursula von der Leyen (CDU) und Andrea Nahles (SPD) gefordert – bisher jedoch erfolglos. Der Grund für die Nicht-Einführung ist die Uneinigkeit über die Umsetzung der Altersvorsorgepflicht zwischen der ehemaligen Regierungskoalition SPD und CDU.

Planmäßig sollten alle Selbstständigen, die weder in einem berufsständischen Versorgungswerk abgesichert sind noch private Bemühungen für ihre Rente vorweisen können, zur gesetzlichen Altersvorsorge gezwungen werden. Damit würden sie zahlreichen Solo-Selbstständigen gleichgestellt, die bereits ihren Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten müssen.  

 

Ist eine verpflichtende Altersvorsorge wirklich die beste Lösung?

Ob eine verpflichtende Altersvorsorge für Selbstständige je eingeführt wird, steht zwar in den Sternen. Doch eine wichtige Botschaft trägt die Diskussion aus der Politik in die Büros, Co-Working-Spaces und an die Schreibtische von Gründern: Der Rentenaufbau ist und bleibt ein sehr wichtiges Thema, das Selbstständige nicht vernachlässigen dürfen.

Welche Lösungen für selbstständig Tätige die beste ist, kann nicht universell entschieden werden. Denn die individuelle Situation und Lebenslage entscheidet über die Vor- und Nachteile aller Optionen. Doch was für Möglichkeiten haben Selbstständige bei ihrem Rentenaufbau?

 

Eigenheim, Firma oder Rentenversicherung?

Viele Wege führen bekanntlich zum Ziel. Das gilt auch für die Altersrente. Je nach finanziellen Fähigkeiten, persönlichen Vorlieben und Familiensituation eignen sich unterschiedliche Wege und Mittel dafür, Geld für die Zeit als Rentner auf die Seite zu legen. Eine Eigentumswohnung oder ein Haus werden oft als sichere und langfristig sinnvolle Altersvorsorge betrachtet. Denn dann fällt bereits die Mietzahlung im Alter weg.

Der eigene Firmenerfolg kann selbstverständlich auch ein lukratives Altersgeld in Aussicht stellen. Schließlich können Gründer das Geschäft, das sie auf die Beine gestellt haben, gewinnbringend verkaufen.

Darüber hinaus hat jeder, der sein eigener Chef ist, auch die Möglichkeit, in eine private Rentenversicherung einzuzahlen und sich somit einen sorglosen Lebensabend zu sichern. Der Vorteil einer solchen Versicherung ist das lebenslange Rentenversprechen. Nachteile sind die Abschlusskosten und die oftmals geringe Rendite.

Gründer können natürlich auch auf eigene Faust ihre finanziellen Rücklagen erwirtschaften. Das geht beispielsweise über Aktien, ETFs und weitere Kapitalanlagen. Diese sind allerdings oft mit höheren Risiken verbunden als andere Vorsorgeformen, so dass viele Experten diese zwar für den Vermögensaufbau, nicht aber für den Rentenaufbau empfehlen.

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